Die DTM ist wieder sexy! Jetzt machen sich sogar Politiker aus Berlin stark für die Rückkehr der Traditionsserie in die deutsche Hauptstadt. An ein solches Projekt wäre vor wenigen Jahren kaum zu denken gewesen, doch das große Zuschauer-Interesse - das zurückliegende Norisring-Wochenende besuchten 112.000 Fans - ist auch der breiten Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben.

DTM Crash-Festival am Norisring! Irre MotoGP-Show in Nürnberg (18:56 Min.)

Am Sonntagmittag berichteten Berliner Zeitungen tatsächlich von einem möglichen DTM-Comeback in Berlin. Der Berliner Kurier und die B.Z. zitierten CDU-Fraktionschef Dirk Stettner mit folgenden Worten: "Berliner können sich mit uns auf großen Sport freuen. Die Deutsche Tourenmeisterschaft könnte wieder nach Berlin kommen, mit CO2-freiem Antrieb und ergänzend zur Formel E."

DTM-Rennen auf der Berliner Avus 1988
Die DTM fuhr bis 1995 auf der Berliner Avus - hier beim Rennen 1988, Foto: IMAGO/WEREK

Berlin: Heute Formel E, in Zukunft wieder DTM?

Die Formel E gastiert seit ihrem Debüt in der Saison 2015 jährlich auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof am Stadtrand. 2016 fuhr die Elektro-Rennserie sogar einmalig durch die Innenstadt rund um den Alexanderplatz, als Tempelhof wegen der für Flüchtlinge genutzten Hangar-Hallen nicht zur Verfügung stand. Berlin ist die einzige Stadt in der Geschichte der Formel E, in der jedes Jahr mindestens ein Rennen ausgetragen wurde. Am kommenden Wochenende (12./13. Juli) fährt die E-Weltmeisterschaft zum elften Mal auf dem weitläufigen Flughafengelände, auf dem ein temporärer Kurs errichtet wird (zum Formel-E-Rennkalender 2025).

Heute Formel E, in Zukunft auch die DTM? CDU-Politiker Stettner erkannte Synergien: "Die Logistik wie temporäre Tribünen, Rennelemente, Medienbühnen können sich beide Veranstaltungen teilen und sogar Wettbewerbe gemeinsam veranstalten. Ein starkes Zeichen für alternative Antriebe und zukunftsfähige Elektromobilität."

Formel E in Berlin 2024
Die Formel E gastiert seit 2015 jährlich in Berlin, wie hier in Tempelhof, Foto: IMAGO/PsnewZ

Pro DTM: Autos fahren mit klimafreundlichem Synthetik-Sprit

Ein wichtiger Pluspunkt für die DTM: Seit dieser Saison fahren alle rund 550 PS starken GT3-Rennwagen mit 100 Prozent nachhaltigem, klimafreundlichen Kraftstoff. Der synthetische Sprit soll deutlich zur Reduzierung der CO2-Emmissionen beitragen. Weitere Initiativen wie nachhaltige Pirelli-Rennreifen mit einer Naturkautschukkomponente und der Verzicht auf Plastikflaschen an der Rennstrecke tragen zum Umweltschutz bei.

Die DTM und Berlin, das hat jedenfalls Tradition: Bis 1995 gastierte die Tourenwagenserie auf der berühmten Avus, bevor der Stadtkurs für Autorennen geschlossen wurde. Und Flugplatzkurse gehören ebenso zur Geschichte der 1984 gegründeten DTM: Man denke nur an Diepholz, Wunstorf und Mainz-Finthen oder Flugplatz-Strecken wie Kassel-Calden oder Zweibrücken, auf denen früher ebenfalls Tourenwagen ihre Rennen austrugen.

Stadt- und Flugplatzkurse haben Tradition in der langen DTM-Geschichte, Foto: Mercedes-Benz
Stadt- und Flugplatzkurse haben Tradition in der langen DTM-Geschichte, Foto: Mercedes-Benz

Voss schließt Rückkehr zu Flugplatz-Rennen nicht aus

Motorsport-Magazin.com traf am Sonntagmorgen auf dem Norisring-Stadtkurs den ADAC-Motorsportchef und DTM-Verantwortlichen Thomas Voss zum exklusiven Interview. Unter anderem ging es um die Rennkalender-Planungen für die Saison 2026, die längst in vollem Gange sind. Dabei kam auch das Thema 'Flugplatz-Kurse' auf den Tisch.

Voss: "Ich würde nicht sagen, dass das kein Thema ist. Aber der Aufwand, den Norisring so zu errichten, wie die DTM es braucht und die Fans es erwarten können, ist dreimal so groß wie auf anderen Strecken. Es macht hier in Nürnberg wegen der vielen Zuschauer Sinn mit Blick auf den Return on Investment. Wenn das woanders auch möglich ist - Berlin zeigt es mit der Formel E in Tempelhof - dann würde ich so etwas nicht ausschließen."

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Volles Haus am Norisring: 112.000 Zuschauer kamen zur DTM, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

DTM-Kalender 2026: Eher keine zusätzlichen Rennen

Wichtig für Voss: Bei den DTM-Events sollen die Tribünen möglichst voll sein. "Wenn das nicht möglich ist, lasse ich es lieber sein", sagte der ADAC-Motorsportchef mit Blick auf frühere Rennen wie in Portimao oder Misano vor leeren Rängen. Die aktuelle Tendenz stimmt den DTM-Promoter ADAC zuversichtlich: Auf so ziemlich allen Rennstrecken steigen die Zuschauerzahlen kontinuierlich an. Attraktive Ticketpreise und kostenfreier Eintritt für Kinder sowie Jugendliche zeigen Wirkung.

In der DTM-Saison 2025 stehen acht Rennwochenenden mit 16 Läufen auf dem Plan. Nach dem Norisring ist schon Halbzeit. Viele Fans würden sich eine Ausweitung des Kalenders wünschen, doch das kollidiert mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ohne weitere Unterstützung der Hersteller sind die Mehrkosten zusätzlicher Rennen für viele Kundenteams nur schwer zu stemmen.

Zumindest für die kommende Saison ging Voss eher nicht von einem zusätzlichen Rennwochenende aus, es bleibt wohl bei acht Veranstaltungen: "Das kann ich mir für 2026 nicht vorstellen. Die Delle in der Autoindustrie ist gerade da, und das spüren auch alle Hersteller im Motorsport. Es wäre fatal, jetzt nicht darauf zu reagieren. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann man etwas macht. Das Ziel bleibt, mehr Veranstaltungen in der DTM zu haben. Ich glaube aber, dass 2026 der falsche Zeitpunkt ist."

In der DTM-Saison 2025 ist Halbzeit nach dem Norisring-Rennwochenende. Hier findet ihr die aktuelle Gesamtwertung auf einen Blick: