Crash-Orgie auf dem Norisring! Beim Sieg von Thomas Preining (Manthey-Porsche) flogen regelrecht die Fetzen auf dem einzigen Stadtkurs im DTM-Rennkalender. Neun der 24 angetretenen Piloten sahen nicht die Zielflagge. So viele Ausfälle gab es zuletzt vor fast zwei Jahren beim Sachsenring-Rennen anno 2023.

Trauriger Spitzenreiter in der Ausfall-Tabelle seit 2021 bleibt das denkwürdige Norisring-Rennen von 2022, als 16 der damals 27 gestarteten Autos vorzeitig aufgeben mussten. Gefolgt vom Hockenheim-Lauf in der gleichen Saison mit elf Ausfällen, dahinter die Rennen in Zandvoort (2023), Lausitzring und Imola (beide 2022), wo jeweils zehn Autos vorzeitig die Segel streichen mussten.

DTM Crash-Festival am Norisring! Irre MotoGP-Show in Nürnberg (18:56 Min.)

Das diesjährige Sonntags-Rennen auf dem Norisring war einer von neun Läufen seit 2021, in denen mindestens neun GT3-Boliden nicht den Zielstrich erreichten - bei insgesamt 72 Rennen seit dem Wechsel von Class-1-Prototypen hin zu den GT3-Fahrzeugen. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf das Crash-Festival vom Sonntag und erklärt, was wirklich los war.

Ausfälle 1-3: Marco Wittmann (Schubert-BMW), Mirko Bortolotti und Nicki Thiim (beide Abt-Lamborghini): Start, erste Kurve, vier Autos nebeneinander, Rumms! Die Lokalmatadore Marco Wittmann und Abt Sportsline mit seinen Fahrern Mirko Bortolotti und Nicki Thiim fielen einer unglücklichen Startkollision zum Opfer. Ein Horror-Heimspiel für alle Beteiligten. Wittmanns Schubert-BMW wurde von Jules Gounon ausgangs der ersten Kurve leicht nach rechts abgedrängt, wo das nachfolgende Abt-Duo nicht rechtzeitig ausweichen konnte.

"Jules hat mich von links nach rechts gedrückt", schilderte Wittmann. "Da waren die beiden Abt-Lambos, die aber auch nicht vom Gas gegangen sind und mich in die Mauer gedrückt haben. Es ist schwierig, einen Schuldigen zu benennen, aber vielleicht muss man auch mal vom Gas gehen oder ein bisschen Platz lassen." Die Rennleitung konnte nach Ansicht der Bilder keinen Alleinverantwortlichen für die Kollision ausmachen. Bortolotti meinte: "Ich bin außen meine Linie gefahren und hatte genug Platz nach links. Als ich einen Schlag bekommen habe, war ich in der Wand drin. Dann gab es eine Kettenreaktion und der BMW stand schon quer."

Ausfall 4: Fabio Scherer (HRT-Ford): Der Schweizer erlebte ein Wochenende zum Vergessen. Das Samstagsrennen musste Scherer auslassen, weil nach einem Mauerkuss im Qualifying die zerstörte Hinterradaufhängung nicht schnell genug repariert werden konnte. Am Sonntag war nach 19 Runden Feierabend, als Scherers Ford Mustang GT3 plötzlich ein Rad auf der Strecke verlor. "Vielleicht ist eine Nuss gebrochen, ein anderer Grund fällt mir nicht ein", rätselte Scherer, der seinen ersten Pflicht-Stopp sechs Runden zuvor absolviert hatte.

Ausfall 5: Maximilian Paul (Paul-Lamborghini): Der gebürtige Dresdner hat sich mit seinem Familienteam einiges an Respekt in der DTM erarbeitet, doch am Norisring wollte es nicht so recht laufen. Im Sonntagsrennen musste der 25-Jährige nach 20 Runden aus Sicherheitsgründen aufgeben. Paul: "Wir hatten seit dem Beginn des Wochenendes Probleme mit der Bremse. Im Rennen wäre es zu gefährlich gewesen, weiterzufahren. Wir haben das Problem noch nicht gefunden und das Auto tat nicht, was es hätte tun sollen."

Ausfall 6 und 7: Tom Kalender (Landgraf-Mercedes) und Gilles Magnus (Comtoyou-Aston-Martin): Der erst 17-jährige DTM-Rookie Kalender fiel seinem Aston-Martin-Kontrahenten Magnus ausgerechnet während der Full-Course-Yellow-Phase zum Opfer. "Ich hatte einen Mega-Start, einen guten Overcut, habe gepusht und keine Fehler gemacht", schilderte Kalender. "Als die Full Course Yellow kam, habe ich normal runtergebremst. Dann bekam ich aber einen Schlag von hinten und musste zurück an die Box. Magnus kam viel zu schnell an, konnte nicht bremsen und ist mir draufgefahren." Ein solcher Fehler bleibt nicht ohne Folgen: Gilles Magnus kassiert für das nächste Rennen auf dem Nürburgring eine 5-Platz-Gridstrafe.

Ausfall 8: Luca Engstler (GRT-Lamborghini): Nur eine Woche nach dem Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps, erlebte Engstler am Norisring ein Wochenende für die Tonne. Am Samstag wurde er von Nicolas Baert unsanft aus dem Rennen geschossen, am Sonntag fiel der GRT-Lamborghini-Pilot in Folge einer Kollision mit Ricardo Fellers Land-Audi aus. Feller kassierte nachträglich eine 15-Sekunden-Ersatzstrafe und fiel von P12 auf P14 zurück.

Der Frust bei Lambo-Werksfahrer Engstler nach der Nullrunde in Nürnberg war verständlich: "Feller hat mich getroffen und meinen Reifen zerstört. Aktuell macht es nicht viel Spaß, in der DTM zu fahren, wenn sich die Leute so verhalten. Das ist Stock-Car-Racing pur! Die bekommen eine Penalty Lap, sind frustriert und schicken dann ein anderes Auto zur Hölle. Auf diesem Level sollte man sich nicht so benehmen."

Ausfall 9: Timo Glock (Dörr-McLaren): Ein weiteres schwieriges Wochenende für DTM-Rückkehrer Timo Glock. Am Sonntag musste der McLaren-Pilot zehn Runden vor Schluss aufgeben - sein dritter vorzeitiger Ausfall im achten Rennen für Dörr Motorsport. Zu den Gründen hat sich das Team auf Anfrage bisher nicht gemeldet. Es könnte sich um einen Folgeschaden vom Start gehandelt haben, als Glock zunächst Vordermann Jules Gounon leicht am Heck traf und danach einen Treffer von Morris Schurings Porsche erhielt. Am Samstag kämpfte Glock mit einem defekten Turbolader, der ihn im Qualifying chancenlos ließ.