Formel 1

Formel 1, Brawn: Ferrari in Ungarn noch schwächer als gedacht

Sebastian Vettel und Charles Leclerc verloren im Formel-1-Rennen in Ungarn eine Minute auf Sieger Lewis Hamilton. Ross Brawn kritisiert Ferrari-Schwäche.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Das ehemalige 'Superhirn' Michael Schumachers am Ferrari-Kommandostand, Ross Brawn, hat die Scuderia für ihre Performance am vergangenen Rennwochenende der Formel 1 in Ungarn scharf kritisiert.

"Es war ein schwieriges Wochenende für Ferrari, auch wenn Sebastian Vettel und Charles Leclerc auf den Plätzen drei und vier landeten", schreibt Brawn, heute Sportchef der F1 selbst, in seiner üblichen Nachbetrachtung des aktuellen Grand Prix. "Mehr als eine Minute nach dem Sieger ins Ziel zu kommen [61,4 Sekunden waren es bei Vettel, 65,2 bei Leclerc], ist eine zu große Lücke für das Team."

Brawn: Ferrari-Probleme in Ungarn abzusehen, Ausmaß zu groß

Das gelte selbst vor dem Hintergrund einer auf dem winkligen Hungaroring geringen Erwartungshaltung. "Man wusste wegen der Charakteristik der Strecke, dass dieses Rennen dem Auto von Ferrari nicht liegen würde", sagt Brawn, "Aber nicht in dem Ausmaß, das wir gesehen haben, vor allem im Rennen", kritisiert der Brite.

"Die Zeiten im dritten Sektor, in dem man maximalen Abtrieb braucht, sprechen Bände. Das Auto war so weit weg von der Pace des Mercedes und der Red Bull", analysiert Brawn. Blickt man auf die besten Zeiten je Sektor bestätigt das diese Aussage deutlich. Fast acht Zehntel fehlten Vettel auf die Bestzeit des Rennens in Sektor drei von Max Verstappen, bei Leclerc waren noch zwei Zehntel Rückstand mehr. Nahezu dieselben Deltas gelten in Relation zu Hamilton.

Ferrari nur im ersten Sektor dabei

Zum Vergleich: Im ersten Sektor klaffte eine Lücke von vier (Vettel) respektive sieben (Leclerc) Zehnteln. An Hamilton war Vettel in diesem Streckenabschnitt gar bis auf eine Zehntel dran.

Formel 1 Ungarn 2019: Top-10 Bestzeiten je Sektor

Sektor 1 Fahrer Zeit
VERSTAPPEN 28,216
HAMILTON 28,482
STROLL 28,553
VETTEL 28,594
BOTTAS 28,600
NORRIS 28,862
LECLERC 28,870
GASLY 28,959
RICCIARDO 28,999
SAINZ 29,051
Sektor 2 Fahrer Zeit
VERSTAPPEN 27,124
HAMILTON 27,638
BOTTAS 28,225
VETTEL 28,502
GASLY 28,623
LECLERC 28,633
RÄIKKÖNEN 28,759
ALBON 28,809
SAINZ 28,928
MAGNUSSEN 28,960
Sektor 3 Fahrer Zeit
VERSTAPPEN 21,763
HAMILTON 21,831
BOTTAS 22,400
GASLY 22,447
VETTEL 22,525
ALBON 22,666
RICCIARDO 22,678
LECLERC 22,733
RÄIKKÖNEN 22,752
SAINZ 22,783

Allerdings ist dieses Ausmaß mit großer Vorsicht zu genießen. Ein Faktor verzerrt drastisch: Max Verstappens Wechsel auf Soft drei Runden vor Schluss für die Jagd auf die schnellste Rennrunde und den lockenden Bonuspunkt.

Verstappens FL-Jagd auf Soft verzerrt das Bild

Wie groß dieser Vorteil tatsächlich war verdeutlicht einerseits der neue Rundenrekord, andererseits die Zeit im zweiten Sektor. Dort war Verstappen plötzlich gar 1,4 Sekunden schneller als Ferrari. Gleichzeitig zahlen sich besonders in diesem flüssigen Abschnitt mittelschneller Kurven frische Reifen ganz besonders aus. So war Verstappen hier auch 0,5 Sekunden schneller als Hamilton. In S1 und S3 fällt der Vorteil frischer Pneus geringer aus, führt dennoch zur einer Überbetonung des schlechten Ferrari-Bilds in dieser Statistik.

Der am Ende riesige Rückstand im Ziel ist dennoch mehr als Beleg genug dafür, dass Ferrari in Ungarn nicht im Ansatz Schritt zu halten wusste. Sebastian Vettels schlechte Laune trotz eines noch spät errungenen Podiums im teaminternen Duell gegen Charles Leclerc nach dem Rennen tut ihr Übriges.

Sebastian Vettel: Ferrari hat auf die Mütze bekommen

"Wir konnten die Pace der anderen das ganze Wochenende nicht gehen. Da haben wir viel Arbeit vor uns", sagte Vettel. "Es hat nicht gereicht, wir haben heute eins auf die Mütze bekommen. Das schmerzt. Am Anfang haben wir nur Glück gehabt, dass Valtteri Probleme hatte und den Flügel verloren hat. Sonst hätte es mit dem Podium nicht geklappt."

Trotz des Abschieds auf einem Tiefpunkt in die Sommerpause glaubt Brawn, dass diese jetzt zum genau richtigen Zeitpunkt für Ferrari kommt. "Weil ich genau weiß, wie sich der Druck auf Ferrari aufbauen kann, wenn die Dinge nicht gut laufen", erklärt Brawn. "Da schadet es nicht, eine Verschnaufpause einzulegen und die Batterien wieder aufzuladen."

Brawn: Ferrari muss jetzt durchschnaufen, dann dringend siegen

Zumal Ferrari unmittelbar nach der Sommerpause gleich einmal mit einer Wiedergutmachung starten könnte. "Wenn es dann wieder mit Racing losgeht könnten die aerodynamischen Erfordernisse von Spa und Monza Vettel und Leclerc wieder in den Kampf bringen, denkt man nur an die Aero-Effizienz ihrer Autos", erinnert Brawn.

Tatsächlich blickten die beiden Ferrari-Piloten dem bereits selbst freudig entgegen während die Konkurrenz schon warnte. Für Brawn muss Ferrari diese beiden Gelegenheiten dann allerdings auch unbedingt nutzen. "Ferrari braucht dringend einen Sieg. Nicht so sehr für seine Meisterschaftsambitionen, sondern als Schub für die Moral", sagt Brawn.

"Um zu beweisen, dass es das Potenzial hat, ein WM-Anwärter zu sein. Eine Verpflichtung, unter der es schon immer stand."


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