Formel 1

Formel 1: Vettel siegt in Singapur dank Strategie vor Leclerc

Doppelsieg für Ferrari beim Singapur GP 2019: Sebastian Vettel gewinnt nach über einem Jahr wieder ein F1-Rennen. Ärger bei Charles Leclerc über Strategie.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel ist zurück: Nachdem der Ferrari-Pilot nach zwei durchwachsenen Rennen in Spa und Monza bereits angezählt war, meldete sich Vettel beim Singapur GP 2019 eindrucksvoll zurück und holte seinen ersten Formel-1-Sieg seit 392 Tagen. Von Position drei aus gestartet übernahm der viermalige Weltmeister dank einer aggressiven Strategie die Führung.

Beim Boxenstopp überholte er nicht nur Mercedes-Pilot Lewis Hamilton, sondern auch Teamkollege Charles Leclerc, der das Rennen bis dahin von Pole aus kontrolliert hatte. Der Monegasse landete auf Rang zwei und sorgte damit für den ersten Ferrari-Doppelsieg seit dem Ungarn GP 2017. Es war der der erste Doppelsieg in der Singapur-Geschichte überhaupt.

Rang drei ging nach einem spannenden Kampf an Max Verstappen. Der Red-Bull-Pilot setzte sich knapp gegen Lewis Hamilton im Mercedes durch. Valtteri Bottas komplettierte die Top-5.

Der Start: Vorne kommen alle gut weg, es gibt keine Positionsverschiebungen. Vettel macht Hamilton auf der Geraden Druck, doch für ein Überholmanöver reicht es nicht. An der Spitze bleibt alles unverändert.

Dahinter geraten Nico Hülkenberg und Carlos Sainz aneinander. Hülkenberg wittert in Kurve vier eine Chance, die es nicht gibt. Der Renault-Pilot trifft den McLaren und beschädigt dabei beide Autos, den orangenen Renner trifft es härter. Aber auch Hülkenberg muss am Ende der Startrunde wegen eines Reifenschadens an die Box. Glück für Hülkenberg: Die Stewards stellten die Untersuchung ohne Ergebnis ein.

So entwickelt sich das Rennen: Vorne an der Spitze kontrolliert Leclerc die Pace. Der Monegasse tut alles dafür, seine Soft-Reifen zu schonen. Weil auf dem Marina Bay Street Circuit quasi Überholverbot herrscht, kann er extrem langsam fahren, ohne von Hamilton überholt zu werden.

Zeitweise fährt Leclerc 13 Sekunden langsamer als in der Qualifikation. Hamilton dahinter beschwert sich am Funk: "Noch langsamer kann ich nicht fahren." Doch Überholmöglichkeiten tun sich für den Mercedes-Piloten auch nicht auf.

Charles Leclerc hielt nach dem Start das gesamte Feld auf - Foto: LAT Images

Das gesamte Feld bleibt durch Leclercs Schleichfahrt eng zusammen. Auch hinter den Top-Teams öffnet sich keine Lücke. Das ist durchaus beabsichtigt, damit Mercedes Ferrari nicht undercutten kann. Denn bei einem Boxenstopp würde Hamilton mitten im Verkehr rauskommen.

Die Boxenstopps: Als sich im Mittelfeld eine kleine Lücke auftut, holt Ferrari Vettel in Runde 19 an die Box. Hinter ihm biegt Max Verstappen ein. Von nun an herrscht Hochbetrieb in der Boxengasse. Eine Runde später kommt auch Charles Leclerc zum Reifenwechsel und holt sich wie Vettel und Verstappen die harten Reifen ab.

Doch die eine Runde, die Leclerc länger draußen blieb, wird ihm zum Verhängnis. Vettel, zuvor auf Rang drei hinter Hamilton, geht nach einer schnellen Outlap an Leclerc vorbei. Auf den frischen Hards fahren die Ferrari-Piloten nun 3,5 Sekunden schneller als zuvor - schließlich entfacht nun ein Fernduell gegen die Mercedes.

Das Weltmeisterteam holt Valtteri Bottas in Runde 22 zum Stopp. Auch für ihn gibt es die harten Reifen. Hamilton muss vorne an der Spitze weiter warten - Mercedes hofft darauf, dass Ferrari nun im Verkehr Zeit verliert, denn Vettel schließt auf eine Kampfgruppe auf.

