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Formel 1, Ärger um Alonso-Test: Weltmeister als Young Driver?

Renault will Fernando Alonso beim Young-Driver-Test der Formel 1 nach dem Abu Dhabi GP einsetzen, hofft auf Ausnahme. Regeln und Konkurrenz widersprechen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Fernando Alonsos Rückkehr in die Formel 1 rückt immer näher. 2021 gibt der Weltmeister von 2005 und 2006 mit Renault sein Comeback in der Königsklasse. Nach der offiziellen Bestätigung Alonsos dritter Ägide bei den Franzosen durch Renault ging es zuletzt Schlag auf Schlag, kaum hatte der Spanier seine letzte Prüfung des Jahres, die 500 Meilen von Indianapolis, hinter sich gebracht.

Formel 1 2021: Fernando Alonso - Mission WM-Titel beginnt!: (06:30 Min.)

Erst ein Besuch am Hauptsitz des Teams in Enstone und ein Abstecher zum Motorenwerk ins französische Viry, dann ein auf 100 Kilometer begrenzter Filmtag im aktuellen R.S.20 in Barcelona, gefolgt von einer Präsenz beim Rennteam am Grand-Prix-Wochenende in Imola und zuletzt, erst in der vergangenen Woche, ein in Sachen Laufleistung unlimitierter Test in einem drei Jahre alten Renault R.S. 18 aus der Formel-1-Saison 2018 in Bahrain.

Formel-1-Test Abu Dhabi: Renault will Alonso im Auto

Bis jetzt ein schon ordentliches Pensum. Wichtiger als all dieses bisherige Programm ist Renault - und auch Alonso - jedoch etwas anderes: Routinier hin oder her, der Spanier soll auch den aktuellen Boliden noch unbegrenzt testen. Immerhin bleibt zumindest das Chassis für 2021 eingefroren. Abgesehen von zwei Entwicklungsjokern, die jedes Team bei der Entwicklung im Winter ziehen darf, bleibt die Basis des R.S.20 also weitgehend ident.

Sich mit dem Boliden tiefer vertraut zu machen, würde sich für Alonso also lohnen. Zumal die Testfahrten vor der kommenden Saison mit nur drei Tagen kürzer ausfallen denn je - was der Spanier zuletzt bereits mehrfach monierte. Deshalb setzt Renault nun auf die Karte Abu Dhabi. Dort findet im Anschluss an das Saisonfinale 2020 Mitte Dezember ein sogenannter Young Driver Test statt. Renaults Plan: Dort soll mitunter der 39-jährige Spanier im Auto sitzen.

Warum Gary Paffett Young Driver war, Alonso nicht

Das Problem an der Idee liegt nahe: Ein Young Driver Test mit einem 39-Jährigen, noch dazu zweifachen Weltmeister? Ersteres ist nicht einmal das Problem. Das „Young“ im Sinn und Zweck des Tests bezieht sich nicht auf das Alter, sondern die Rennerfahrung. Nicht mehr als zwei Formel-1-Rennen darf ein Fahrer laut Sportlichem Reglement [Art. 10.5 b) ii)] bestritten haben, um sich das Prädikat ‚Young Driver’ zu verdienen. Deshalb saß etwa auch ein gewisser Gary Paffett beim Young Driver Test in Bahrain 2017 im Williams-Cockpit - mit damals 36 Jahren, aber ohne Rennerfahrung in der Formel 1.

Letztere weist Alonso allerdings mannigfach vor. Hätte Kimi Räikkönen seinen Vertrag bei Alfa Romeo nicht bis 2021 verlängert, würde der Spanier sich in der kommenden Saison sogar den Rekord der meisten F1-Starts überhaupt sichern. Noch dazu gilt Alonso alles andere denn als Fahrer, der viel Eingewöhnungszeit benötigt. Das bewies schon allein sein F1-Ersatzprogramm der vergangenen Jahre. Ob Dakar oder WEC, rasch beeindruckte Alonso die Arrivierten.

