Motorsport-Magzain.com Plus
Formel 1

Formel 1, Perez-Rausschmiss für Vettel: Nicht wegen Performance

Sergio Perez muss bei Racing Point seinen Hut nehmen. Wie der Mexikaner vom Rauswurf erfuhr und was Sebastian Vettel damit zu tun hat.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Um Punkt 15:00 Uhr gab es in Mugello den ersten Showdown des Tages: Am Vorabend hatte Sergio Perez verkündet, Racing Point am Ende der Formel-1-Saison 2020 zu verlassen - trotz gültigen Vertrages bis 2022. Der Grund: Racing Point, das 2021 zu Aston Martin wird, brauchte einen Platz für Sebastian Vettel.

Obwohl sich das Gerücht um Vettel und Aston Martin schon seit Monaten hartnäckig hielt, zeigte sich Perez bei den vergangenen Rennen immer positiv. "Das Feedback, das ich vom Team bekomme, ist sehr positiv", sagte er stets.

Perez: Vettel bessere Option für Aston Martin als Marke

Wieso aber muss er nun den Hut nehmen? "Es liegt nicht an der Performance", stellt der 30-Jährige klar. Auch wenn Perez in der Weltmeisterschaft derzeit hinter Teamkollege Lance Stroll liegt, bei der Performance hat der Mexikaner die Nase klar vorne. Zwei Rennen verpasste er aufgrund einer Corona-Infektion, beim Stroll-Podium in Monza vor einer Woche hatte er schlichtweg nicht das Strategieglück des Teamkollegen.

"Ich konnte nichts machen, es hat sich einfach eine bessere Möglichkeit für das Team ergeben - für die Marke", schob Perez hinterher. Es ist kein Geheimnis, dass Aston Martin an der Strahlkraft des vierfachen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel interessiert ist. Ein Großteil seiner Gage soll vom Konzern für seine Tätigkeit als Markenbotschafter übernommen werden.

Sergio Perez‘ Highlight: Seine Force-India-Rettung

Der Abschied schmerzt Perez nach der gemeinsamen Geschichte mit dem Team besonders: "Wir haben so viel miteinander erreicht, vor allem zu Beginn. Wir haben viele Podien zusammen gefeiert und wurden Vierter in der Konstrukteursweltmeisterschaft. Mein Highlight war es aber, als ich dabei geholfen habe, das Team und die Jobs zu retten. Ich bin stolz auf das Team."

Nach vielen, vor allem finanziell schwierigen gemeinsamen Jahren, muss Perez das Team verlassen, wo es gerade auf dem Weg nach vorne ist. 2020 kämpft Racing Point um Platz drei in der Weltmeisterschaft. "Ich weiß, dass ich ein großartiges Auto verlasse, das nächstes Jahr vielleicht noch stärker wäre. Deshalb tut es umso mehr weh", klagt der 182-fache GP-Starter.

Perez erfuhr erst am Mittwoch von seinem Aus

Von seiner Ausbootung erfuhr Perez erst am Mittwoch vor Mugello - also einen Tag, bevor Sebastian Vettel von Aston Martin bestätigt wurde. "Lawrence [Stroll] hat mich angerufen und mir gesagt, dass das Team in eine andere Richtung geht", verrät Perez. "Zuvor gab es Diskussionen im Hintergrund rund um meinen Vertrag, aber mir hat niemand etwas gesagt."

Formel 1, Aston Martin rettet Vettel: Ich war nah am Rücktritt!: (09:50 Min.)

Wie geht es nun für Perez weiter? Einen Plan B hatte er nicht. Deshalb stört ihn auch die Art und Weise seines Rauswurfs: "Klarheit hätte mir geholfen für einen Plan B. Aber ich bin lange genug in dem Business, das ist die verrückte Welt der Formel 1 …"

Sergio Perez‘ Formel-1-Zukunft: Gerade kein Plan B

Für den Familienvater muss es in Zukunft nicht unbedingt die Formel 1 sein - sollt es aber: "Es gibt viele Optionen, das Hauptziel ist aber die Formel 1. Es muss aber das richtige Paket sein, mein Hauptfokus liegt auf 2022."

2022 steht der große Regelumbruch in der Formel 1 an, gleichzeitig wird schon im kommenden Jahr eine Budgetobergrenze eingeführt. Auch kleinere Teams könnten dann eine Chance haben, an der Spitze zu kämpfen. Ein Sabbatical, um auf 2022 zu warten, kommt für ihn aber nicht in Frage: "Wenn du einmal weg bist, kann es sein, dass du nie wieder zurückkommst. Da bevorzuge ich ein Karriereende."

Perez: Red-Bull-Hoffnung statt Sabbatical

Perez' größte Hoffnung lautet Red Bull: Manager Julian Jakobi ist auch für die Belange von Sebastien Buemi zuständig und ist deshalb im steten Austausch mit Red Bull Teamchef Christian Horner. Dr. Helmut Marko will davon aber nichts wissen: "Wir haben derzeit keinen Bedarf an Fahrern."


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magzain.com Plus