Formel 1

Formel 1, Ferrari nach Spa-Beweis: In Monza ohne Zweifel stark

Charles Leclerc hat in Spa den erlösenden ersten Ferrari-Sieg 2019 geholt. Für das Heimrennen in Monza erklärt sich die Scuderia nun fast schon zum Favorit.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Understatement. Kaum jemand hat es so gut perfektioniert wie Mercedes. Allen voran Teamchef Toto Wolff. Der Österreicher gilt weithin als einer der größten Tiefstapler im Formel-1-Paddock. Neuestes Beispiel: Die Mercedes-Vorschau auf das nächste F1-Rennen am Wochenende in Monza.

"Wir sind in Italien nicht die Favoriten, aber wir werden unser Bestes geben, um die Roten an diesem Wochenende zu fordern", wird Wolff in der Mercedes-Aussendung zitiert. In diesem Fall jedoch ist es ein berechtigtes Tiefstapeln, kein reines Starkreden der Konkurrenz, was sonst oft überwiegen mag. Hintergrund: Spätestens der Sieg Charles Leclercs in Spa hat gezeigt, dass mit Ferrari auf Highspeedkursen nach wie vor zu rechnen ist.

Ferrari bestätigte leichte Favoritenrolle in Spa

Schon vor dem Belgien GP galt Ferrari deshalb für einen Großteil der Experten als Favorit, doch einige - etwa Motorsport-Magazin.com Technikexperte - mahnten dennoch noch vor Mercedes. Tatsächlich sahen die Silberpfeile in Spa-Francorchamps so schlecht nicht einmal aus. Zumindest im Renntrimm waren die Silberpfeile ein Ferrari voll gewachsener Gegner.

Einzig im Qualifying war Ferrari unschlagbar. Im Zeittraining geht es immerhin weit weniger darum, die Reifen am Leben zu halten. Im Rennen sehr viel mehr. Hier profitierte Mercedes durch den gegenüber dem SF90 besseren Abtrieb des W10. So rutscht ein F1-Bolide weniger, arbeitet die Reifen folglich langsamer herunter. Dennoch: Es reichte für Ferrari. Zumindest mit einem Auto. Leclercs Sieg ging ein Stückweit zulasten Vettels, den Ferrari ab einem gewissen Punkt als Abschirmdienst einsetzte. Mit Erfolg. Ein Sieg des Teams also.

Ferrari-Teamchef: In Monza ohne Zweifel konkurrenzfähig

Das reicht jedoch, um Ferrari neues Selbstvertrauen zu spendieren. Vor Spa wies die Scuderia die Favoritenrolle noch zurück. Vor Monza erklärt sich Ferrari nun zwar nicht gleich zum Favoriten, stellt sich jedoch auch nicht mehr dagegen. Die Tendenz geht in die andere Richtung.

"Da Monza eine der Strecken ist, auf der Leistung mit am meisten zählt, und wir bewiesen haben, dass unser Paket hier in Spa konkurrenzfähig ist, können wir ganz bestimmt erwarten, auch in Monza konkurrenzfähig zu sein - kein Zweifel", so Teamchef Mattia Binotto am Sonntag in Spa.

Kann Mercedes in Monza im Rennen weniger kompensieren?

Noch dazu habe Ferrari für Monza einen weiteren Schritt geplant, sagt Binotto, meint damit nicht einmal das für den Italien GP vorgesehene dritte Update der Power Unit. "Wir haben einige Low-Downforce-Pakete entwickelt, ein Teil davon wurde hier in Spa benutzt", so Binotto, relativiert aber: "Wir wissen allerdings nicht, was die anderen für Monza vorbereitet haben. Das ist ein Fragezeichen."

Grundsätzlich wisse Ferrari aber natürlich auch um seine Stärke auf den Geraden. "Nach Spa kann ich deshalb sagen, dass wir auch in Monza konkurrenzfähig sein sollten", so Binotto. Helfend hinzukommt, dass Mercedes im Königlichen Park seinen Nachteil auf den Geraden noch schlechter kompensieren kann. In Spa gab es dafür immerhin den Mittelsektor, der Ferrari vor allem im Rennen kostete, wie eingangs beschrieben. Doch in Monza ist Abtrieb noch unwichtiger. Im Grunde geht es nur um Traktion und Topspeed.

