Formel 1

Sebastian Vettel: Ferrari-Strategie war Wiedergutmachung

Auch in Sotschi sorgt Ferraris Singapur-Doppelsieg für Gesprächsstoff. Vettel kann den Ärger von Lecerc verstehen - aber sieht auch eine Rechtfertigung.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel gegen Charles Leclerc: Das Duell der beiden Ferrari-Piloten spaltet spätestens seit Singapur die Formel-1-Welt. Auch am Donnerstag vor dem Russland GP in Sotschi ist der Ferrari-Doppelsieg vom vergangenen Wochenende noch Gesprächsthema Nummer eins.

Leclerc führte den GP an, doch Vettel holte sich dank der besseren Strategie den Sieg. Der Monegasse war vor allem während des Rennens recht ungehalten und sorgte mit seinen Funksprüchen für Aufsehen. "Was da am Funk gesagt wird, wird überinterpretiert", verteidigt Vettel seinen Teamkollegen.

"Es sind die Emotionen während des Rennens, das ist nicht so tragisch", so Vettel, der gewissermaßen Experte für emotionale und nicht ganz jugendfreie Funksprüche ist. Doch wer austeilt, kann auch einstecken: "Das kann mich jemand als Idiot bezeichnen und ich fände es nicht schlimm."

Vettel hat Verständnis für Leclerc

Vettel und Leclerc sprachen sich anschließend aus. "Ich kann seinen Unmut verstehen, andersrum wäre es mir genauso gegangen", zeigt sich der Deutsche verständnisvoll. Dann aber fügt er an: "In Anbetracht der letzten Wochen war es aber nicht die falsche Entscheidung."

Was genau der viermalige Formel-1-Weltmeister damit meint, sagt er nicht. Doch nach der Sommerpause gab es gleich zwei Vorkommnisse, die Singapur als ausgleichende Gerechtigkeit rechtfertigen würden.

In Spa verhalf Vettel Leclerc zum Sieg, indem er Lewis Hamilton aufhielt. Vettel wollte eigentlich vor dem Zweikampf mit Hamilton schon an die Box fahren, verlor so möglicherweise eine Podiumsplatzierung. Eine Woche später kam es in Monza zum Qualifying-Eklat, als sich Leclerc im Q3 nicht an die Absprache hielt und Vettel den Windschatten verweigerte.

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Russland GP: (10:47 Min.)

Ohne einen Zusammenhang zwischen Singapur und den beiden Zwischenfällen herzustellen, kommt Vettel später noch einmal genau darauf zu sprechen. Nämlich als ihn Motorsport-Magazin.com nach dem Performance-Schub in Singapur fragt.

"In Ungarn waren wir weit weg, aber das Gefühl war nicht schlecht. Belgien und Monza waren auch nicht schlecht", stellt Vettel klar. "In Spa hatte ich ein anderes Rennen, in Monza war nur der Sonntag schlecht. Der Samstag war sehr gut, da hätte ich ein besseres Ergebnis haben sollen."

Vettel zu Ferrari-Update: Besser, aber nicht besser als Mercedes

Aber macht Ferrari nun in Russland da weiter, wo man in Singapur aufgehört hat? Mit Monza und Singapur gewann die Scuderia nun zwei Rennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vettel relativiert: "Im Renntrimm war Mercedes schneller. Es wäre eine riesige Überraschung, wenn wir alle Schwächen auf einmal beseitigt hätten. Das ist Wunschdenken, aber nicht Tatsache."

Trotzdem haben die Ingenieure Fortschritte am SF90 gemacht. Das Aerodynamik-Upgrade und ein besseres Verständnis haben dafür gesorgt, das Ferrari aus eigener Kraft auf einer Anti-Ferrari-Strecke auf Pole fahren konnte.

"Durch die Verbesserungen haben wir Spielraum, am Setup zu spielen", erklärt Vettel. "Wenn die Vorderachse das Problem war und man gespielt hat, war plötzlich die Hinterachse das Problem. Mit mehr Grip hat man einen größeren Spielraum und kann besser mit der Balance spielen." Also ist Ferrari nun auch in Sotschi Favorit? "Hier ist es ganz anders, aber Singapur hat uns viel Selbstvertrauen gegeben", so Vettel.


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