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Formel 1 Rennanalyse Ungarn: Ferrari verhilft Hamilton zum Sieg

Lewis Hamilton rang bei der Formel 1 in Budapest Max Verstappen nieder. Wie Mercedes Red Bull Schachmatt setzte und wie die schwachen Ferraris dabei halfen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Ungarn GP war der nächste Kracher der Formel-1-Saison 2019. Obwohl es zunächst nach einem klassischen Budapest-Rennen aussah, entwickelte sich vor allem an der Spitze ein sensationeller Kampf zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton um den Sieg. Gleich in drei Phasen des Rennens trafen die beiden aufeinander, am Ende spielten Strategie und Kampf auf der Strecke zu gleichen Teilen ihre Rolle.

Am Ende der ersten Runde sah es zunächst nach einem Langweiler aus: Max Verstappen konnte seine Pole Position behaupten, Mercedes hatte zudem mit Valtteri Bottas das zweite heiße Eisen im Feuer verloren. Die Weichen schienen gestellt für eine entspannte Verstappen-Siegesfahrt.

Etwas stutzig machte bald, dass sich Verstappen nicht richtig von Hamilton absetzen konnte. Dass der Niederländer kein hohes Tempo vorlegte und seine Reifen verheizte, war klar. Aber dass er sich nie mehr als 2,5 Sekunden von Hamilton absetzen konnte, war auffällig.

Als die Boxenstopps auf dem Plan standen, konnte Hamilton die Lücke sogar noch etwas zufahren. Ab Runde 17 betrug der Rückstand des Mercedes-Piloten konstant weniger als zwei Sekunden. Von nun an war klar: Verstappen verwaltet nicht, sondern kämpft.

Ferrari bestimmt Verstappens Boxenstopp

Dann begann die erste heiße strategische Phase in Ungarn, weil sich das Boxenstoppfenster für eine Einstopp-Strategie öffnete. Einzig Charles Leclerc hielt Mercedes davon ab, den Undercut zu wagen. Während Verstappen und Hamilton in einer eigenen Liga fuhren, war Leclerc auf Platz drei bereits weit zurückgefallen. Aber noch nicht weit genug, um Hamilton einen Stopp zu erlauben, ohne hinter den Ferrari-Piloten zurückzufallen.

Lewis Hamilton jagte in Ungarn Max Verstappen - Foto: LAT Images

Weil Verstappen eine Sekunde vor Hamilton fuhr, öffnete sich das Fenster für Verstappen früher. Sobald Leclerc weit genug weg war, holte Red Bull den Niederländer rein. In Runde 25 wechselte er von Medium auf Hard.

Mercedes hatte dadurch zwei Optionen: Die erste Option wäre es gewesen, Hamilton gleichzeitig oder eine Runde später zu stoppen. Dann wäre der Brite aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wieder direkt hinter Verstappen rausgekommen und hätte wie schon im ersten Stint mit gleichen Mitteln kämpfen müssen.

Überrundungen Fluch und Segen für Verstappen

Daher entschloss sich Mercedes, zu warten, und so eine Offset-Strategie zu versuchen. Erst in Runde 31 wechselte der fünffache Formel-1-Weltmeister von Medium auf Hard. Dadurch wuchs der Abstand zwar von einer Sekunde vor den Stopps auf knapp sechs Sekunden, dafür hatte Hamilton nun den Vorteil frischerer Reifen.

Schon in der Outlap machte Hamilton wieder eine Sekunde gut. Zwei Runden später war er schon wieder in Verstappens DRS-Fenster. Verstappen kam erstmals richtig ins Schwitzen, konnte sich mehrere Runden nur retten, weil auch er durch Überrundungen DRS nutzen durfte.

Der Verkehr brachte aber auch Nachteile mit sich. "Ich konnte im zweiten Sektor aufgrund von Verkehr nicht meine normale Linie fahren, dadurch hat er aufgeholt", erklärt Verstappen. Nach fünf Runden Attacke schien Hamiltons Aufbäumen auch schon wieder vorbei zu sein.

Hamilton hatte das gesamte Wochenende schon mit Bremsproblemen zu kämpfen. Im Rennen rundenlang innerhalb von zwei Sekunden hinter Verstappen herzufahren bedeutete nur noch höhere Temperaturen, und verschlimmerte die Probleme. Auch die Motortemperaturen schossen in die Höhe. Als sich die Temperaturen wieder normalisierten, konnte Hamilton wieder Druck machen. Trotzdem: Für ein Überholmanöver reichte es nicht ganz.

