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Formel 1

Formel 1, Rosberg verteidigt Hamilton: Strafe geht auf Mercedes

Lewis Hamilton nahm seine Strafe in Monza auf die eigene Kappe. Ex-Rivale Nico Rosberg verteidigt ihn. Weltmeister unschuldig, Mercedes in der Pflicht.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton verlor den Sieg im Formel-1-Rennen in Monza durch eine ungewöhnliche Strafe. Das Übersehen der geschlossenen Boxengasse war ein seltener Flüchtigkeitsfehler des Weltmeisters und auch seines Mercedes-Teams, für den er die Verantwortung auf sich nahm. Ausgerechnet Ex-Rivale Nico Rosberg nimmt Hamilton nun in Schutz. Der RTL-Experte sieht das Versäumnis klar bei Mercedes.

"Normal ist da ein Schild bei der Boxeneinfahrt, das dann zeigt, du musst vorbeifahren. Mit einem Pfeil und einer gelben Flagge. Und dieses Schild war nicht da", spricht Rosberg bei RTL aus der eigenen Erfahrung von 206 Grands Prix. Das einzige Signal war am Sonntag ein gelbes Kreuz auf den Lichttafeln am Ausgang der Parabolica, welche Hamilton im entscheidenden Moment übersah.

"Ich bin mir sicher, dass Lewis so etwas überhaupt noch nie gehört hat, dass da links außen nur Kreuze sind, wenn die Boxengasse zu ist", verteidigt Rosberg seinen ehemaligen Teamkollegen und Erzrivalen in dieser Szene. Der Weltmeister von 2016 hatte in seiner aktiven Zeit stets ein Auge für Details, was laut ihm einer seiner Vorteile gegenüber dem sehr auf das Fahren fokussierte Hamilton war.

Rosberg macht Hamilton keinen Vorwurf

In diesem Fall allerdings wäre er wohl genauso wie der Brite in das Fettnäpfchen getreten. "Lewis hat das glaube ich in seinem Leben noch nie gehört, weil man sich auch nicht auf jeden Fall so vorbereiten kann", sagt er. Ein weiteres Beispiel für solch einen Fall war auch der Restart nach der roten Flagge. Dem Boxenfunk Hamiltons konnte entnommen werden, dass weder er noch sein Renningenieur zu Beginn der Einführungsrunde wussten, ob fliegend oder stehend gestartet wird.

"Es gibt ja tausende Möglichkeiten", verweist Rosberg auf die Komplexität der Königsklasse. "Darauf war er nicht vorbereitet, dass er da außen gucken muss." Hamilton hatte lediglich unmittelbar am Eingang der Box nach einer roten Ampel Ausschau gehalten, wie sie auch am Ende der Pitlane existiert.

Noch während der Rennunterbrechung war Hamilton bei Team und FIA vorstellig geworden: "Ich bin direkt zum Team, die hatten kein Video, und ich wollte wissen, was ich verpasst hatte. Ich hätte schwören können, dass da kein rotes Licht war. Also bin ich zu den Stewards, die haben mir schnell die Onboard gezeigt, zwei Signale mit einem X drauf."

Formel 1 Wahnsinn von Monza: So verlor Hamilton den Sieg: (09:53 Min.)

Rosberg nimmt Mercedes in die Pflicht: Müssen Lewis das sagen

Nachdem er die Signale übersehen hatte, konnte ab diesem Moment nur noch das Team den Regelbruch verhindern. Der Kommandostand konnte die Tafeln auf der Strecke zwar nicht einsehen, wurde aber über das Nachrichtensystem der FIA über die Schließung der Boxengasse informiert.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff gibt zu, dass seine Leute es nicht auf dem Schirm hatten: "Wenn sie [Lichttafeln] der Fahrer nicht sieht, was absolut die Wahrheit ist, dann kannst du glaube ich nur auf Seite vier des FIA-Kommunikationssystems sehen, dass die Boxengasse geschlossen war. Niemand schaut auf diese Seite, wenn ein Safety Car kommt, der Fahrer kommt gleich zum Stopp und alles ist auf den Stopp fokussiert."

Rosberg sieht die Verantwortung für die Strafe trotzdem bei seinem Ex-Arbeitgeber. "Hier liegt die meiste Schuld beim Team. Die müssten das schon wissen, dass die Box zu ist und dem Lewis das auch sagen", sagt er. Andererseits hält er dem Kommandostand zugute, dass zwischen der Mitteilung der FIA und Hamiltons Einfahrt in die Boxengasse nur zwölf Sekunden vergingen. "Das war so knapp und die haben in dem Moment wohl auch nicht darauf geachtet."


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