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Formel 1, Bombe geplatzt: Honda steigt nach Saison 2021 aus

Honda wird das Formel-1-Engagement nach der Saison 2021 beenden. Red Bull und AlphaTauri stehen ohne Motor da. Ausstieg stürzt Formel 1 in eine Krise.
von Christian Menath
Honda-Schock! Steigt auch Red Bull aus der Formel 1 aus?: (16:16 Min.)

Am Freitagmorgen platzte in Tokyo die Bombe: Hondas Präsident Takahiro Hachigo verkündete auf einer Pressekonferenz den Ausstieg des Konzerns aus der Formel 1. Der Motorhersteller wird sein Engagement nach 2021 nicht fortführen. Red Bull und AlphaTauri stehen damit ab 2022 ohne Motor da.

Als Grund für den Ausstieg nannte Honda den Umbruch in der Automobilindustrie. "Die Transformation ist ein Jahrhundertereignis für die Automobilindustrie", heißt es vom japanischen Konzern, der sich 2050 der Klimaneutralität verschrieben hat.

"Jetzt konzentrieren wir unsere Stärken darauf, auf einem neuen Gebiet Innovationen zu schaffen, nämlich klimaneutrale Power Units und Energie sowie das Erreichen von Klimaneutralität", verspricht Hachigo. "Diese Herausforderung wird genauso hart und schwierig wie die Teilnahme an der Formel 1 und es wird eine enorme Herausforderung, der sich Honda gemeinsam mit unserer Gesellschaft stellen wird."

Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko reagiert mit Verständnis: "Wir verstehen die Entscheidung, die Honda getroffen hat, und respektieren die Richtung, die sie in Folge der neuen Herausforderungen eingeschlagen haben, denen sich die globale Automobilindustrie gegenübersieht."

Mit Red Bull siegte Honda erstmals in der Hybrid-Ära - Foto: Red Bull Content Pool

Die Formel-1-Ressourcen werden laut Honda in die Entwicklung zukunftsweisender Technologien gesteckt. Dabei nennen die Japaner Brennstoffzellenfahrzeuge und Elektrofahrzeuge mit Batterie als Energiespeicher. Im April dieses Jahres eröffnete der Konzern bereits ein eigenes Forschungszentrum zu diesem Zweck.

Dennoch sitzt der Stachel bei Red Bull tief. "Die Entscheidung stellt unser Team vor offensichtliche Herausforderungen", so Teamchef Christian Horner. "Aber wir kennen das und wir sind gut vorbereitet und stark genug, um darauf zu reagieren. Das haben wir in der Vergangenheit schon einmal bewiesen."

Zwingt Hondas Entscheidung Red Bull zum Ausstieg?

"Jetzt konzentrieren wir uns gemeinsam weiter auf die Saisons 2020 und 2021, um darin weiterhin um Siege sowie den Titel zu kämpfen", verspricht Horner. Von einem Ausstieg des österreichischen Konzerns will der Teamchef nicht sprechen: "Red Bull Racing hat das aktuelle Concorde Agreement der Formel 1 unterzeichnet und hat sich weiterhin langfristig dem Sport verschrieben."

Honda steigerte Leistung und Zuverlässigkeit der Power Unit kontinuierlich - Foto: Toro Rosso / Twitter

Ins gleiche Horn bläst auch Marko: "Wir werden mit unseren Teams daran arbeiten, die konkurrenzfähigste Power Unit Lösung für 2022 und danach zu finden. Wir haben uns dem Sport verschrieben und unsere Teams haben beide das aktuelle Concorde Agreement der Formel 1 unterzeichnet." Allerdings betonte der Grazer zuletzt auch immer wieder, dass das neue Concorde Agreement eine Ausstiegsklausel nach jeder Saison einräumt.

Motoren-Déjà-vu für Red Bull

Red Bulls Problem ist offensichtlich: Nach dem Ausstieg von Honda gibt es mit Ferrari, Mercedes und Renault nur noch drei Motorenhersteller. Alle Hersteller unterhalten aber eigene Werksteams. Die Ehe mit Renault ging bereits mehrmals spektakulär in die Brüche, eine Liaison mit Mercedes scheiterte schon in der Vergangenheit.

Nachdem Red Bull die Formel 1 von 2010 bis 2013 dominiert hatte, kam 2014 mit der Einführung der Hybrid-Motoren der große Rückschlag. Motorenpartner Renault hatte den Umbruch verschlafen, weshalb Red Bull chancenlos war. 2015 kündigte der Rennstall erstmals mit Renault, fand aber keine Alternative, so dass sich Österreich und Frankreich noch einmal zusammenraufen mussten.

Honda ist der einzige Hersteller, der in der Hybrid-Ära mit zwei Teams gewinnen konnte - Foto: Red Bull Content Pool

Inzwischen gibt es deshalb einen Passus im Reglement, dass sich Motorenhersteller dazu verpflichten, eine gewisse Anzahl an Teams zu beliefern. Ganz ohne Motor wird Red Bull im Zweifel nicht sein. Die Frage ist nur, ob Red Bull 'irgendein' Motor reicht.

Denn für Red Bull ist das Honda-Aus besonders bitter: Erstmals in der Teamgeschichte bekam der Rennstall mit dem Wechsel auf die japanischen Antriebseinheiten Werksunterstützung. Dazu machte Honda zuletzt große Fortschritte bei der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Motors.

Nach dem Sieg von Pierre Gasly in Monza ist Honda der einzige Hersteller, der in der Hybrid-Ära der Formel 1 mit zwei Rennställen gewinnen konnte. AlphaTauri vertraut bereits seit 2018 auf die Power Unit aus Sakura, nachdem sich McLaren und Honda nach drei Jahren Pleiten, Pech und Pannen wieder trennten.


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