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Formel 1

Formel 1, FIA erklärt Monza-Chaos: Darum Safety Car & Strafen

Der Italien GP 2020 wurde durch ein Safety Car zum regelrechten Spektakel. Doch war das wirklich nötig? Und was war mit der Boxengassen-Sperrung los?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Italien GP 2020 war schon vor dem Safety Car kein schlechtes Rennen. Nur ganz vorne an der Spitze schien einmal mehr alles geritzt. Doch dann musste Haas-Pilot Kevin Magnussen seinen Boliden in Runde 18 wegen eines Problems an seiner Antriebseinheit abstellen.

Magnussen fuhr mit dem defekten Auto noch und suchte sich einen passenden Parkplatz. Der Däne entschied sich für den Ausgang von Parabolica, direkt vor einer Lücke in der Leitplanke. Alles sah nach einer perfekten Parkposition aus - bis die Rennleitung das Safety Car auf die Strecke schickte.

War das wirklich nötig? Ja, sagt FIA Rennleiter Michael Masi: "Die Öffnung in der Leitplanke war ein Marshall-Posten. Es gibt unterschiedliche Öffnungen, nur einige davon sind dafür gedacht, Autos zu bergen." Das Problem: Das Auto hätte durch die Öffnung nicht gepasst.

Haas muss in die Boxengasse geschoben werden

Deswegen musste das Safety Car auf die Strecke. Das alleine hätte noch kein Chaos hervorgerufen. Chaotisch wurde es nur, weil die Boxengasse gesperrt wurde. "Der schnellste Weg, das Auto zu bergen, war es, es in die Boxengasse zu schieben", verteidigt Masi.

Um dabei niemanden in Gefahr zu bringen, wurde die Boxengasse für die Zeit der Bergung geschlossen. Trotzdem kamen Lewis Hamilton und Antonio Giovinazzi zum Boxenstopp. Beide wurden anschließend mit Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafen belegt.

Doch wie konnte vor allem Mercedes und Hamilton so ein Fehler unterlaufen? "Ich habe aus dem Auto heraus nicht gesehen, dass die Boxengasse geschlossen war", verteidigte sich Lewis Hamilton. Auch der Kommandostand schien im Tiefschlaf: "Von dort aus können wir die Leuchtsignale nicht sehen", verteidigte Teamchef Toto Wolff. "Und auf Timing-Seite vier, die Race Control Nachrichten, blickst du nicht permanent."

Doch tatsächlich lag etwas Zeit zwischen der Schließung der Boxengasse und Hamiltons Einfahrt. Um 15:41:47 wurde die Boxengasse geschlossen, um 15:41:59 fuhr Hamilton ein. Zwölf Sekunden hatte Mercedes Zeit, die Schließung zu realisieren.

Hamilton konnte gesperrte Boxengasse erkennen

"Außerdem gibt es nicht nur die Mitteilung der Rennleitung", erklärt Masi. "Auch in der Software der Teams springt die Boxengasse auf Rot, was signalisiert, dass sie geschlossen ist." Und auch Lewis Hamilton hätte die drohende Gefahr aus dem Auto wahrnehmen können: Gleich zwei Leuchtsignale in der Parabolica zeigten ein Kreuz - das Zeichen für eine geschlossene Boxengasse.

Valtteri Bottas gab zu, das Signal gesehen zu haben, allerdings nicht einmal zu wissen, was es zu bedeuten hat. Tatsächlich aber wird genau darauf sogar vor jedem Rennen in den Race Director Notes hingewiesen. Dort ist nicht nur das Symbol zu sehen, sondern auch, wo genau sich die Leuchtsignale an jedem Wochenende befinden.

Hamilton ging während der Rennunterbrechung sogar zu den Stewards, weil der sechsmalige Formel-1-Weltmeister offenbar nicht mit der Entscheidung einverstanden war. Allerdings zeigten die Onboard-Aufnahmen deutlich, dass die Leuchtsignale zu sehen waren. Beim Strafmaß ist jegliche Diskussion verschwendete Zeit: Das Reglement schreibt die Stop-and-Go-Strafe für jenes Vergehen vor.


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