Konkurrenz stellt sich quer: Alonso & Young Driver unpassend

Genau deshalb hält in der Formel 1 gegenwärtig eine Meinungsverschiedenheit Einzug. Renault bräuchte eine Ausnahmegenehmigung durch die FIA. Teamchef Abiteboul berichtete im Rahmen des Emilia Romagna Grand Prix, bei den anderen Teams darum gebeten zu haben. Das stieß allerdings auf weniger Gegenliebe als gehofft. „Ein Team war im Weg - es war Racing Point“, sagte der Franzose internationalen Medienberichten zufolge.

Offensichtlich war allerdings nicht nur Racing Point allein der Vorstellung eines Alonso beim Young Driver Test abgeneigt. „Fernando ist ein großartiger F1-Rennfahrer, mit einer großen Erfolgsbilanz. Ich sehe nicht wirklich, wie er in diesen einzigen Zweck passt, junge Fahrer testen zu lassen“, sagte McLaren-Teamchef Andreas Seidl in Imola. Damit zielte der Deutsche auf einen weiteren Passus im Sportlichen Reglement neben der Vorgabe, maximal zwei F1-Rennen bestritten zu haben. Im Regelbuch ist unter Artikel 10.5 b) tatsächlich konkret die Rede von dem „einzigen Zweck“ des Tests, jungen Fahrer zu ermöglichen, einen aktuellen F1-Boliden zu pilotieren.

Renault hadert mit Widerspruch, bettelt FIA an

Ähnlich sieht es Haas. Teamchef Günther Steiner bezeichnete Renaults Plan mit Alonso als opportunistisch. „Es gibt eine Regel, die alles sagt: Young Driver Test“, sagte der Südtiroler. „Wir haben also einen 39-jährigen Doppel-Weltmeister und eine Regel bezüglich junger Fahrer. Das passt nicht zusammen. Wenn er [Abiteboul] das will, sollte er alle um Zustimmung bitten und wenn die Leute ablehnen, sollte er nicht sauer sein, denn es ist eine Regel.“ Auch Ferrari soll sich Berichten zufolge quergestellt haben, als Abiteboul sein Anliegen in einem Meeting der F1-Kommission vortrug.

„Es war das Übliche. Zu versuchen, jedes nur mögliche Spielchen zu spielen“, haderte Abiteboul laut Autosport mit der Ablehnung mancher Konkurrenten. „Aber die meisten Teams sind pragmatischer. Wir können jetzt einfach nur hoffen, dass die FIA es sein wird“, ergänzte der Franzose und warb gleich einmal für seine Idee: „Renault macht so viel für junge Fahrer!“ Zuletzt ließ Renault neben Alonso tatsächlich auch seinen Nachwuchs ran. Noch vor dem Spanier testen in Bahrain die Junioren Oscar Piastri, Christian Lundgaard und Guanyu Zhou an gleich vier Tagen den R.S.18.

Fernando Alonso: Noch eine Test-Möglichkeit für Renault

Erteilt die FIA Renault keine Sondergenehmigung, bliebe den Franzosen nur noch eine letzte Chance. Abschnitt C) des betreffenden Artikels 10.5 zum Testen aktueller Boliden räumt einen eintägigen Test ein, sollte ein Ersatzfahrer nötig sein. Heißt: Sollten Daniel Ricciardo oder Esteban Ocon für eines der letzten Saisonrennen ausfallen, dürfte Alonso sich zur Vorbereitung für einen Einsatz auch testen.

Formel 1 2021: Fernando Alonso - Mission WM-Titel beginnt!: (06:30 Min.)

Die wichtigste Vorgabe, in den vergangenen zwei Jahren kein F1-Rennen bestritten zu haben, würde Alonso erfüllen. Ob ein Einsatz in Zeiten von Corona logistisch möglich wäre, ist allerdings fraglich - zumal Strecken des aktuellen Rennkalenders für den Test tabu wären. Renault könnte Alonso also nicht erneut in Bahrain den R.S.20 testen lassen. Noch dazu müsste der Spanier dann auch tatsächlich das auf den Test folgende Rennen als Ersatzfahrer bestreiten - sonst zieht die FIA Renault einen Tag der Wintertestfahrten 2021 ab.


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