Motorsport-Magzain.com Plus
Formel 1

Wolff schießt gegen Reverse Grids: Formel 1 ist kein Wrestling

Das Thema Reverse Grid ist zurück auf der Tagesordnung - und Mercedes legt sich quer. Toto Wolff klar: Formel 1 muss Sport bleiben, nicht Reality TV.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Einen Monat bevor die Formel 1 2020 ihren ersten Grand Prix fuhr, wurden zum ersten Mal Reverse-Grid-Qualifyingrennen zur Abstimmung vor die Entscheidungsträger gebracht. Am Samstag sollte ein kurzes Rennen mit umgedrehter WM-Reihenfolge gefahren werden, um die Startaufstellung für Sonntag festzulegen. F1-Vermarkter Liberty Media scheiterte, Mercedes und Teamchef Toto Wolff legten sich quer.

Neun Rennen sind seither vergangen. Sieben davon gewann Mercedes, in der WM erscheinen sie fast uneinholbar. Da viele Teile des technischen Reglements für 2021 eingefroren sind, droht die gleiche Dominanz für ein weiteres Jahr. Besorgt rüsten sich Liberty und FIA nun für den nächsten Anlauf, um mit Reverse Grid Spannung zu schaffen. Das stört die alten Gegner um Toto Wolff.

Wolff schießt gegen Reverse Grid: Formel 1 ist ein Sport

"Nein, ich habe eine bessere Idee", kommentiert der Mercedes-Motorsportchef den Vorschlag sarkastisch. "Ich würde die Startaufstellung in alphabetischer Reihenfolge von Teamnamen machen. Dann ändern wir unseren Namen. In AMG."

Dass Wolff die Idee ganz und gar nicht behagt, wird mit jedem Satz, den er zu dem Thema nachlegt, deutlicher: "Das ist ein Sport, wo der beste Mann und die beste Maschine gewinnen. Das ist nicht World Wide Wrestling. Wo der Ausgang komplett zufällig ist. Wenn du es zufällig willst, dann machen wir eine Show draus."

"Aber ich glaube, die Hauptsache ist, dass es zuerst ein Sport, und dann eine Entertainment-Plattform ist", stellt Wolff klar. "Keine Show. Keine Reality-Show, nicht Big Brother. Wir sollten diesen Weg nicht gehen."

Wolff: Gibt auch so unberechenbare Formel-1-Rennen

"Du siehst Rennserien, die ein historisch von den Fans verstandenes Rennformat zu ändern versuchen - NASCAR und der Chase kommen mir in den Sinn", vergleicht Wolff. Dort wurde das klassische Meisterschafts-Format gegen ein Playoff-inspiriertes Ausscheidungsformat getauscht. "Ich glaube nicht, dass wir da herumbasteln sollten."

In Monza sah die Spitze des Formel-1-Feldes beim Restart mit AlphaTauri, Alfa und McLaren hinter Lewis Hamilton ungewöhnlich aus - Foto: LAT Images

"Das liegt nicht daran, dass ich Mercedes-befangen bin", weist Wolff Kritik zurück, die seine Gegner gerne äußern: Dass er sich nur gegen Reverse Grids sperre, weil sie die Chancen von Mercedes auf den nächsten WM-Titel mindern würden. "Ich mag Abwechslung und Unberechenbarkeit. Und wir werden Rennen haben, die ganz anders sind, wie das Monza-Rennen."

"Aber niemand will einen Sieger, der aus einem Reverse Grid startet", sagt Wolff. "Ich glaube nicht, dass wir Freak-Ergebnisse designen sollten, wo es fast unmöglich zu überholen ist, nur weil wir glauben, dass die Hackordnung anders sein soll."

Wolffs Proteste könnten realpolitisch fruchtlos bleiben. Mit der neuen, ab der nächsten Saison geltenden Regierungs-Struktur reichen dem Formel-1-Management von Liberty Media effektiv die Zustimmung der FIA sowie die von acht Teams. Mercedes allein kann die Idee nicht stoppen, der Einstimmigkeits-Zwang für eine solche Änderung existiert 2021 nicht mehr.


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magzain.com Plus