Formel 1

Formel 1 Ungarn - McLaren feiert: Sainz vor Red Bull, Mercedes

McLaren-Pilot Carlos Sainz fuhr in Ungarn ein perfektes Formel-1-Rennen. Schneller als Gasly - schneller als Ferrari? Lando Norris mit Boxen-Pech.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Carlos Sainz ist in der Formel 1 der Mann der Stunde. Zumindest im Mittelfeld, denn dort liefert der McLaren-Pilot seit mehreren Rennwochenenden mit unglaublicher Konstanz herausragende Rennen ab. Seine Leistungen gehen meist mangels Aufmerksamkeit unter, doch Sainz' Ergebnisse auf der Strecke sprechen eine klare Sprache.

Zuletzt fuhr Sainz mit dem McLaren zwei Mal in die Top fünf. In Deutschland noch mit etwas Glück, doch in Ungarn wehrte er das halbe Rennen lang Pierre Gasly im Red Bull ab. Auch Valtteri Bottas blieb hinter ihm. Nach dem Rennen sang er am Funk "Smooth Operator" - verdient. Keine Frage, McLaren hat sich endgültig als vierte Kraft im Formel-1-Feld etabliert. Pech nur, dass es nicht die durchaus möglichen Plätze fünf und sechs wurden. Lando Norris hatte Defekt-Pech beim einzigen Boxenstopp.

Ungarn-Euphorie bei McLaren: Erster Stint teils auf Ferrari-Level

"Dieser fünfte Platz schmeckt viel besser als der fünfte Platz von vor sieben Tagen!", jubelt Sainz nach dem Rennen. In Ungarn war McLaren an allen Tagen vorne dabei: Norris und Sainz sicherten eine orangefarbene vierte Startreihe ab, und am Start wurde es noch besser.

Beide Fahrer kassierten einen schlecht wegkommenden Pierre Gasly, und gingen dann auch am angeschlagenen Mercedes von Valtteri Bottas vorbei. In Runde fünf lag Sainz auf sechs, Norris auf sieben. "Den ersten Stint auf dem Soft habe ich dann in die Länge gezogen", sagt Sainz. Erfolgreich hielt er die Reifen am Leben, und gab den fünften Platz bis zur Zielankunft nicht mehr her.

Sainz und Norris fuhren beide fast 30 Runden auf dem Soft. "Am Funk sagten sie mir in den letzten fünf bis zehn Runden dieses ersten Stints, dass wir schneller als die Ferraris waren. Also war die Stimmung richtig gut", erinnert sich Sainz. Tatsächlich konnten beide McLaren am Ende des ersten Stints schneller als Charles Leclerc - der auch dann vor beiden McLaren an die Box kam.

Norris mit Platz neun nach Pech beim Boxenstopp

Während bei Sainz der Stopp reibungslos funktionierte, klemmte es bei Norris dann aber. "Ein Problem mit dem Schlagschrauber links hinten hat ihm zwei Plätze beim Stopp gekostet", erklärt Teamchef Andreas Seidl. "Und es hat ihn am Ende verwundbar gegenüber Bottas gemacht." Hätte Norris keine 6,98 Sekunden an der Box warten müssen, so wäre er hinter Sainz auf Platz sechs zurück auf die Strecke gekommen.

In der Frühphase lagen die McLaren eng beieinander - Foto: LAT Images

Das hätte dann wohl gereicht, um vor Bottas ins Ziel zu kommen. Denn die Aufholjagd des Mercedes endete schlussendlich hinter Kimi Räikkönen auf Platz acht. Für Norris blieb Platz neun. "Wir hatten gutes Potential, Carlos fuhr ein gutes Ergebnis ein, da war viel positiv, nur eines war negativ" sagt Norris. "Es war unser Fehler, hat uns eine bessere Position gekostet. Aber wir können trotzdem glücklich sein."

Sainz wehrt Gasly im Kampf um Platz fünf ab

Weiter vorne musste sich auch Sainz in der Schlussphase gegen ein Top-Auto wehren. "Gasly kam schnell von hinten an, aber ich konnte ihn abwehren", erinnert sich Sainz. Bis zum Rennende war Gasly in Schlagdistanz, kam aber nicht vorbei.

"Du konntest sehen, wie schnell er in den Kurven ist. Aber ich habe einfach keinen Fehler gemacht, das Auto gut platziert, und in Kurve eins konnte er nie eine Attacke reiten, das wäre zu riskant gewesen", sagt Sainz. "Ich konnte so vor einem Red Bull ins Ziel kommen, mit echter Pace." Diesen fünften Platz hat er sich nicht mit Safety-Car-Glück, oder mit Strategie-Glück erarbeitet. "Wenn du gute Pace hast, ist es immer einfach, so ein Auto hinter dir zu halten", freut er sich. "Ich bin sehr zufrieden. Strategie, Boxenstopp, alles."

McLaren von Ungarn überrascht: Werden überall immer besser

Damit verlässt McLaren Ungarn mit einem deutlichen Vorsprung im Mittelfeld. 82 Punkte haben sie, während Toro Rosso mit 43 und Renault mit 39 Punkten immer weiter in den Hintergrund treten. "An diesem Wochenende waren wir relativ überrascht", meint Sainz. "Wir wurden noch immer überrundet, daran müssen wir arbeiten, aber zugleich hat uns der erste Stint Hoffnung gegeben, dass wir die Top-Jungs einholen können."

Dass das 2019 nach der Sommerpause passieren wird, glaubt Sainz noch nicht. "Wir müssen sicherstellen, dass wir die richtigen Maßnahmen für das nächstjährige Auto treffen. Das ist das Ziel für die zweite Hälfte."

In der Fahrer-WM fehlen Sainz nach seinem letzten Top-fünf-Lauf außerdem nur mehr fünf Punkte auf den schwächelnden Pierre Gasly. "Ich glaube nicht, dass das halten wird", wehrt Sainz aber Chancen auf einen Top-sechs-Platz in der WM ab. "Aber es zeigt, wie konstant wir sind. Wie viele Punkte wir geholt haben. Unglaublich."


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