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Formel 1 Monza: So verspielten Hamilton & Mercedes den Sieg

Der Italien-GP von Lewis Hamilton und Mercedes fiel nach einer schweren Strafe auseinander. So erklären Fahrer & Team nach dem Rennen den verlorenen Sieg.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - In der ersten Hälfte des Italien-GPs schienen Lewis Hamilton und Mercedes das Rennen fest im Griff zu haben. Hamilton hatte den Start gewonnen, war vorne weggefahren, hatte sich eine Lücke erarbeitet und kontrollierte ungefährdet die Pace.

Dann aber kam ein Safety Car auf die Strecke - und Hamilton und Mercedes entschlossen sich sofort zum Stopp. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellte. Die Boxengasse war geschlossen, Einfahren verboten. Die Folge war eine 10-sekündige Stop-und-Go-Strafe. Bis auf Hamilton und Antonio Giovinazzi beging niemand diesen Fehler. Wie konnte das ausgerechnet bei Mercedes passieren?

Hamilton & Mercedes übersehen Signal und Nachricht

Die Entscheidung, die Boxengasse zu schließen, ist in der Formel 1 grundsätzlich selten. Das sportliche Reglement sieht vor, dass dies aus Sicherheitsgründen geschehen kann. Das war in Monza der Fall: Kevin Magnussen hatte seinen defekten Haas in der Wiese kurz vor der Boxeneinfahrt abgestellt. Das löste zuerst das Safety Car aus, und dann wurde die Boxengasse geschlossen - um Magnussens Auto von dieser Stelle aus in die Box zu schieben.

Das Schließen der Boxengasse wird zum einen durch Lichtsignale - ein gelbes Kreuz - links außen in der Parabolica gekennzeichnet, zum anderen über das Mitteilungssystem der FIA. "Es gab gar kein Boxengassen-Lichtsignal", erklärt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Von der Boxenmauer kannst du diese gelben Kreuze nicht sehen, und wenn sie der Fahrer nicht sieht, was absolut die Wahrheit ist, dann kannst du glaube ich nur auf Seite vier des FIA-Kommunikationssystems sehen, dass die Boxengasse geschlossen war. Niemand schaut auf diese Seite, wenn ein Safety Car kommt, der Fahrer kommt gleich zum Stopp und alles ist auf den Stopp fokussiert."

"Einer unserer Strategen hat in den Funk gebrüllt, als wir an die Box kamen, es gab Chaos", beschreibt Wolff. Bis der zweite Mercedes von Valtteri Bottas um den Kurs kam, hatte das Team die Situation erfasst. Nur für Hamilton war es zu spät. "Wir können die Signale nicht sehen, das ist einfach eine Sequenz von Ereignissen, die Lewis' Rennen ruiniert haben."

Hamilton verpasst Signal, will Stewards-Klarstellung

"Du verlässt dich meist auf das Team, dir Dinge zu sagen", erklärt Hamilton. "In der Kurve schaust du nicht nach links, du schaust nach rechts, schätzt den Abstand zwischen dir und der weißen Linie ab. Und wenn da rechts auch ein Auto steht, dann bist du dir der Streckenposten bewusst. Das ist generell der Bereich, auf den du schaust. Nicht nach links."

Hamilton gesteht, dass er sich der Existenz des Signals nicht bewusst war. Das verwirrte ihn so sehr, dass er während der kurz darauffolgenden roten Flagge den Stewards einen Besuch abstattete: "Ich bin direkt zum Team, die hatten kein Video, und ich wollte wissen, was ich verpasst hatte. Ich hätte schwören können, dass da kein rotes Licht war. Also bin ich zu den Stewards, die haben mir schnell die Onboard gezeigt, zwei Signale mit einem X drauf."

Hamilton kämpft sich zurück durchs Feld

Die Stop-und-Go-Strafe musste Hamilton zum ungünstigsten Zeitpunkt absitzen: nach dem Neustart des Rennens, als das ganze Feld eng beisammen lag. Das kostete ihm über 30 Sekunden und warf ihn auf den letzten Platz zurück. Ein zäher Kampf um Punkte folgte, lange steckte er hinter Alex Albons Red Bull fest. Erst als der einen Fehler machte, kam er vorbei. Letzten Endes schaffte er es auf den siebten Rang, und holte die schnellste Runde.

Alex Albon schenkte Lewis Hamilton einen Platz - Foto: LAT Images

"Als ich rauskam, hatte ich diese massive Lücke und habe nicht annähernd so schnell aufgeholt wie ich wollte", meint Hamilton. Auch die Tatsache, dass nur mehr ein Motormodus verwendet werden darf, half nicht. "Ich war sicher, dass ich sie an einem Punkt einholen würde, aber ja, dann habe ich sie eingeholt und kam nicht vorbei. Das fühlte sich nicht gut an. Ich musste viel aus meinen Reifen holen, um überhaupt zum Zug aufzuschließen. Aber ich habe das Bestmögliche daraus gemacht."

"Ich übernehme auf jeden Fall die Verantwortung, die Signale nicht gesehen zu haben", schließt Hamilton. "Aber in der ganzen Sequenz waren wir als Team nicht perfekt. Trotzdem mit so vielen Punkten und der schnellsten Runde davonzukommen, das hilft. Ich weiß nicht, was mit Max war, oder warum Valtteri nur Fünfter wurde. Das war Schadensbegrenzung."


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