Formel 1

Formel 1, Geht Hamilton zu Ferrari? Wolff: 25 Prozent Risiko

Zum Ende der Formel-1-Saison kursieren mal wieder Gerüchte, Lewis Hamilton könnte zu Ferrari wechseln. Mercedes-Teamchef Toto Wolff schließt nichts aus.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hält einen Abschied Lewis Hamiltons von Mercedes nach seinem 2021 auslaufenden Vertrag nicht für ausgeschlossen. "Ich persönlich würde sagen, dass sie bei 75 Prozent liegt", sagte der Österreicher am Sonntagabend nach dem letzten Formel-1-Rennen 2019 in Abu Dhabi über die Wahrscheinlichkeit, dass Hamilton auch über die kommende Saison hinaus bei den Silberpfeilen bleiben wird.

Bleiben also 25 Prozent Risiko. Die beruhen vor allem auf zwei Dingen:

Gerüchte um Hamilton-Treffen mit Ferrari-Präsident

Einerseits auf einem möglichen Karriereende des Ende 2021 vielleicht siebenfachen Weltmeisters - hier hatte Hamilton selbst zuletzt allerdings betont, wie sehr ihn das neue Reglement 2021 und das Kräftemessen mit den aufstrebenden Supertalenten Max Verstappen und Charles Leclerc reize.

Andererseits auf zuletzt einmal mehr aufgekommenen Gerüchten, wonach Hamilton an einen Wechsel zu Ferrari denkt. Im Rahmen des Abu Dhabi GP jedenfalls kam das Thema nach einem Medienbericht aus Italien wieder auf. Die bekannte Sportzeitung 'La Gazzetta dello Sport' hatte in die Welt gesetzt, Hamilton habe sich 2019 bereits zweimal mit Ferrari-Präsident John Elkann getroffen.

Ferrari-Teamchef schmeichelt Hamilton

In einer Pressekonferenz am Freitag damit konfrontiert, schmeichelte auch Ferrari-Teamchef Mattia Binotto dem Weltmeister. Alle könnten froh sein, dass Hamilton nach 2021 auf dem Fahrermarkt sei, so Binotto. Wiederum damit konfrontiert sagte Mercedes-Pendant Wolff am Samstag, für ihn sei es völlig in Ordnung wenn Hamilton tatsächlich mit Ferrari gesprochen habe oder spreche.

Einen Tag später kam das Thema in der letzten Medienrunde des Mercedes-Motorsportchefs erneut auf. Dort bezifferte Wolff die eingangs genannte Wahrscheinlichkeit. Allerdings schränkte der Wiener dabei ein, auch er könne sich da nur aus dem Fenster lehnen.

Wolff: 25 Prozent können wir nicht kontrollieren

Rein rational gesehen spreche jedoch alles nur für eine Fortsetzung der gemeinsamen Beziehung. "Von beiden Seiten", so Wolff. "Gleichzeitig besteht aber auch eine 25-prozentige Chance, die wir nicht kontrollieren können. Also warten wir einfach mal ab, wie es sich in den kommenden Monaten entwickelt. Wir haben uns da keinen Termin vorgenommen." Jetzt sei sowieso erst einmal Winterpause angesagt. Im Januar könne man dann beginnen, einen Zeitplan für die Vertragsgespräche festzulegen.

Formel 1 2020: Verhandelt Lewis Hamilton mit Ferrari?: (09:59 Min.)

Doch was sind diese Dinge, die Mercedes nicht kontrollieren kann? Andeutungen, er würde gerne gehen, habe Hamilton jedenfalls nicht geäußert. "Nein, wir haben aber sehr offen über Ferrari gesprochen und was diese Marke bedeutet", berichtet Wolff. Doch sei er überzeugt, dass er bei Mercedes dem etwas Wichtigeres entgegen zu setzen habe.

Wolff überzeugt: Mercedes kann sich Fahrer aussuchen, wenn ...

"Solang wir in der Lage sind, ein schnelles Auto samt Motor zu bauen werden wir immer die Möglichkeit haben, zu entscheiden, wer dieses Auto fährt", betont der Teamchef. "Und ich denke, dass kein Zweifel bestehen wird, dass Lewis' Priorität darauf liegt, dass es mit dem Team klappt. Und wir werden versuchen, dass es mit Lewis funktioniert. Das Wichtigste ist also, dass wir ein gutes Auto haben. Dann sind wir in der Lage das selbst zu entscheiden."

