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Formel 1, Renault-Kriegserklärung: Protest gegen Racing Point

Renault geht nach dem Steiermark GP 2020 gegen Racing Point vor. Das Werksteam wirft dem Mercedes-Kunden den Einsatz eines illegalen Autos vor.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Im Mittelfeld der Formel 1 2020 beginnt schon nach dem zweiten Rennen in Österreich die erste politische Schlammschlacht. Renault hat nach dem Steiermark GP einen Protest gegen Racing Point und deren Piloten Sergio Perez und Lance Stroll eingereicht. Das französische Werksteam sieht im RP20 offenbar eine illegale Kopie des Mercedes von 2019.

In der zweieinhalb Stunden nach dem Ende des Rennens herausgegebenen Mitteilung der FIA wirft Renault dem Mercedes-Kundenteam den Bruch von Artikel 2.1, 3.2, Anhang 6, Paragraph 1, 2(a) und 2(c) des Sportlichen Reglements der Formel 1 vor. Diese Passagen im Regelbuch definieren den Einsatz der gelisteten Teile eines F1-Autos, welche vom Konstrukteur beziehungsweise Team selbst entwickelt und hergestellt werden müssen.

Während Einzelteile wie Getriebe oder Aufhängungen zugekauft werden dürfen, muss das eigentliche Chassis inklusive des vollständigen Bodyworks, Monococque und Crashstrukturen vom für die Weltmeisterschaft genannten Konstrukteur stammen. Etwas, das beim Racing Point RP20 von diversen Rivalen seit Beginn in Frage gestellt wird. Die Anleihen am Mercedes F1 W10 des Jahrgangs 2019 wurden bei den Wintertestfahrten in Barcelona sofort offensichtlich.

Racing Point bekräftige jedoch von Anfang an, dass die Ingenieure des Teams den Weltmeister-Mercedes lediglich anhand von Fotos kopiert haben, was vom Reglement nicht untersagt wird. Den Vorwurf eines anhand von Fremddaten konzipierten Plagiats wies das ehemalige Force-India-Team stets vehement von sich.

Bei den ersten beiden Saisonrennen 2020 wurde der enorme Performance-Sprung des Rennstalls sofort offensichtlich. In der Weltmeisterschaft liegt Racing Point mit 22 Punkten an vierter Stelle. Renault ist mit 14 Punkten Rückstand Sechster. Perez war in Spielberg zeitweise auf dem Niveau von Red Bull unterwegs.

Renault bestätigte das Vorgehen gegen den Konkurrenten wenig später auf Twitter: "Wir bestätigen hiermit, dass das Renault DP World F1 Team eine Anfrage an die Stewards des Events gestellt hat, zwecks Klarstellung der Legalität des Racing Point RP20. Wir enthalten uns weiterer Kommentare zu dieser Angelegenheit, bis die Stewards eine Entscheidung getroffen haben."


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