Als Hamiltons Rundenzeiten einbrechen, kommt er in Runde 26 zum Reifenwechsel. Damit er nicht weiter zurückfällt, muss Teamkollege Bottas extra langsamer machen und Alexander Albon aufhalten. Bottas hält sich an die Teamorder und hält den Red-Bull-Piloten genau so auf, dass sich Hamilton vor dem Duo einsortiert.

Zwei Positionen hat Hamilton durch den späten Stopp trotzdem verloren. Die Reihenfolge nach den Stopps ist innerhalb der Spitzengruppe wie folgt: Vettel auf eins, dahinter Leclerc und Verstappen. Hamilton auf vier vor Bottas und Albon.

Sebastian Vettel kam am besten durch den Verkehr - Foto: LAT Images

Doch die Gruppe ist nicht unter sich: Lance Stroll, Daniel Ricciardo, Pierre Gasly und Antonio Giovinazzi liegen vor ihnen, weil sie noch nicht beim Stopp waren. Vettel macht an der Spitze den besten Job und überholt am aggressivsten. Beim Überholmanöver gegen Gasly ist Vettel etwas zu aggressiv, ohne die Mithilfe des Franzosen wäre es zur Kollision gekommen. Die Rennleitung stellt die Untersuchung allerdings schnell ein.

Die Konkurrenz hat derweil mehr Probleme im Verkehr. Leclerc und Co verlieren beim Überholen Sekunde um Sekunde, Vettel kann sich eine Lücke von fünf Sekunden auf seinen Teamkollegen herausfahren.

Die erste Safety-Car-Phase: In Runde 36 verliert Vettel seinen gesamten Vorsprung auf einen Schlag. Weil George Russell nach einer Kollision mit Romain Grosjean auf der Strecke stehen bleibt, schickt die Rennleitung das Safety-Car auf die Strecke.

Die zweite Safety-Car-Phase: Vettel kontrolliert den Restart in Runde 40 perfekt und trickst die Konkurrenz aus. An der Spitze gibt es keine Verschiebungen. Dahinter geht es aber rund, Gasly und Stroll kollidieren leicht. Für eine weitere Safety-Car-Phase sorgt aber Sergio Perez, der seinen Racing Point in Runde 44 aufgrund eines technischen Defekts mitten auf der Strecke abstellt.

Bernd Mayländer führte bislang bei jedem Singapur GP das Feld mindestens einmal an - Foto: LAT Images

Die dritte Safety-Car-Phase: Nach einem weiteren ruhigen Restart (Runde 47) an der Spitze kollidieren im Mittelfeld Daniil Kvyat und Kimi Räikkönen. Der Russe liegt vor Kurve eins deutlich hinter dem Finnen und sticht völlig übermotiviert innen rein. Bei der Berührung bricht Räikkönens Radaufhängung, in Runde 51 rückt Bernd Mayländer deshalb erneut aus.

Vettel kontrolliert auch den dritten Restart in Runde 53. Von da fährt der viermalige Formel-1-Weltmeister ungefährdet dem Sieg entgegen. Trotz zwischenzeitlichem Ärger am Funk setzt Leclerc keinen Angriff auf seinen Teamkollegen und findet sich mit Rang zwei ab.

Das Ergebnis: Zweieinhalb Sekunden hinter Sebastian Vettel überquert Charles Leclerc nach 61 Rennrunden die Ziellinie. Eine weitere Sekunde dahinter sichert sich Max Verstappen den letzten Platz auf dem Podium nur wenige Zehntelsekunden vor Lewis Hamilton. Valtteri Bottas wird Fünfter, Alexander Albon Sechster.

McLaren-Pilot Lando Norris sichert sich Rang sieben vor Pierre Gasly im Toro Rosso. Nico Hülkenberg und Antonio Giovinazzi komplettieren die Top-10. Romain Grosjean verpasst als Elfter die Punkteränge knapp.

Die schnellste Rennrunde: Novum in der Formel-1-Saison 2019: Erstmals gibt es keinen Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde. Kevin Magnussen holt sich spät im Rennen frische Reifen und fährt deshalb die schnellste Runde. Weil Magnussen Letzter wird, gibt es keinen Zusatzpunkt. Den gibt es nur, wenn jemand in den Top-10 die schnellste Rennrunde fährt.


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