Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1: Kurzes Wochenende wie Imola 2020 hat keine Zukunft

Die Formel 1 kehrt am Wochenende zurück nach Imola. Im Vorjahr experimentierte die F1 dort mit einem neuen Format. Lob, aber keine Zukunft für zwei Tage.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ein Gutes hatte die Coronavirus-Pandemie für die Formel 1: 2020 bastelte die Königsklasse einen Notkalender zusammen, der neue Austragungsorte lieferte und alte Schätzchen reanimierte. Allen voran in das legendäre Autodromo Enzo e Dino Ferrari kehrte die F1 nach 13 Jahren Pause zurück. Noch dazu experimentierte die Formel 1 in Imola mit einem neuen Wochenendformat. Beim Emilia Romagna Grand Prix ging das Geschehen auf der Strecke an nur zwei statt der gewohnten drei Tagen über die Bühne.

Neue Rennen oder historisch wie sportlich wertvolle Strecken und revolutionäre Formate - so half die Krise der Formel 1, vielleicht angestaubte Routinen zu überdenken. 2021 geht es damit nahtlos weiter. Imola befindet sich erneut im Rennkalender, diesmal findet der Emilia Romagna GP (kommendes Wochenende live auf RTL, Sky und im Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com) allerdings wieder im regulären Dreitagesformat statt. Einzig den ursprünglichen Zeitplan passte die Formel 1 kürzlich nachträglich an - aus Respekt für das sonst zeitgleiche Begräbnis Prinz Philips’.

Formel 1 erteilt kürzeren Wochenenden auf Dauer Absage

Stattdessen soll es später in diesem Jahr einen neuen Ansatz geben, sogenannte Sprint-Qualifyings. Das finale Go dafür ist inzwischen nur noch Formsache, hängt einzig an inzwischen nicht mehr unlösbar erscheinenden Fragen der Finanzierung und Kompensierung der Kosten für die Teams.

So groß der Drang zur Veränderung in der Formel 1 gerade auch erscheint und so viel Anklang die verkürzten Wochenenden des Vorjahres in Imola, geplant, und auf dem Nürburgring, wetterbedingt, auch fanden, realistisch gesehen wird es sich bei derlei Experimenten auch in Zukunft um Ausnahmen von der Regel handeln. Das betonte nun Formel-1-Chef Stefano Domenicali an mehreren Stellen.

Formel-1-Chef Domenicali: Darum müssen es drei Tage sein

In einem kurzweiligen „Ja oder Nein“-Video auf dem Youtube-Channel der Formel 1 verneinte der seit 2021 neue F1-CEO etwa klar eine generelle Einführung von Zweitageswochenenden à la Imola in der Königsklasse. „All die Organisatoren wollen das volle Erlebnis für das Publikum. Das müssen wir respektieren“, erklärte Domenicali.

Wo läuft die Formel 1 2021 live im TV & Stream?: (10:32 Min.)

Heißt im Klartext: Die Promoter und Streckenbetreiber wollen nicht auf die Freitagseinnahmen verzichten, ob nun in Form von Ticketverkäufen, Veranstaltungen und Events im Rahmenprogramm, Gastronomie oder Camping- und andere Übernachtungsgebühren.

Formel-1-Szene begeistert: Weniger Training bringt mehr Spannung

Nur ein Training am Samstagmorgen, dann direkt ins Qualifying - das soll es so also nicht wieder geben. Dabei zeigten sich zahlreiche Fans Experten und auch Fahrer durchaus angetan von der Idee dieses Formel-E-Formats light. Die Elektroserie zieht ihr gesamtes Programm, also inklusive Rennen, traditionell an nur einem Tag durch.

„Es hat es für uns so viel härter gemacht“, sagte im Vorjahr etwa Weltmeister Lewis Hamilton. Normalerweise würde man in den zwei Trainings am Freitag derart viele Daten sammeln und sei dann sehr viel besser vorbereitet. Das ist mit einem Trainingsauftakt nur vier Stunden vor dem Qualifying - so wie in Imola 2020 eben - alles andere als der Fall. Die Folge: Auch die großen Teams können eher einmal stolpern, das bringt mehr Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse und damit ein Plus an Spannung. Härter ist in diesem Fall also keine Kritik, sondern ein Lob.

