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Formel 1

Formel 1, Russell gegen Reverse-Grid: Würden lebendig gefressen

George Russell spricht sich gegen die wiedergeborene Idee der Formel 1 aus, auf Reverse-Grid-Rennen zu setzen. Der Williams-Pilot fürchtet um sein Image.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Das chaotische Formel-1-Rennen in Monza beförderte bei den F1-Bossen eine bereits in der Schublade verschwundene Idee wieder auf den Tisch. Nach dem Italien Grand Prix verriet Formel-1-Sportchef Ross Brawn in seiner Kolumne zum Rennen Pläne, einen weiteren Versuch unternehmen zu wollen, in der Königsklasse in Zukunft auf sogenannte Reverse Grids zu setzen. Also Rennen mit einer Startaufstellung in umgekehrter Reihenfolge des WM-Stands.

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Noch im Frühjahr wiesen die Teams Pläne, bei ausgewählten Rennen statt eines regulären Qualifyings Reverse-Grid-Qualifyingrennen einzuführen, zurück. Monza selbst wäre ein Kandidat gewesen, sagte Brawn. „Leider konnten wir es nicht durchbringen“, ergänzte der Brite nach dem positiven Eindruck am Sonntag, als ein turbulenter Rennverlauf auf natürlichem Weg dazu führte, dass mit Lewis Hamilton das schnellste Auto plötzlich ganz hinten lag, sich durchs Feld pflügen musste.

George Russell: Williams-Fahrer würden dumm aussehen

Sonderlich großen Anklang findet das Konzept jedoch ausgerechnet im Lager jener nicht, die mit einem Reverse Grid mehr in den Fokus als üblich geraten würden - die langsamsten Teams der Formel 1. Mehr Präsenz in der TV-Übertragung als positives Resultat? Für George Russell ist das Gegenteil der Fall.

„Ich bin dagegen“, betont der Williams-Fahrer in Mugello eindeutig. „Wir sind in einem der langsamsten Autos und würden dann lebendig gefressen. Wir würden uns wie verrückt verteidigen, um die schnelleren Autos aufzuhalten. Da kannst du als Fahrer ein bisschen dumm aussehen“, erklärt der Brite.

Aussicht auf bessere Ergebnisse wiegt Imageverlust nicht auf

Russell fürchtet um sein Image. „Am Ende kämpfst du dann einfach gegen Leute, die viel schnellere Autos haben, zehn Meter später bremsen können und dich so von sehr weit hinten ausbremsen können. Wenn ich in einem Top-Auto wäre, würde ich das gerne sehen. Denn diese Fahrer sehen dann wie Helden aus, wenn du von Meilen weit entfernt einfach ausbremsen kannst. Aber das kommt einfach nur, weil du in einem überlegenen Auto bist“, sagt Russell.

Das würden bessere Aussichten auf ein gutes Resultat nicht aufwiegen, so Russell. „Auch, wenn wir mit einem Reverse Grid vielleicht eher mal gute Ergebnisse oder Punkte holen könnten - für unser Image, für Nicholas und mich, die Haas- und Alfa-Jungs, da ist es einfach unmöglich, gegen Autos zu fahren, die so viel schneller sind als deins. Das ist mein Standpunkt.“

Latifi: Nimmt der Formel 1 die DNA

Teamkollege Nicholas Latifi spricht von gemischten Gefühlen. Der Kanadier fürchtet, die Formel 1 würde so ihren Charakter verlieren. „Es nimmt der Formel 1 einen Teil der DNA, und dem Rennsport im Allgemeinen. Dass die schnellsten Jungs auch an der Spitze kämpfen“, sagt der Kanadier. Einzig als zusätzliches „Spaß-Rennen“ könne er sich ein Reverse Grid vorstellen.

Noch dazu seien derart ausgefallene Rennen wie in Monza auf Dauer nicht förderlich. „Wenn so Rennen jedes Rennen vorkommen würden, dann würden solche Ergebnisse mit durchgemischter Hackordnung nichts Besonderes mehr“, erklärt Latifi. Der Kanadier fürchtet also eine gewisse Übersättigung. Latifi: „Wenn es nur einmal in langer Zeit passiert, ist es großartig. Auch wie letztes Jahr in Brasilien, wo du mal ein ganz anderes Podium hattest. Das gab so viel Aufmerksamkeit, das war auch für den Sport großartig. Wenn das aber jedes Rennen passieren würde, hätte das nicht dieselbe Anziehungskraft.“


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