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Formel 1

Red Bulls F1-Motoren-Projekt wächst: Mercedes-Guru im Gespräch?

Der Aufbau von Red Bulls Formel-1-Motorenabteilung schreitet voran. Den nächsten Motor will man selbst bauen, heuert Personal an. Ex-Mercedes-Guru Option?
von Markus Steinrisser & Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Red Bulls neues Mammutprojekt ist angelaufen. Seit knapp einem Monat arbeitet das Team daran, in der Fabrik im englischen Milton Keynes eine eigene Formel-1-Motorenabteilung aufzubauen. Red Bull Powertrains wird ab 2022 den Honda-Motor aufbereiten, und soll schließlich für das neue Motoren-Reglement 2025 in der Lage sein, eine komplett neue Power Unit zu entwickeln.

Ein ganzes Gebäude wird gerade zur Motorenfabrik. Die entsprechenden Ressourcen werden in den nächsten Wochen und Monaten zusammengestellt. Dazu gehört nicht nur die Hardware, sondern auch das entsprechende Personal. Und wie immer kommt bei Motoren-Projekten in der Formel 1 der Name von Mercedes' ehemaligen Hybrid-Motor-Mastermind ins Spiel.

Red Bull Powertrains soll in einem Jahr startklar sein

Etwas verspätet ist das Projekt erst angelaufen - die Planungsphase begann schon mit dem Honda-Ausstieg im letzten Herbst, doch Red Bull musste erst die Garantie abwarten, dass die aktuellen Motoren von 2022 bis 2024 nicht mehr entwickelt werden dürfen. Die aktuellen Hybrid-Motoren weiterzuentwickeln war schließlich nicht realistisch.

Honda und Red Bull erwarten einen planmäßigen Übergang - Foto: LAT Images

Erst als im Februar der Motorenfreeze abgesegnet wurde, begannen die Umbauarbeiten. Zuerst einmal bei den Anlagen, wie Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko Motorsport-Magazin.com erklärt. Man braucht eigene Prüfstände, und eine Fertigung. Trotz der Verzögerungen glaubt Marko: "Wir gehen davon aus, dass wir bis Frühjahr, Sommer nächsten Jahres dort von der Hardware startbereit sind."

Wirbt Red Bull Mercedes-Motorguru Andy Cowell an?

"Parallel dazu haben wir Inserate geschalten, und haben sehr gutes Feedback erhalten", so Marko. "Da wird die ganze Struktur aufgebaut." Wer aber führt die Struktur? Ein großer Name wäre auf dem Markt: Andy Cowell, unter dessen Führung Mercedes' F1-Motordivision HPP seit 2014 unschlagbare Hybrid-Power-Units baut.

Cowell kündigte 2020 seinen Abschied an, und seine Übergangsphase endet dieses Jahr. Will Red Bull ihr Motoren-Projekt weiter ausbauen, so wäre er eine ideale Wahl. "Sprechen tun wir immer", gibt sich Marko etwas kryptisch. "Es wäre eine schöne Option, ist aber nicht aktuell." Denn Cowell begründete sein Ausscheiden bei Mercedes damit, Herausforderungen außerhalb der Formel 1 suchen zu wollen. Ihn zurückzuholen, dürfte einiges an Überzeugungsarbeit benötigen.

Red Bull will Motor 2025 selbst entwickeln, hofft auf Partner

Unabhängig davon ändert sich an Red Bulls Zukunftsplan nichts. Bis zum Start der Saison 2022 entwickelt Honda, dann wird eingefroren und Red Bull übernimmt. "Also erst ab 2023", sagt Marko. Die Details werden gerade mit Honda ausverhandelt. "Wir gehen schon davon aus, dass wir alle Unterlagen, alle Zuliefererdaten haben. Wir bauen also nicht einen komplett neuen Motor, sondern nutzen das Bestehende, und das ist mehr ein Sampling als ein Neubau."

Während man aber die Motoren für 2023 und 2024 nur zusammenbauen muss, sieht es 2025 anders aus. Die Formel 1 will da ein neues Motorenreglement einführen, und Red Bull will hier erstmals selbst entwickeln. "Sofern das Motorreglement so ist, dass ein Privater wie wir sich das leisten kann." Marko ist diesbezüglich optimistisch: "Alle Vorzeichen deuten darauf hin, dass die Kostengrenze kommt, das Triebwerk wesentlich einfacher wird."

Dr. Marko: Wie stark blufft Mercedes vor Formel 1 Saisonstart?: (18:55 Min.)

Dass das ein reines Red-Bull-Triebwerk wird, ist nicht zwingend nötig. Ein großer Hersteller könnte als Partner an Bord kommen - eine an und für sich ideale Verbindung für jemanden, der ein F1-Programm wünscht. Der Volkswagen-Konzern, über Porsche und Audi, wurde zuletzt immer wieder genannt.

Red Bull hat auf der Sponsorenseite eine lange Verbindung. "Das heißt aber noch lange nicht, dass die Formel 1 unbedingt mit dem Volkswagen-Konzern - falls die sich entscheiden in die Formel 1 zu gehen - zustande kommen muss", winkt Marko ab. Aber für jede Kooperation wäre man offen.


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