Formel 1 will nachhaltiger werden, aber nicht weniger fahren

Noch dazu gebe es einen angenehmen Begleiteffekt, so Hamilton. „Das sind 22 Tage weniger, an denen 20 Autos um die Strecke ballern und die Luft und den Planeten verschmutzen. Also ist es positiv“, sagte Hamilton. Nachhaltigkeit, CO2-Neutralität - das sind Anliegen, die sich die Formel 1 ebenfalls groß auf die Fahne geschrieben hat. Bis 2030 will die F1 CO2-neutral werden - und das werde man schaffen, bejahte Domenicali ebenfalls erst wieder in dem Video.

Durch weniger Action auf der Strecke soll das also offenbar nicht geschehen Zumindest nicht, wenn es einen ganzen Tag kostet - zumindest von zweimal 90 auf zweimal 60 Minuten hat die Formel 1 ab 2021 die Freitagstrainings verkürzt. Noch weniger ist ein No-Go, die finanziellen Interessen überwiegen. Nicht nur die Fragen des Umweltschutzes, sondern auch das Potential für größere Spannung. Ohnehin war das Zweitagesformat von Imola 2020 eigentlich nur gereift, um sich in einem eng gestaffelten Rennkalender einen zusätzlichen Reisetag Luft zu verschaffen.

Sprintformat kurbelt Ticketverkauf an - trotzdem nur Highlight

Etwas anders sieht es mit der nur so gut wie fertig gereiften Idee vereinzelter Sprint-Qualifyings aus. Diese, so Domenicali, sollen zwar ebenfalls nicht zum Standard werden, aber zumindest Highlights bleiben. „Wir wollen in Zukunft dieses Format nicht bei jedem Grand Prix machen. Das soll ein Grand Slam für ausgewählte Veranstaltungen werden“, sagte der Italiener den Kollegen von Auto, Motor und Sport.

Was dieses Modell interessanter macht als nur kurze Wochenenden? Der Vorteil eines Mehr an Spannung bleibt, gleichzeitig bleiben die Umsätze. Oder sie steigen sogar, wie Domenicali nahelegt. „Als wir mit der Meldung an die Öffentlichkeit gegangen sind, dass wir so eine Sprint-Qualifikation ausprobieren wollen, haben die Veranstalter, die für den Test in Frage kommt, sofort viel mehr Ticketanfragen. Und die TV-Anstalten waren begeistert“, berichtete der Formel-1-Chef.

Domenicali erklärt: Viele Vorteile durch Sprintformat

Domenicali weiter: „Je weniger Zeit für freie Trainingssitzungen, desto mehr Action auf der Strecke. Keiner wartet mehr auf bessere Bedingungen in der Garage. Das hat sich in Bahrain schon gezeigt. Mit einem freien Training und der Qualifikation kann der Veranstalter den Fans einen besseren Freitag verkaufen. Mit dem zweiten freien Training als Rennvorbereitung und dem Sprint-Qualifying am Nachmittag einen besseren Samstag. Das ist eine zusätzliche Plattform für Geschichten und für die Sponsoren. Je unberechenbarer alles wird, desto interessanter das Renngeschehen.“

Wie funktioniert das neue Sprint-Qualifying der Formel 1?: (09:04 Min.)

Ausprobieren müsse man dieses Format wegen dieser Erwartungshaltung unbedingt. Nur durch einen Realitätscheck könne die Formel 1 prüfen, ob der Ansatz wirklich eine Bereicherung für einzelne Wochenenden sei. Einen Versuch sei es in jedem Fall wert, hieß es zuletzt auch von den Teams. Deshalb stelle man sich nicht quer, so zuletzt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Voraussetzung seien allerdings genaue Simulationen und Analysen, um ein böses Erwachen zu verhindern.

Formel 1 plant: In fünf Jahren Rennen in Afrika

Auf derlei Analysen verzichtete unterdessen Stefano Domenicali in dem kurzweiligen Interview. Begründungen gab es abseits jener zum Wochenendformat kam, aber noch weitere interessante Antworten. So bejahte der Italiener etwa die Frage, ob es innerhalb der kommenden fünf Jahre ein Rennen in Afrika gebe und zeigte sich auch für einen zweiten Grand Prix in den USA neben Austin zuversichtlich - innerhalb der kommenden drei Jahre.