Hamiltons Herausforderung: 21 Runden für 20 Sekunden

Und dann kam der ganz große Mercedes-Coup: In Runde 48, nur 17 Runden nach seinem Wechsel auf die harten Reifen, zogen sie den Strategie-Joker, holten Hamilton zum zweiten Stopp und steckten ihm Medium-Reifen auf. Durch den zusätzlichen Boxenstopp vergrößerte sich Hamiltons Rückstand von einer auf knapp 20 Sekunden, dafür hatte er aber nun freie Fahrt und frische Reifen.

Red Bull war damit schachmatt. Die Bullen konnten auf den Mercedes-Stopp nicht mehr reagieren. "Ihr Stopp war gut", ärgert sich Teamchef Christian Horner. Wäre Max Verstappen eine Runde später ebenfalls zum Stopp gekommen, hätte er seine Position schon an Hamilton verloren. Mercedes hätte erfolgreich eine Undercut-Situation provoziert und ausgeführt.

Red Bull hingegen konnte mit dem zweiten Stopp nicht zuvorkommen. "Wenn wir gestoppt hätten, hätten sie genau das Gegenteil gemacht", glaubt Horner. "Sie hatten aber einen Pace-Vorteil und außerdem noch sechs Runden frischere Reifen." Heißt: Während es Hamilton schaffte, die Lücke auf Verstappen nach einem zweiten Stopp zuzufahren, hätte Verstappen es umgekehrt nicht geschafft, nach einem zweiten Stopp Hamilton wieder abzufangen. Erstens, weil die Pace nicht da war und zweitens, weil Hamiltons Reifen nicht so stark eingegangen wären.

Überrundungen bremsen Hamilton ein

Auch wenn Hamilton nach seinem Stopp zunächst richtig Tempo machte - zwischenzeitlich sah es aus als hätte sich Mercedes bei der Strategie verzettelt. Während Verstappens Rundenzeit relativ konstant blieben, fuhr Hamilton plötzlich deutlich langsamer. Hatte er seine Reifen auf der Outlap zu hart strapaziert?

Von Runde 52 bis Runde 56 konnte der Mercedes-Pilot den Abstand von 16,02 Sekunden nur auf 15,47 Sekunden verringern. Mit dieser Rate wäre Hamilton niemals an Verstappen herangekommen. Danach ging es wieder rasant weiter: Pro Runde knabberte er mehr als eine Sekunde ab.

Was war zwischen Runde 52 und 56 los? Die Erklärung ist einfach: Verkehr. Sechs Autos musste Hamilton in dieser Phase des Rennens überrunden. Auf dem winkligen Hungaroring kosten Überrundungen besonders viel Zeit.

Als Hamilton wieder frei Fahrt hatte, fuhr er sofort eine Sekunde, anschließend sogar zwei Sekunden schneller als zuvor. Der Weltmeister legte Rundenrekord um Rundenrekord, erinnerte ein wenig an das Dreistopp-Qualifying-Rennen von Michael Schumacher auf dem Hungaroring 1998.

Gleichzeitig gingen Verstappens Reifen ab Runde 60 völlig ein. In Runde 64 verlor er 2,4 Sekunden auf seinen silbernen Verfolger. Vier Runden vor Rennende war der Niederländer dann fällig, konnte sich auf seinen abgefahrenen Reifen nicht mehr wehren. Als Trostpreis blieb ihm nach dem Verlust der Führung immerhin noch die schnellste Rennrunde. Als Hamilton vorbei war, konnte auch Verstappen noch einen Boxenstopp auf frische Reifen einlegen, ohne eine Position zu verlieren.

Schwache Konkurrenz ein Geschenk für Mercedes

So komisch es klingen mag: Ferraris schlechte Form in Ungarn half Mercedes. Sebastian Vettel beendete das Rennen auf Rang drei mit mehr als einer Minute Rückstand. Der große Rückstand erlaubte es Mercedes erst, Hamilton ohne Risiko zum zweiten Mal an die Box zu holen. Wären Vettel und Leclerc näher am Führungsduo dran gewesen, wäre der Brite beim Stopp hinter die beiden zurückgefallen und hätte sie auf der Strecke überholen müssen.

"Es ist frustrierend, dass kein anderer Fahrer involviert war", ärgert sich Horner. Besonders ärgerlich: Die Form von Pierre Gasly. Red Bulls zweiter Fahrer nahm sich schon mit einer schlechten Qualifying-Leistung aus dem Spiel, fiel am Start ins Mittelfeld zurück, und wurde schließlich sogar von Verstappen überrundet. Wäre der Franzose in Form, hätte er Hamilton aufhalten und Verstappen zum Sieg verhelfen können.


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