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Formel 1 2021 mit Mick Schumacher? Ferraris Nachwuchs-Dilemma

Mick Schumacher führt die F2-Meisterschaft an, aber reicht es zur Formel 1? Ferrari-Teamchef will mehr als nur Meisterschafts-Ergebnis. Zwei starke Gegner.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Der Kampf um den Formel-2-Titel spitzt sich 2020 drei Runden vor Schluss zu. Nicht zuletzt, weil von den ersten vier Piloten drei aus dem Nachwuchs-Kader von Ferrari stammen. Mick Schumacher, Callum Ilott und Robert Shwartzman kämpfen daher nicht nur um die Meisterschaft. Aller Voraussicht nach kämpfen sie um ein Formel-1-Cockpit für die Saison 2021.

Dieser Kampf ist noch lange nicht entschieden. Schumacher, in seinem zweiten F2-Jahr, strauchelte zuerst zum Saisonstart, fuhr dann aber in den letzten zehn Rennen sechs Mal auf das Podium, und feierte im Hauptrennen von Monza seinen ersten Sieg. Nach Mugello liegt er mit 161 Punkten an der Tabellenspitze. Ilott (153) und Shwartzman (140) können zwar mehr Siege vorweisen, aber weniger Konstanz über die letzten Rennen hinweg.

"In dieser Saison haben wir denke ich großartige Fahrer", unterstreicht Ferraris Formel-1-Teamchef Mattia Binotto immer wieder. "Sie zeigen Fortschritte im Vergleich zum letzten Jahr. Für Robert ist es seine allererste Saison in der Formel 2, und normalerweise ist es für dich als Rookie sicher schwieriger, und ich denke, als Rookie liefert er gut ab."

Ferrari will mehr als nur F2-Titel für Formel 1

"Ich glaube, sie verdienen alle einen Platz in der Formel 1", meint Binotto. So viel Platz wird Ferrari aber nicht haben, sie müssen nämlich Sitze bei ihren Motorenkunden Alfa Romeo und Haas beschaffen. Dass sie dort gleich drei Cockpits mit Junioren belegen, ist unwahrscheinlich.

Ein Entscheidungs-Kriterium muss her: "Aber ich denke auch, dass die zweite Saisonhälfte für sie am Wichtigsten werden wird. Besonders für Robert, weil er ein Rookie ist. Mal schauen, wie er sich entwickelt. Wird die Performance den Ausschlag geben? Nein, ich glaube bei einem Fahrer ist es wichtiger zu sehen, dass er sich entwickelt."

Shwartzman, Schumachers Rookie-Teamkollege im Prema-Team, sorgte mit starken Hauptrennen in Österreich und Ungarn für Schlagzeilen. Abgesehen von seinen drei Siegen fuhr er aber nur zwei Mal auf das Podest. Schwache Qualifying-Leistungen und eine nicht ganz stabile Formkurve warfen ihn zuletzt zurück. Trotzdem sieht Binotto Shwartzmans Chancen intakt: "Ich denke, er zeigt jetzt diese Fähigkeit, sich zu entwickeln und Fortschritte zu machen."

Schumacher und Ilott sind im Gegenzug bereits in ihrem zweiten Formel-2-Jahr, und liefern wie gefordert ab. Schumacher nimmt mit seiner Podiums-Serie jetzt an Fahrt auf. Ilott hingegen gewann zwar drei Mal, war in Summe aber nur vier Mal auf dem Podest. Wenngleich ihm unverschuldete Zwischenfälle zuletzt immer wieder Punkte kosteten. Unter anderem in Monza, wo er einen möglichen Sieg im Hauptrennen durch Defekt an Schumacher verlor.

Mick Schumacher 2021 in der Formel 1?: (120:00:0 Min.)

Ferrari braucht Formel-1-Cockpits für Schumacher & Co.

Noch ist der Kampf um die Formel-1-Cockpits offen. Erst recht, nachdem sich weder Haas noch Alfa Romeo dazu äußern, wie ihre Fahrerplanung für 2020 aussieht. Beide Teams sind formell noch ohne Fahrer und sondieren lediglich den Markt. Der ist gegenwärtig reich an Optionen - mit großen Namen wie Nico Hülkenberg und Sergio Perez. Dementsprechend ist auch noch nicht klar, für wie viele Junioren Platz sein wird.

Haas-Teamchef Günther Steiner spricht davon, gleich zehn Piloten als mögliche Kandidaten für seine zwei Plätze ausgemacht zu haben. Die will er im Herbst abarbeiten und Entscheidungen treffen, schließlich hat Haas mit Romain Grosjean und Kevin Magnussen auch zwei erfahrene Piloten im Cockpit sitzen.

Alfa-Teamchef Frederic Vasseur - sein Team fährt noch mit Kimi Räikkönen und dem Ferrari-Junior Antonio Giovinazzi - schlägt in die gleiche Kerbe: "Auf jeden Fall haben wir reichlich Fahrer auf der Liste. Du hast ein paar Ferrari-Junioren, aber du hast für uns zuerst einmal Kimi. Wir müssen festlegen, was er machen will, und was wir mit ihm machen wollen, und dann werden wir mit den anderen sehen."


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