So selbstbewusst diese Aussage auch klingen mag, so sehr relativiert Wolff diese gleich wieder. Gegeben sei die jetzt jahrelange Stärke Mercedes auf Dauer jedenfalls mitnichten, speziell im Vergleich zum hier relevanten Ferrari. "Ich möchte nicht den Fehler machen, Ferraris Potential zu unterschätzen. Ich sehe keine Form von Anrecht, dass wir auch den siebten oder achten Titel gewinnen. Ganz im Gegenteil, ich denke wir müssen demütig bleiben was den Erfolg anbelangt", sagt Wolff.

Wolff warnt: Hamilton könnte bei Ferrari Unterschied machen

Zumal eben auch ein Lewis Hamilton den Unterschied machen könne - für Ferrari. "Ein Fahrer auf diesem Niveau weiß immer, dass er in einem Team den Unterschied ausmachen kann. Ich denke da daran, als er McLaren für Mercedes verlassen hat. Da hat man auch gesagt, das sei nicht die richtige Wahl gewesen. Aber es hat sich als richtig herausgestellt", erinnert Wolff.

Gleichzeitig gebe es ohnehin noch andere Faktoren. "Es wird auch Komponenten wie finanzielle Annehmlichkeiten geben, die da eine Rolle spielen werden. All das ergibt am Ende dann ein Gesamtpaket, das der Fahrer bewertet. Das ist völlig normal, so machen wir es doch alle", ergänzt Wolff.

Lewis Hamilton: Will einfach weiter gewinnen

Mit dieser Einschätzung trifft der Österreicher tatsächlich exakt den Standpunkt seines Top-Piloten. "Eigentlich will ich einfach weiter gewinnen, also denke ich, dass ... ich will weiter in der Lage sein, mit diesen Jungs zu kämpfen", sagt Hamilton. Aber: "Ich kann euch echt nicht sagen, was dann sonst noch passiert."

Allerdings habe er sich bis dato nie mit etwas anderem als Mercedes beschäftigt. "Ich denke, dass ich mich seit vielen, vielen Jahren nie hingesetzt habe und andere Optionen in Betracht gezogen haben, denn wir waren auf einer ... wir sind einfach geradeaus, haben unseren Weg verfolgt und ich denke, dass es sehr wenig gibt, dass mich davon abbringen kann", versichert Hamilton.

Hamilton dementiert Gerüchte nicht: Schadet niemandem …

Die Berichte über die Treffen mit Ferrari-Überhaupt Elkann dementiert Hamilton dennoch nicht ausdrücklich. "Alles, was hinter verschlossenen Türen passiert ist natürlich immer privat - mit wem auch immer du da zusammensitzt", so der Weltmeister nur allgemein. Interessant: "Aber ich denke, es schadet niemandem wenn ... ich weiß, dass Toto auch seine Option bezüglich seiner Zukunft anschaut. Nur er weiß, was das Beste für ihn und seine Familie ist. Ich warte also ab, was er macht."

Hängt Hamiltons Mercedes-Zukunft also auch an Toto Wolff? Offenbar spielt es zumindest eine Rolle. "Ich liebe, wo ich bin", sagt Hamilton. "Also wir es auf jeden Fall keine schnelle Entscheidung, etwas andere zu machen. Ich denke, es ist nur schlau und weise wenn ich mich hinsetze und darüber nachdenke, was ich will ... ob es der letzte Abschnitt meiner Karriere ist."

Wolff: Hamilton-Zukunft hängt auch an Mercedes-Team

Wolff selbst sagt auf Nachfrage zu dieser Aussage Hamiltons: "Wir haben die Mercedes-Reise 2013 gemeinsam begonnen. Diese sieben Jahre war das Vertrauen zwischen uns stark und war ein Faktor unseres Erfolgs. Natürlich wollen wir auf persönlicher Ebene beide wissen, was der jeweils andere machen wird. Gleichzeit geht es aber auch um so viele andere Teammitglieder und Mitwirkende, die vielleicht genauso wichtig sind wir Lewis und ich selbst."

Daher gehe es Hamilton, glaubt Wolff, vor allem darum, ob das gesamte Mercedes wie wir es heute kennen, auch über 2020 hinaus so weiter existiere, noch weiter intakt und voller Energie sei.

Wolff: "Wenn du es aus rationaler Sicht betrachtest spricht alles für den Fakt, dass wir unsere Reise zusammen fortsetzen werden. Aber es mag andere Faktoren geben, eine neue Herausforderung, ein spannender Deal. Das musst du immer einkalkulieren. Und dem gebe ich eine Chance von 25 Prozent."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video

a