Formel 1

Formel 1, Silverstone: Grosjean erklärt chaotischen Boxen-Crash

Haas machte im Silverstone-Training auf der Suche nach Performance einen radikalen Schritt. Romain Grosjean mit kuriosem Unfall in der Boxengasse.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nachdem Haas vor dem Formel-1-Wochenende in Silverstone durch Titelsponsor Rich Energy und deren kontroverse Kommunikationspolitik in die Schlagzeilen geriet, lag der Fokus am Freitag wieder auf dem Wesentlichen - der Suche nach einem Weg aus der sportlichen Krise. In den Trainings setzte das Team beim VF-19 auf einen äußerst unorthodoxen Weg. Romain Grosjean legte ungeachtet dessen den nächsten Chaos-Freitag hin.

Im 1. Freien Training drehte sich der Franzose nach dem ersten Verlassen der Garage in der Boxenausfahrt und fuhr sich den Frontflügel ab. "Ich wurde vom geringen Grip überrascht und verlor das Auto einfach", erklärt Grosjean die kuriose Szene, die nur durch sein noch seltsameres aber unumgängliches Wendemanöver getoppt wurde.

Da in der engen Boxenausfahrt kein Platz für ein Wendemanöver war, fuhr Grosjean als Geisterfahrer zurück in die Boxengasse, um dort zu drehen: "Ich habe das Auto dann einfach umgedreht, es zurück an die Box gebracht und den Frontflügel wechseln lassen." Kurz darauf war er in Brooklands auf seiner ersten Runde noch einmal neben der Strecke.

Haas macht radikalen Schritt: Grosjean fährt vier Monate altes Auto

Wie viele Piloten an diesem Freitag hatte er mit dem neuen Asphalt zu kämpfen: "Auf meiner ersten Runde wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Der Grip war in den Kurven drei und vier fantastisch, also habe ich das in Kurve sechs (Brooklands) auch erwartet. Aber das war dann nicht der Fall. Es war ein kleiner Dreher, ich habe dann auch das Differential angepasst und die Runde darauf war es viel besser."

Glück im Unglück für den krisengebeutelten Grosjean, dass er im FP1 trotz allem noch 22 Runden zurücklegen konnte. Denn das Programm des Teams war an diesem Trainingstag ein äußerst ungewöhnliches. Haas baute den VF-19 von Grosjean zurück auf die Spezifikation, die beim Saisonauftakt in Melbourne gefahren wurde.

Der Schritt zurück zum Anfang erscheint in der ausweglosen Situation fast schon wie eine Verzweiflungstat. Doch das Ziel ist, von dem zu Saisonbeginn erfolgreichen Boliden zu lernen. "Das Gefühl im Auto ist sehr gut. Viel besser als zuletzt", bekräftigt Grosjean, dass die Eigenschaften des Ur-VF-19 auch vier Monate später noch zum Tragen kommen.

Grosjean langsam aber glücklich mit der Balance

"Wir müssen das analysieren und sicherstellen, dass wir dieses Gefühl auf das neue Paket übertragen können", erklärt er das Ziel des ganzen Unterfangens. Langfristig ist der Rückschritt auf die alte Spezifikation aber wohl keine Option, denn sein Abschneiden in den beiden Sessions war alles andere als überzeugend.

Im FP1 landete er als 19. gerade noch vor Robert Kubica im Williams, am Nachmittag war er als 18. ganze sieben Zehntel langsamer als Teamkollege Kevin Magnussen. "Es ging mehr darum, die Unterschiede zwischen den beiden Paketen von Kevin und mir zu bewerten und so viele Daten wie möglich zu sammeln", spielt Grosjean die Rundenzeiten herunter.

Dass er mit einem monatelangen Entwicklungsrückstand nicht konkurrenzfähig sein würde, hatte das Team auf dem Plan. "Die Performance ist nicht da, das konnten wir erwarten. Das Gefühl ist gut, aber es gibt Einschränkungen, von denen wir wussten. Eine davon ist der Wind. Es war heute sehr windig, da haben wir etwas den Preis gezahlt."

Grosjean: Longrun mit altem Haas-Boliden besser

Ein Schwachpunkt, der bei den Weiterentwicklungen erfolgreich ausgemerzt wurde: "Wir wissen, dass das Update für Barcelona was die Windempfindlichkeit angeht, sehr gut ist. Das war jetzt natürlich schwächer. Es war jetzt so wie in Bahrain oder China, als es windig war."

Der Zweck soll am Ende die Mittel heiligen: "Wir versuchen, alles zu verstehen, was wir während der Saison geändert haben. Für das Team ist es interessant, all die Daten anzuschauen und zu versuchen, zu verstehen, was das Gefühl der Fahrer darüber aussagt."

Einen positiven Aspekt hinsichtlich des Rennens konnte er dem Experiment am Ende sogar noch abgewinnen, nachdem dies zuletzt der große Schwachpunkt von Haas war. "Der Longrun war gut. Eigentlich viel besser als der Shortrun. Das ist positiv", so Grosjean.


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