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Formel 1

Vettel schimpft über Regel-Diskussion: Beweis für Versagen

Sebastian Vettel stört sich an den Diskussionen der Formel 1, Qualifikationsrennen mit Reverse Grid auszutragen. Was der Ferrari-Pilot lieber ändern würde.
von Christian Menath

Die erdrückende Mercedes-Dominanz in der Formel-1-Saison 2020 sorgt für zahlreiche Diskussionen über kurzfristige Regeländerungen. Weil die Entwicklung eines Großteils der aktuellen Fahrzeuge für 2021 eingefroren ist, fürchten nicht wenige, dass damit auch die Mercedes-Dominanz ein weiteres Jahr eingefroren ist.

Um die Formel 1 2021 spannender zu machen, wird deshalb wieder intensiv über Qualifikationsrennen in umgekehrter Startreihenfolge diskutiert. Sebastian Vettel stellt sich ganz klar gegen diesen Vorschlag. "Das wäre komplett falsch", so der viermalige Weltmeister.

"Dass du in diese Richtung gehen willst, ist ein Beweis dafür, dass du bei den Regeln und den Mitteln versagst, das Feld auf der der Strecke enger zusammenzubringen", begründet Vettel seine Abneigung.

"Zur Erinnerung", so Vettel weiter: "Wir haben neue Regeln für die Frontflügel eingeführt, die jeden ein Vermögen gekostet haben - aber beim Racing nicht viel verändert haben. Es wäre einfach falsch." 2019 wurden die Frontflügel in ihrer Komplexität drastisch eingeschränkt, dafür in den Dimensionen angepasst. Die Änderung sollte dabei helfen, die Autos weniger anfällig für verwirbelte Luft zu machen.

Vettel: Bessere Regeln statt Lotto

Aber soll die Formel 1 nun einfach damit leben, dass es eintönige Weltmeisterschaften und teilweise Rennen mit schlechtem Racing gibt? "Die Hoffnung liegen auf den Regeländerungen 2022. Damit müssen wir das lösen und die Hauptprobleme angehen, statt Lotto zu spielen", fordert Vettel.

2022 sieht die Formel 1 eine der größten Regel-Revolutionen ihrer Geschichte. Schon ab dem kommenden Jahr dürfen die Teams nicht mehr unbegrenzt Geld in die Entwicklung ihrer Boliden investieren, sondern müssen sich an eine Budgetobergrenze halten. Dadurch soll das Feld näher zusammen geführt werden.

In Nachwuchsserien wie der Formel 2 werden beim Sprintrennen die Startpositionen rotiert - Foto: LAT Images

Das neue Technische Reglement 2022 soll dafür sorgen, dass die Autos nicht mehr so anfällig für verwirbelte Luft sind. Dabei wurden nicht nur kleinere Änderungen wie die Frontflügeldimensionen vorgenommen, sondern das gesamte Fahrzeugkonzept überarbeitet.

Im Übergangsjahr 2021 muss die Formel 1 wohl erneut einen silbernen Weltmeister akzeptieren. Für Sebastian Vettel der richtige Weg: "Es wäre gegen des Elements des Sports und des Wettkampfs. Als Sportler mag ich es überhaupt nicht, andere Leute gewinnen zu sehen. Aber ich muss es akzeptieren, wenn andere gewinnen und einen besseren Job machen. Es wäre falsch in der Natur des Sports, Dinge so durchzumischen."

Mercedes verhinderte Reverse-Grid-Rennen 2020

Auch bei Mercedes kommt die Idee bekanntermaßen nicht gut an. Toto Wolff wurde zuletzt deutlich: "Die Formel 1 ist ein Sport, in dem der beste Mann und die beste Maschine gewinnen. Das ist nicht World Wide Wrestling, wo der Ausgang komplett zufällig ist. Wenn du es zufällig willst, dann machen wir eine Show draus."

Liberty Media wollte bereits 2020 bei einzelnen Events Qualifikationsrennen in umgekehrter Startreihenfolge ausprobieren. Österreich oder Silverstone, wo zwei Rennen hintereinander auf der gleichen Rennstrecke ausgetragen wurden, hätten sich als Testlabor geeignet. Die Pläne scheiterten am Veto von Mercedes. So kurzfristig wäre eine einstimmige Entscheidung nötig gewesen.


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