Formel 1

Bottas fürchtete um USA-Sieg: Dachte, schlechtere Strategie

Valtteri Bottas münzte im Formel-1-Rennen in Austin die Pole in seinen ersten USA-Sieg um. Das war ein hartes Stück Arbeit - samt Zweifeln an der Strategie.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - "Gemischte Gefühle." So beschrieb Valtteri Bottas sein Innenleben nach dem Formel-1-Rennen in Austin. Der Mercedes-Pilot hatte soeben zum ersten Mal in seiner Karriere den USA GP gewonnen, die Weltmeisterschaft aber nun auch auf dem Papier verloren.

Platz zwei reichte Teamkollege Lewis Hamilton, um den WM-Titel zwei Rennen vor dem Ende der Saison zu gewinnen. "Das einzige, das ich dieses Wochenende machen konnte, um die Titelhoffnungen am Leben zu halten und sie hinauszuzögern, war, zu gewinnen. Ich habe meinen Teil gemacht", so Bottas.

Mit besonderer Befriedigung erfüllte den Finnen die Art und Weise, wie er den USA GP 2019 gewonnen hatte: "Ich bin mir sicher, dass Lewis das Rennen wirklich gewinnen wollte, er wollte den Titel sicher mit einem Sieg holen. Das habe ich verhindert und das fühlt sich gut an."

Dabei war auch das Rennen selbst kein Selbstläufer. Bottas kam gut vom Start weg und münzte die Pole Position in die Rennführung um. Eigentlich lief alles prächtig für den Finnen. "Aber unser Plan war, nur einen Stopp zu machen. Als Max [Verstappen] zu seinem frühen Stopp kam, musste ich auch auf eine Zweistopp-Strategie wechseln, um ihn abzuwehren", erklärte Bottas.

Verstappen war damit nicht das Problem des WM-Zweiten, sondern Teamkollege Hamilton. Der hatte nämlich nichts zu verlieren und konnte auf der angestammten Einstopp-Strategie bleiben. "An einem Punkt hatte ich Angst, dass die Strategie für ihn besser war", gestand Bottas. "Ich habe mich dann auf jede einzelne Kurve fokussiert, habe versucht die Verluste im Verkehr so gering wie möglich zu halten, um ihn am Ende zu kriegen."

Zunächst fiel Bottas durch den frühen ersten Stopp hinter Hamilton zurück. Durch das große Reifen-Delta hatte er aber keine Probleme, an Hamilton vorbeizugehen. Durch den zweiten Stopp fiel Bottas allerdings erneut zurück, diesmal sollte er es schwerer haben.

Beinahe wären die beiden Silberpfeil-Piloten sogar kollidiert, als Bottas am Ende der langen Geraden außen vorbeigehen wollte. "Wir sind auf Verkehr aufgelaufen und Lewis hatte einen Fehler in Kurve elf. Er hat dann innen zugemacht, ich bin nach außen gegangen. Ich war zwar vorne, aber er hat erst sehr spät gebremst, deshalb muss ich weit gehen, um die Kollision zu vermeiden", schilderte Bottas.

Bottas wich in die asphaltierte Auslaufzone aus, nur deshalb kam es nicht zur Berührung. Vorwürfe macht der Finne dem alten und neuen Weltmeister nicht: "Wäre ich in seiner Situation gewesen, hätte ich es genauso gemacht."

Eine Runde später konnte sich Hamilton dann nicht mehr erwehren, Bottas holte sich den Sieg wenige Runden vor dem Rennende auf der Strecke. "Es waren tolle Kämpfe mit ihm, es ist ein gutes Gefühl, so einen Sieg zu holen. Es ist kein gutes Gefühl, [in der WM] Best of the Rest zu sein, aber es war meine bisher beste Saison und nächstes Jahr ist eine neue Möglichkeit. Dieses Wochenende isoliert betrachtet war toll", so Bottas.


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