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Formel 1 Abu Dhabi 2019: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen heute

Abu Dhabi steht nicht gerade sinnbildlich für große Formel-1-Kracher. 2019 jedoch sind die Zutaten für ein spannendes Finale top. Die Faktoren im Check.
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Los geht das Kracher-Potential beim Formel-1-Rennen heute in Abu Dhabi sofort in der Startaufstellung. Weil Valtteri Bottas durch einen inzwischen schon doppelten Motorwechsel auf den letzten Platz versetzt wird, rückt Max Verstappen nach auf P2 - und damit direkt neben Polesitter Lewis Hamilton. Der Weltmeister hatte sich im Qualifying zum heutigen Rennen (Start heute 14:10 Uhr, live auf RTL, Sky und im Live-Stream F1 TV) erstmals seit Hockenheim durchgesetzt.

Für Mercedes bedeutete das die Fortsetzung ihre durchgängigen Pole-Serie beim Wüstenrennen in der Hybrid-Ära. Genau das will Hamilton jetzt auch für den Sieg für sich beanspruchen, gerade gegen Verstappen. Nach Brasilien ist hier eine offene Rechnung zu begleichen. Damit nicht genug der Brisanz. Mit Charles Leclerc neben Sebastian Vettel steht auch in Reihe zwei Eskalationspotential. Ist der Brasilien-Crash wirklich verdaut? Und welche Rolle spielt der dort so starke Alex Albon, direkt hinter dem Ferrari-Duo?

Komplettiert werden die Top-10 von einem Battle Royal im Mittelfeld. Lando Norris, Daniel Ricciardo, Carlos Sainz und Nico Hülkenberg - das verspricht ein letztes großes Kräftemessen der bestimmenden Mittelfeldteams 2019, McLaren und Renault. Und dann ist da noch Sergio Perez auf P10 - immer gut für eine Überraschung.

2. - S wie Start

Mit nur 305,47 Metern bis zum ersten Bremspunkt ist der Spurt von der Pole in Abu Dhabi für Lewis Hamilton nur kurz. Vor Windschatten und Ferrari-Power (nur Reihe zwei) muss sich der Weltmeister also kaum fürchten. Stattdessen müssen Technik, Fahrer und Traktion sitzen. Ersteres war bei Red Bull 2019 schon diverse Male problematisch, Zweiteres gilt dafür als regelrechter Angstgegner am Start.

Und Letzteres? Gibt einem Piloten einen vielleicht entscheidenden Vorteil: Sebastian Vettel startet als einziger Spitzenpilot auf den weichsten Reifen. Das allerdings nur von P4. Boden gutmachen kann der frischgebackene Vater also, aber wohl kaum bis an die Spitze schießen. Zumindest nicht sofort.

Gefährlicher für Hamilton wird es nämlich wenig später - auf der mehr als einen Kilometer langen Gegengeraden. Weit ist der Weg bis dorthin nicht, genauer gesagt nur sieben Kurven. Schlägt dann die große Stunde der berühmten Ferrari-Power? Charles Leclerc hofft es.

Der Monegasse ist jedenfalls von seiner Siegchance auch von P3 überzeugt - aber nur, wenn ein Aspekt seines Rennen richtig sitzt, nämlich der Start. "Es wird eine ordentliche Portion Risiko am Start erfordern, ich muss es eingehen", kündigt der Monegasse an. Auf Leclerc sollten wir also ein besonders aufmerksames Auge halten.

3. - S wie Strategie

Warum es so sehr auf den Start ankommt? Weil in Abu Dhabi auf der Strecke bekanntlich nur sehr schwer ein Überholmanöver zu lancieren ist. Und, weil auch über die Strategie nicht sonderlich vielfältige Optionen locken. Eine Einstopp-Strategie erscheint wegen der genannten Bedeutung der Track Position fast schon verpflichtend. Erst recht, weil bis auf Vettel vorne auch alles auf Medium losfährt. "Hoffentlich bin ich der Einzige, der Recht gehabt hat", sagt Vettel.

Ist die Hoffnung berechtigt? Geht es nach Pirelli scheint der Start auf Soft jedenfalls tatsächlich nicht den von manch einem befürchtete Sargnagel in Vettels Rennen zu schlagen. Pirelli hält einen Einstopper mit Soft-Hard für nahezu genauso gut wie Medium-Hard. Beim weichen Reifen empfehlen die Italiener einen Wechsel nach spätestens 14 der 55 Rennrunden, bei der mittleren Mischung nach 18.

Das Boxenstoppfenster sei allerdings großzügig, vielmehr gehe es für jeden Fahrer um die jeweilige Rennsituation, wann er idealerweise wechselt - also um den Gap nach hinten auf das Mittelfeld. In Dirty Air fahren wollen wird gerade in Yas Marina niemand. Genauso wenig wie Soft-Medium fahren. Das - so Pirelli - erfordere zu viel Pace-Management. Der Hard sei der Schlüssel für den Rennsieg.

Das freut vor allem Ferrari und Charles Leclerc. Der Monegasse überzeugte im Training am Freitag mit einem exquisiten Longrun auf dem härtesten Pneu. Weil Ferrari gleichzeitig besonders mit dem Soft zu kämpfen hatte freut sich Leclerc umso mehr, anders als Vettel den Startstint nun nicht auf dem rot markierten Gummi fahren zu müssen.