Lewis Hamilton erwartet fröhliches Heimrennen für Ferrari

Besonders um letzteren. Ferraris Vorteil auf den Geraden war bereits in Spa astronomisch. Deshalb zittert Mercedes nun vor Monza umso mehr. "Die Ferrari waren auf den Geraden einfach zu schnell. Sehr, sehr hart, da mitzuhalten", sagt Lewis Hamilton. "Und es sind ja alles Geraden [in Monza] ... also sollte es ein fröhliches Wochenende für Ferrari werden", fürchtet der Brite.

"Das ist zumindest höchstwahrscheinlich. Ich meine ... dieses Wochenende haben wir im Qualifying da über eine Sekunde pro Runde verloren. Da können Valtteri und ich also nicht viel tun. Und viele Kurven, um das wieder herauszuholen gibt es dort nicht."

Hamilton: Mercedes braucht drastisch besseren Topspeed

Hamiltons fast schon letzte Hoffnung: im Grunde ein Wunder. "In den nächsten Tagen müssen wir einige drastische Verbesserungen unseres Speeds auf den Geraden vornehmen. Ich weiß nicht, ob das möglich ist - aber falls es jemand schaffen kann, dann ist es unser Team", sagt Hamilton. "Wir werden unser Bestes geben."

Charles Leclerc spricht über seinen ersten Formel-1-Sieg: (00:55 Min.)

Völlig abgeschrieben hat der Weltmeister Monza dennoch nicht. "Wir haben einen etwas besseren Abbau als sie", verweist Hamilton auf die Mercedes-Vorteile beim Reifenmanagement. Auch wenn diese in Monza weniger ins Gewicht fallen, klammert sich auch Toto Wolff daran.

Wolff glaubt nicht an Wunder: 15 km/h fünf Tagen nicht zu finden

"Wir haben jedoch beobachten können, dass Ferrari auf den High-Speed-Strecken am Samstag besonders stark ist, aber am Sonntag nicht ganz so gut aussieht - und erst dann werden die Punkte vergeben", sagt der Teamchef. Generell bleibt es für den Wiener jedoch ganz klar bei Favorit Ferrari.

"Ich denke nicht, dass wir innerhalb der nächsten 15 km/h finden können", sagt Wolff. "Monza ist 'die' Power-Strecke in der Formel 1, auf der viel Leistung und wenig Luftwiderstand belohnt werden. Während wir in dieser Saison bislang das schnellste Gesamtpaket im Feld hatten, ist dieses nicht ideal für eine Strecke, auf der die Geschwindigkeit auf den Geraden den größten Performance-Faktor darstellt."

Wolff: Weiß jetzt, wie sich Red Bull 2014/15 fühlte …

Eine Absage an das von Hamilton erhoffte Mercedes-Wunder also. "Aber so ist es jetzt eben, keine Klagen. […] Ich weiß jetzt aber ein wenig, wie sich Red Bull 2014 und 2015 fühlte, wenn du auf den Geraden hinterher bist", sagt Wolff. "Wir müssen uns einfach bestmöglich für Monza vorbereiten. Auch wenn wir wissen, dass es eine Strecke ist, die uns nicht liegen wird, sondern Ferrari bevorzugt, werden wir unseren besten Job liefern."

Im Vorjahr rang Hamilton den Ferrari von Räikkönen in Monza nieder - Foto: Sutton

Eine Mentalität, mit der auch Valtteri Bottas seine Reise nach Italien angeht. "Sie werden dort schnell sein", sagt der Finne. "Aber vergangenes Jahr waren sie auch schnell, doch haben wir es trotzdem geschafft, ihnen das Leben ziemlich schwer zu machen. Ich denke, das ist, warum wir auf dem Podium ausgebuht wurden und alles. Wir versuchen, dasselbe wieder zu tun!"


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