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Formel 1 2020: Mercedes sorgt sich wegen öder Rennen

Mercedes will in der Formel 1 keine Reverse Grids sehen - dass 2020 nicht spannend ist, gestehen aber auch sie. Und bringen ihre eigenen Ideen ein.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Niemand kann und will bestreiten, dass die Formel 1 in der Saison 2020 bereits mehrere Rennen zum Vergessen erlebt hat. Die WM-Führenden Mercedes und Lewis Hamilton sind unter normalen Umständen fast unschlagbar, und fahren Sonntags meist innerhalb von wenigen Runden dem Feld davon.

Das macht den F1-Vermarktern Liberty und den Regelhütern von der FIA Sorgen. Erst recht, da sich der Zustand mangels großer Regeländerungen 2021 nicht ändern sollte. Selbst die Dominatoren von Mercedes gestehen Langeweile - legen sich aber quer, wenn es um Experimente wie Reverse Grid geht. Teamchef Toto Wolff rechtfertigt das damit, dass er die Formel 1 als Sport schützen will. Er würde lieber andere Änderungen sehen.

Mercedes will Funk-Dramen der Formel 1 öffentlich machen

Konkrete Vorschläge, die Mercedes 2020 bereits vorgebracht haben? "Die Funk-Kanäle zwischen der Boxenmauer und der Garage zu öffnen", bringt Wolff ein Beispiel. Gegenwärtig können Fans über den F1TV-Streamingdienst bereits die Kommunikation zwischen Renningenieur und Fahrer verfolgen, und ausgewählte Funksprüche werden von der F1-Regie auch an den normalen TV-Zuseher überstellt.

Das ist aber nur ein Bruchteil der Funk-Kommunikation, die zwischen den einzelnen Stellen eines F1-Teams während eines Rennens abläuft. "Das würde zeigen, wie viel Drama eigentlich hinter einem Rennsieg steckt", glaubt Wolff und nennt Spa als Beispiel. Dort hatte Mercedes augenscheinlich locker gewonnen, doch spät im Rennen kam es noch einmal zu kleinen Reifen-Sorgen.

"Wenn du Spa siehst und denkst, dass das ein Spaziergang war - das war es überhaupt nicht", versichert Wolff. "Wir hatten Zuverlässigkeitsprobleme. Wir waren uns nicht sicher, ob wir es mit einem Stopp schaffen würden, so wie viele andere Teams. Wenn das an die TV-Übertragung ginge, würde das mehr Aufregung erzeugen."

Mercedes zeigt sich verständnisvoll: Formel 1 muss auch unterhalten

Mit solchen Maßnahmen könnte sich Wolff abfinden. Nicht mit Reverse Grids, die verzerren in seinen Augen die Natur der Formel 1. Die ist in Wolffs Augen ein Sport, und soll in Zukunft genauso ein Sport bleiben.

"Aber der Sport muss auch Unterhaltung liefern", gesteht Wolff. "Wenn Usain Bolt jedes einzelne Rennen gewinnt und Bayern München jede Meisterschaft, dann kommst du zu einem Punkt, wo das Ergebnis sehr vorhersehbar und nicht abwechselnd genug wird, und auf sowas hoffen die Fans."

"Der Underdog interessiert immer", weiß Wolff. "Jeder will den Underdog abliefern sehen. Dieser Dynamik sind wir uns bewusst. Daher liefern wir Lösungsvorschläge, und wir werden weiter mit Vorschlägen kommen, die nicht unbedingt unsere eigene Performance beeinträchtigen."

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Denn Mercedes fühlt sich durch Maßnahmen wie dem Verbot des Qualifying-Motormodus als Ziel von Formel 1 und FIA. "Diese Dinge kommen sowieso, von allen Teams und der FIA und Liberty, um uns ein bisschen langsamer zu machen", meint Wolff. "Aber es gibt auch Dinge, bei denen wir die aktuellen Ressourcen nutzen können, um es aufregender zu machen."

Dass 2021 allerdings zumindest im begrenzten Rahmen Reverse Grids kommen werden, wird immer wahrscheinlicher. Nutzer der offiziellen Plattform "Fan Voice", die die Formel 1 für Umfragen verwendet, werden aktuell befragt, ob sie Reverse-Grid-Qualifyingrennen mit 30 Minuten Laufzeit an zumindest vier Wochenenden 2021 befürworten würden.


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