4. - S wie Safety Car

Großzügige Auslaufzonen gibt es in Abu Dhabi, ja. Doch gleichzeitig stehen an einigen Stellen die Mauern auch sehr dicht, vor allem im winkligen letzten Sektor. Die Gefahr eines Safety Cars ist also durchaus gegeben - auch wenn Bernd Mayländer in den vergangenen fünf Jahren nur ein einziges Mal ausrücken musste. Noch dazu wirkt die Strecke in dieser Saison insgesamt weniger gutmütig. Im Training waren einige wildere Einlagen zu beobachten. Stichwort Kurve 19. Hier erwischte mit Vettel, Leclerc und Giovinazzi gleich eine ganze Reihe an Piloten.

5. - S wie Silberpfeil on a Mission

Ein Safety Car zum richtigen Zeitpunkt würde ganz besonders einem Fahrer helfen: Valtteri Bottas. Der Finne muss das Rennen durch seine Motorstrafe von ganz hinten aufnehmen - und mal ehrlich, irgendwie würde man Valtteri eine dicke Portion Rennglück nach diesen letzten Tagen doch mal so richtig wünschen: Erst die Trennung von Frau Emilia, dann die Strafe, dann noch ein Crash im Training samt Verwarnung und auch noch gesundheitlich angeschlagen.

Bekommt Bottas Payback durch den Renngott? Dass er auf ein Spitzenergebnis brennt, zeigte er bereits im Qualifying. Trotz der Strafe mischte er einfach vorne mit, ließ sich nur von Lewis Hamilton den Schneid abkaufen. Und das, obwohl er seinen W10 kompromisslos auf das Rennen auslegte.

"Wir haben einen Plan und haben das ganze Wochenende für das Rennen optimiert. Wir haben viele Ideen für die Strategie. Es wird eine Herausforderung von dahinten. Aber ich freue mich darauf und es wird sicher viel Spaß machen, durch das Feld zu fahren", sagt Bottas.

"Es ist immer alles möglich. Es gibt keinen Grund, mir für morgen Grenzen zu setzen. Wir haben viel Kampfgeist und nehmen jede Chance mit, die sich ergibt. Und es wird sicher welche geben. Außerdem haben wir dieses Jahr verrückte Rennen gesehen, man muss nur zwei Wochen zurück schauen, auf Brasilien. Es ist also alles drin!"

6. - S wie Schlussakkord für Duo

Valtteri Bottas' Aufholjagd zu verfolgen scheint bei dieser Ansage also eine der spannendsten Blicke auf den Abu Dhabi GP zu werden. Doch auch die unzähligen Sympathisanten Nico Hülkenbergs und Kubica-Ultras werden ihren Spaß haben. Beide bestreiten in Abu Dhabi ihre letzten Formel-1-Rennen - wobei Hülkenberg ein Comeback 2021 nicht ausschließt. Beide werden sich noch einmal zeigen wollen.

"Ich will einfach Spaß haben", sagt Hülkenberg vor seinem vorerst letzten Start. "Ich habe mich entschieden, dieses Wochenende einfach nicht so viel nachzudenken, bin da nicht so bewegt. Das überlasse ich anderen. Ich will es einfach leben, genießen und es hinbekommen." Hinbekommen? Vielleicht ja endlich dieses verflixte Podium im 177. Rennen. Das wäre dann die wohl kurioseste Story des ganzen Jahres.

7. - S wie Sieger

Bleibt die alles entscheidende Frage. Wer ist in Sachen roher Pace die heißeste Aktie auf den Sieg? Die Longruns am Freitag deuten auf Mercedes hin - also Lewis Hamilton. Für Valtteri Bottas von P20 müsste dann doch sehr, sehr viel Verrücktes geschehen.

Allerdings tankte Red Bull eigenem Bekunden zufolge zwischen den Longruns nochmal auf, sieht sich deshalb mehr auf Mercedes-Level als die Zahlen glauben machen. "Ich werde nicht lügen, es wird hart", sagt Verstappen dennoch.

Ferrari unterdessen kann bis auf Vettels Startstint völlig um den Soft - schwache Longruns auf dieser Mischung - herumkommen und so vielleicht doch eine größere Rolle spielen. Etwa mit dem Hard, den Leclerc im Dauerlauf meisterte. "Ihr Longrun war gut, auch sein [Leclercs] Q2-Run auf Medium war stark. Sie haben also die Pace. Es wird schon noch eng", warnt Lewis Hamilton auf Nachfrage zur Bedrohung durch die Roten.

Verstappen klingt da entspannter. Der Niederländer hat offensichtlich Hamilton als klaren Gegner Nummer eins ausgemacht. "Sie werden schon dabei sein. Ich mache mir da aber keine Sorgen", so Verstappen nur über Ferrari.

Na wenn das mal Charles Leclerc hört. Der Monegasse startet den Abu Dhabi GP mit einer klaren Mission. Und die heißt WM-Rang drei - und damit Max Verstappen. "Ich werde versuchen, die Meisterschaft noch vor Max zu beenden, ich werde alles dafür geben", verspricht Leclerc.


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