Formel 1

Formel 1, Räikkönen-Chef poltert: Verstappen sehr optimistisch

Alfa-Romeo-Teamchef Frédéric Vasseur kritisiert Max Verstappen für Startunfall in Spa mit Kimi Räikkönen. Antonio Giovinazzi entschuldigt sich für Crash.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - "Es war ein Nachmittag zum Vergessen", resümiert Frédéric Vasseur einen frustrierenden Belgien GP in Spa-Francorchamps für Alfa Romeo Racing. Als wäre das Bedauern um den tragischen Todesfall Anthoine Huberts und die schwere Verletzung des Sauber-Juniors Juan Manuel Correa an diesem Wochenende nicht schon Tiefpunkt genug gewesen, lief es für die Hinwiler Sauber-Truppe des Franzosen auch sportlich alles andere als nach Plan.

Die erste und die vorletzte Rennrunde sorgten dafür, dass Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi statt einer erwartet ordentlichen Punkteausbeute komplett leerausgingen. Im Fall des Finnen waren alle Chancen bereits in Kurve eins Geschichte. Räikkönen hatte einen guten Start erwischt, lenkte gerade ganz innen von La Source ein als ihn Max Verstappen hinten rechts erwischte. Den C38 hebelte es gewaltig aus, fast im 90-Grad-Winkel zur Strecke stand der Bolide in der Luft. Bei der Landung splitterten überall Teile weg.

Kimi Räikkönen: Weiterfahren nach Unfall eigentlich sinnlos

"Kimis Rennen war nach nur wenigen hundert Metern nach dem Start vorbei als er von Max Verstappen durch ein sehr optimistisches Manöver getroffen wurde", kritisiert Teamchef Vasseur den Niederländer. Anders als Verstappens Rennen, das mit einer gebrochenen Aufhängung in den Reifenstapeln von Eau Rouge tatsächlich komplett beendet war, fuhr Räikkönen allerdings weiter und beendete den Grand Prix sogar.

Das geschah allerdings mit einem hoffnungslos beschädigten Boliden. Gleich zwei Mal in Folge kam der Finne deshalb im durch Verstappen ausgelösten Safety Car zum Reparaturstopp, wurde so nach hinten durchgereicht. Eine Aufholjagd war unmöglich. "Ich hatte jede Menge Schaden. Wir sind noch weitergefahren, falls irgendwas Seltsames passiert wäre. Aber nach dem Crash war es eigentlich sinnlos, noch da draußen zu bleiben", schildert Räikkönen.

Räikkönen: Erst Schimpftirade am Funk, dann Verständnis

Vor allem der Unterboden sei hinüber gewesen. 20 Punkte Abtrieb habe er laut Einschätzung seiner Ingenieure verloren, so der Finne. "Es ist echt schade. Das Auto wäre gut gewesen, aber was willst du machen?", hadert Räikkönen.

Nach seiner im ersten Moment wüsten Schimpftirade am Boxenfunk – 'Idioten!' war noch eines der netteren Wörter - gab sich der Finne nach dem Rennen weitaus milder über den Auslöser des Unfalls selbst, zeigte anders als Teamchef Vasseur sogar Verständnis.

"Ich hatte einen tollen Start, bin nach innen gezogen und musste dann stark verzögern und die Kurve sehr eng fahren, weil der Mercedes von Bottas vor mir sehr langsam wurde und eine enge Linie wählte. Gerade als ich dachte, dass es passt, war ich plötzlich schon getroffen und auf zwei Rädern", schildert Räikkönen zunächst seine Sicht.

"Ich weiß nicht, was da passiert ist. Aber in so engen Kurven gibt es immer ein Problem. Du musst da sehr verlangsamen und für alle dahinter wird der Effekt immer größer, sodass es schwierig ist, da zu reagieren." Gesehen hatte der Finne den Start in der Wiederholung zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Horner scherzt nach Replay von 2016: Kimis toter Winkel?

Die Rennleitung ließ unterdessen wissen, die Szene sei durchaus zumindest angesehen worden. "Wir haben es angesehen, aber es wurde so bewertet, dass es buchstäblich Kurve eins, Runde eins, Rennzwischenfall war. Daher no further action", so Rennleiter Michael Masi in seinem Pressebriefing am Sonntagabend.

Aus dem Red-Bull-Lager kam dieselbe Einschätzung. Verstappen machte niemandem einen Vorwurf, sprach ebenfalls von einem Racing Incident. Teamchef Christian Horner bestätigte diese Aussage und scherzte über eine nahezu idente Szene vor drei Jahren: "Es war nahezu ein Replay des Vorfalls mit Kimi hier aus 2016. Vielleicht ist es ein toter Winkel für Kimi!"

Antonio Giovinazzi wirft Punkte weg: Entschuldigung

Zurück zu Alfa und Teil zwei des Ärgers: Trotz seiner Strafversetzung durch einen Motorwechsel ans Ende der Startaufstellung schien Antonio Giovinazzi bis kurz vor Rennende drauf und dran, doch noch ein paar Alfa-Kohlen aus dem Feuer zu holen. Bis zur vorletzten Rennrunde zumindest.

Doch in der schnellen Linkskurve Pouhon geriet der Italiener zu weit nach außen, auf den Kerb und verlor so die Kontrolle über seinen Boliden. Giovinazzi drehte sich weg und schlug in die Streckenbegrenzung ein. Die Folge: Ausfall und Nullnummer statt bestes F1-Ergebnis mit vier Punkten für Platz acht.

"Mit dem Unfall hat er ein paar gute Punkte liegen lassen", klagt Teamchef Vasseur. Das legt bereits nahe, was zunächst nicht ganz klar war: Es handelte sich um einen schlichten Fahrfehler. Das bestätigt auch Giovinazzi selbst mit einer Entschuldigung bei seinem Team. "Am traurigsten Tag einer meiner schlechtesten Moment", so Giovinazzi.

"Ich entschuldige mich bei dem Team und den Fans dafür. Das Auto war heute richtig stark, deshalb ist es nur noch enttäuschender, das Rennen durch einen Unfall in der letzten Runde [tatsächlich die vorletzte, Giovinazzi war noch nicht überrundet, Anm. d. Red.] nicht zu beenden. [..] Aber ich denke, das gehört zum Racing dazu." Für Alfa Romeo also ein bitterer Tiefpunkt ausgerechnet vor dem Heimrennen in Italien. Giovinazzi: "Jetzt müssen wir geschlossen zusammenstehen, um in Monza das bestmögliche Resultat zu holen."


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