Formel 1

Formel 1, Giovinazzi versteht Strafe nicht: Manöver war sicher

Antonio Giovinazzi gab seine Strafe in Singapur Rätsel auf. Am Ende überwog dennoch die Freude: Erste Führungsrunden in der F1, Krise im Sommer überwunden.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Antonio Giovinazzi war beim Formel-1-Rennen in Singapur für einige Runden der heimliche Held. Vor seinem ersten Boxenstopp führte er mehrere Runden vor den Ferrari-Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc und fuhr schlussendlich als Zehnter erneut in die Punkte. Nach einer schwierigen ersten Saisonhälfte hat der Rookie zu sich gefunden. Doch um ein Haar hätte ihn eine Strafe das Singapur-Resultat gekostet.

"Sie haben gesehen, dass ich zu nah an dem LKW vorbeigefahren bin, der das Auto von Russell geborgen hat", erklärt er gegenüber Motorsport-Magazin.com sein Vergehen, das ihm am vergangenen Wochenende eine Zeitstrafe von zehn Sekunden einbrockte. Da sein Vorsprung auf Romain Grosjean ausreichte und er durch die Entscheidung der Stewards keine Position verlor, sah er die Angelegenheit entspannt. Verstehen kann er die Strafe trotzdem nicht.

"Ehrlich gesagt... vielleicht sah es von außen so aus. Aber wir waren auf einem Stadtkurs, einer sehr engen Rennstrecke. Und ich habe mich an die vorgegebenen Zeiten gehalten. Für sie war ich zu nah dran, aber ich habe es als ziemlich sicher empfunden", beschreibt Giovinazzi die Situation aus seiner Sicht. "Nur sie sind die Stewards. Das ist halt ihre Begründung. Ich habe mich an die Zeiten gehalten. Keine Ahnung, was ich sonst machen soll."

Der Rat, der ihm für die Zukunft mit auf den Weg gegeben wurde, war wenig aufschlussreich. "Ich soll langsamer fahren", sagt er. Seinen bisher wohl größten Tag in der Formel 1 konnte der kleine Strafzettel letztendlich aber nicht trüben. Im Vordergrund stand für ihn ein weiteres starkes Wochenende, inklusive der ersten Führungskilometer in der Königsklasse.

Giovinazzi's Freunde feiern erste Führungsrunden in der F1

"Ich habe wirklich viele Videos von diesem Moment. Es war wirklich toll. Natürlich waren wir auf einer anderen Strategie, aber ehrlich gesagt war es trotzdem schön, P1 auf meinem Pitboard zu sehen. Das ist etwas, das ich zuletzt 2016 in der GP2 gesehen hab", so Giovinazzi, der sich von den vier Rookies im Grid in dieser Saison für lange Zeit am schwersten tat.

Die Führungsrunden des Underdogs sorgten nicht nur bei ihm, sondern auch bei seinen Kumpels für gute Laune - wie ein von Giovinazzi auf seinem Instagram-Kanal veröffentlichtes Video zeigt. "Sie haben sich sehr gefreut. Natürlich, meine Freunde zuhause wissen nicht, dass das Auto in der F1 auch sehr wichtig ist, um vorne zu fahren", schmunzelt der 25-Jährige. "Sie haben sich also zuerst sehr gefreut und dann trotzdem nicht verstanden, warum ich nur Zehnter geworden bin. Es ist einfach zu kompliziert."

Giovinazzi nach der Sommerpause wie ausgewechselt

Kompliziert waren für ihn auch die ersten Saisonrennen, in denen er gegen Routinier Kimi Räikkönen teilweise hinter den eigenen sowie den Erwartungen des Teams zurückblieb. Die Pace des Weltmeisters von 2007 matchte er im Qualifying zwar nach wenigen Rennen, doch das erste Punkteresultat ließ bis zum neunten Wochenende in Spielberg auf sich warten.

"Ich fühle mich im Rennen jetzt wohler, und die Pace ist auch besser. Ich hoffe, es geht so weiter. Wir sind auf dem richtigen Weg", glaubt der Italiener, nachdem er zuletzt zweimal in Folge in den Punkten war. Die erste Saisonhälfte war für ihn nicht nur ein Debüt, sondern ein Comeback.

Nach zwei Jahren als Simulatorfahrer bei der Scuderia musste er sich erst wieder daran gewöhnen, Rennen zu fahren. "In die F1 zu kommen, die beste Serie mit den besten Fahrern, war nicht einfach", sagt er. "Es war nichts Neues, aber das Kämpfen mit anderen Fahrern und das Überholen, was nicht einfach ist, wenn du es zwei Jahre nicht mehr gemacht hast. Ganz besonders nicht, wenn du gegen F1-Fahrer antrittst."

Schwächen im Urlaub genau analysiert

Vor allem in den Medien wurde ihm nach den Misserfolgen zu Saisonbeginn schnell das Ende seiner noch jungen F1-Karriere vorhergesagt. Giovinazzi ließ sich davon nicht beirren. In der Sommerpause analysierte er seine Schwächen, um stärker zurückzukommen: "Ich habe über die positiven und die negativen Punkte nachgedacht."

Nicht nur die Zweikämpfe, auch die Natur eines Formel-1-Rennens war ihm zu Beginn eher fremd. "Reifen, Benzin, Bremsen zu managen war nicht einfach. Und der erste Teil des Rennens ist wirklich wichtig. Wenn du da in der richtigen Position bist, ist es viel einfacher", erklärt er. Dementsprechend legte er seinen Fokus im Urlaub darauf, diese Schwächen auszumerzen.

"Wenn du nach den ersten zwei oder drei Runden Achter bist und die richtige Strategie hast, bleibst du auch den Rest des Rennens dort. Das war das Ziel, den ersten Teil des Rennens wirklich zu 100 Prozent hinzubekommen", so Giovinazzi, der in drei der letzten sieben Rennen in den Punkten landete.

Giovinazzi kämpft weiter um Alfa-Romeo-Vertrag

Eine Statistik, die ohne die durch einen Fehler des Teams verschuldete Disqualifikation in Hockenheim und seinen Abflug in der letzten Runde des Belgien GP noch deutlich besser aussehen könnte: "Spa war schon ein sehr positives Wochenende, bis auf die letzte Runde. Die Pace war da, die Überholmanöver haben gesessen. Die drei Wochen Sommerpause habe ich wirklich genutzt, um mich neu auszurichten für den Rest des Jahres."

Auf dem nun deutlich sichtbaren Aufwärtstrend will er bei den sechs ausstehenden Rennen aufbauen: "Die Erfahrung macht einen großen Unterschied. Du beginnst, Dinge über die du vorher nachdenken musstest, automatisch zu machen. Ich muss weiter pushen. Wir hatten zwei positive Wochenenden in Monza und Singapur, aber ich muss weiter Gas geben. Wenn ich diese Resultate und diese Pace fortsetze, kann mir niemand meinen Platz für nächstes Jahr wegnehmen."


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