Formel 1

Hülkenberg geht als Verlierer: Warum Ricciardo schneller ist

Nico Hülkenberg unterliegt auch bei seinem vorerst letzten Formel-1-Qualifying in Abu Dhabi Daniel Ricciardo. Warum der immer etwas schneller ist.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - In Abu Dhabi beendete Nico Hülkenberg sein auf absehbare Zeit letztes Formel-1-Qualifying als zehntschnellster Fahrer. Und auf den Teamkollegen fehlte in Abu Dhabi wieder das letzte Etwas, oder genauer gesagt 0.254 Sekunden. Daniel Ricciardo stellte seinen Renault ein letztes Mal weiter vorne ab. Dank Bottas-Strafe ist es Startplatz sieben für Ricciardo, und neun für Hülkenberg.

Allzu überraschend kommt die Niederlage nicht. Dass Hülkenberg Renault als Verlierer des Duells gegen Ricciardo verlassen würde, stand schon vor Abu Dhabi fest. Der Australier hatte den Deutschen meistens unter Kontrolle, der Endstand im Quali-Duell lautet 14 zu sieben. "Ich bin nicht zufrieden, auch nicht unzufrieden. Irgendwo in der Mitte", kommentiert es Hülkenberg am Samstagabend und versucht danach zu erklären, woran es 2019 lag.

Ricciardo gewinnt im Renault Qualifying-Duell gegen Hülkenberg

In Abu Dhabi kann Hülkenberg zumindest auf ein kleines Problem verweisen. Auf seiner letzten schnellen Runde erwischte er im letzten Sektor einen Randstein ungünstig. Das Renault-Getriebe schaltete aus Gründen der Schadens-Vermeidung einmal unrund, schon war ein bisschen Zeit weg. "Das hat einen, eineinhalb Zehntel gekostet", schätzt Hülkenberg.

Aber wer sich noch einmal die Lücke - 0.254 - ins Gedächtnis ruft, erkennt, dass es auch ohne Problem nicht gereicht hätte. "So wäre ich bis auf ein Zehntel an Daniel herangefahren", erkennt auch Hülkenberg. "Aber er fühlt sich einfach ein bisschen wohler. Bei mir ging es Freitagmorgen richtig gut los, aber seit gestern Abend ist ein bisschen der Wurm drin."

Die Harmonie passte schließlich nicht, als es im Qualifying darauf ankam. Zum wiederholten Mal in dieser Saison. "Ein bisschen ein Kampf", schließt Hülkenberg. "Auf einer Strecke hier mit so vielen Kurven macht sich das bemerkbar und ist dann mühsam."

Tiefergehende Gründe sieht Hülkenberg dafür keine. Zum Beispiel glaubt er nicht, dass das Team sich schon übermäßig stark auf Ricciardo ausrichtet und er als Abgänger dabei auf der Strecke bleibt: "Nein, würde ich nicht sagen. Es gibt ja sowieso immer die zwei Seiten. Wenn ich will, dann fahre ich, was ich will." Vielmehr handelt es sich um ein Grundsatz-Problem. Den Renault in seiner aktuellen Fassung kann Ricciardo einfach besser fahren.

Renault schafft in Abu Dhabi über Nacht die Wende

Als Team präsentierte sich Renault allerdings im Qualifying schließlich solide. Beide Autos in Q3, das sah nach einem üblen Freitag noch recht unwahrscheinlich aus. "Bei meinem Auto haben wir für FP2 ein paar Setup-Sachen gemacht, die nicht produktiv waren, im Gegenteil", erklärt Hülkenberg. Das brachte ihn zwar nicht näher an Ricciardo, aber zumindest in die Top-10.

Bei Ricciardo klingt es besser. "Wir haben auf jeden Fall letzte Nacht hart gearbeitet, das musste sein", sagt er zu Motorsport-Magazin.com. Renault brachte die Reifen nur schwer auf Temperatur, das machte im ersten Sektor Probleme. "Wir haben es dann verstanden, aber trotzdem nicht erwartet, dass heute so gut laufen würde, mit beiden Autos in Q3", sagt Ricciardo. Er schaffte es schließlich bis auf zwei Hundertstel an Lando Norris heran, der im McLaren das Mittelfeld anführte.

Hülkenberg will Punkte im letzten Rennen

Für das Rennen gibt sich Renault jetzt nach der Wende von Freitag auf Samstag ebenfalls zuversichtlich. Ricciardo verneint, dass man beim Setup einen Kompromiss getroffen habe, der im Rennen zu Problemen führen könnte. "Wir waren überrascht, wie gut unsere Longruns gestern waren. Jetzt, mit besseren Shortruns, sind wir zuversichtlich, dass die Longruns noch besser sein werden!"

Ricciardo vertraut darauf, dass Renault also gegen Toro Rosso im Kampf um WM-Platz fünf bestehen kann. Hülkenberg hofft indessen für sein letztes Rennen auf nicht viel mehr als sonst: "Gutes Rennen haben. Platz fünf kassieren. Ein paar Punkte mitnehmen, andere im Mittelfeld schlagen. Das ist immer das Ziel."

Besondere Emotionen verspürt er vor dem Abschied keine. "Vielleicht kommt es später, keine Ahnung. Jetzt fokussiere ich mich einfach auf das Wochenende vor mir." Wie die Karriere nach der Zielflagge morgen Abend weitergeht, bleibt weiter offen.


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