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Formel 1, Leclerc liefert Ferrari-Wunder: Volle Attacke sticht

Charles Leclerc fuhr beim Formel-1-Rennen in Österreich trotz Ferrari-Krise auf's Podium. Der Schlüssel des Monegassen war ein Messer - zwischen den Zähnen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sensation durch Charles Leclerc beim Großen Preis von Österreich 2020 der Formel 1 in Spielberg. Im F1-Rennen auf dem Red Bull Ring fuhr der Monegasse wie im Vorjahr auf den zweiten Platz. Wie im Vorjahr? Wo ist dann die Sensation? Die Vorzeichen haben sich drastisch geändert.

2019 startete Leclerc noch von Pole Position, in diesem Jahr nahm er das Rennen nur vom siebten Platz der Startaufstellung auf. Ferrari steckt zu Saisonstart tief in einer Formkrise, lieferte im Qualifying ein Debakel, war sogar deutlich langsamer als vor Jahresfrist.

Charles Leclerc überwältigt: Hatten nicht die Pace für Podium

Dennoch arbeitete sich Leclerc in den 71 Rennrunden des Österreich GP vor bis auf Platz zwei hinter Rennsieger Valtteri Bottas. „Das habe ich nicht erwartet. Eine gewaltige Überraschung, aber eine Gut“, staunte der Monegasse selbst. Wie es gelingen konnte? Mit einem zumindest exzellent exerzierten Rennen seitens Ferrari - wenn schon die Performance nicht passte.

„Wir haben heute einfach alles perfekt gemacht“, berichtete Leclerc nach dem Rennen. Hinzu kam Hilfe durch den Renngott. Leclerc: „Wir hatten auch etwas Glück, aber das war das Ziel - jede Gelegenheit zu ergreifen. Wir wussten, dass wir eigentlich nicht die Pace haben würden, das Rennen hier zu beenden.“

Leclercs Konzept gegen Ferrari-Schwäche: Aggressivität

Um alle sich bietenden Chancen auszunutzen hatte sich Leclerc für den Österreich GP bereits frühzeitig ein Konzept ausgearbeitet. Eine Mischung aus Aufmerksamkeit und aggressiver Fahrweise. „Es war heute ein sehr schwieriges Rennen. Für uns war es schwer, zu überholen“, so Leclerc über die großen Topspeed-Defizite der Scuderia. „Deshalb war ich jedes Mal, wenn jemand einen Fehler gemacht hat, sehr aggressiv, um diese Chance gleich auszunutzen.“

Die besten und entscheidenden Beispiele lieferte Leclerc kurz vor Rennende. Erst drückte er sich in Runde 64 außen in Kurve vier am McLaren von Lando Norris vorbei auf Platz vier, nur einen Umlauf später presste er seinen Ferrari in der Remus (Turn 3) innen am Racing Point von Sergio Perez vorbei. Damit war das Podium erreicht. Eine Zeitstrafe gegen Lewis Hamilton für das Verursachen einer Kollision mit Alex Albon katapultierte Leclerc im Ziel auf Platz zwei.

Platz zwei für Leclerc wie ein Sieg

Leclerc über diese entscheidenden Momente: „Am Ende war es echt knifflig, weil Lando auch neue Reifen hatte und ich bei den Restarts sehr zu kämpfen hatte, bis Kurve vier an ihnen dranzubleiben. „Im ersten Sektor hatten wir sehr viel zu kämpfen, erst bei Highspeed [in den schnellen Kurven im Mittelsektor] waren wir schnell. Ich habe dann einfach auf eine Chance gewartet. Die hatte ich dann, als Lando versuchte, Sergio zu überholen. Da hat er etwas Zeit verloren und dann hab ich es einfach versucht. Genauso war es dann mit Sergio. Auch da habe ich einfach die Chance gesehen und sie ergriffen!“

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Insgesamt sei es von seiner Seite eines seiner bislang besten Formel-1-Rennen gewesen. „Ich habe nicht viele Fehler gemacht und bin extrem happy mit meiner Leistung, aber auch mit unserer Strategie und unseren Entscheidungen“, sagte Leclerc. „Ich bin extrem happy. Es fühlt sich heute wie ein Sieg an, ehrlich gesagt.“ Kein Wunder nach den Performance-Problemen Ferraris.

Leclerc zufrieden mit dem Ergebnis, nur mit dem Ergebnis

Leclerc: „Einen zweiten Platz zu bekommen ist mit der Performance, die wir das ganze Wochenende hatten, etwas, dass ich nie erwartet hätte. Wir haben echt das Beste daraus gemacht und ich bin echt happy mit unserer Performance. Oder nein - mit unserem Resultat. Die Performance ist nicht, wo wir sein wollen.“

Blenden lässt sich Leclerc von dem guten Einzelresultat in Spielberg also nicht. Das Update-Paket in Ungarn muss für Ferrari einen großen Fortschritt bringen. Ohne Safety Cars, Strafen, Unfälle & Co. war die Scuderia beim Österreich GP mit Blick auf den rohen Speed fünfte Kraft.


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