Formel 1

Formel 1, Lewis Hamilton: Michael Schumacher bleibt der Größte

Lewis Hamilton pirscht sich mit seinem fünften F1-Titel an Michael Schumacher heran, egalisiert Fangio. Trotzdem: Der Weltmeister blickt noch zu ihnen auf.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton stößt mit seinem fünften WM-Titel in die absolute Elite der Formel 1 vor. Schon zuvor hatte er in der Liga der ganz großen mitgespielt. Durch den seit Mexiko finalen fünften Triumph lässt Hamilton jetzt aber die Sebastian Vettels und Alain Prosts hinter sich, regiert jetzt gemeinsam mit den zwei absoluten Legenden der F1-Geschichte die Statistikbücher.

Fünf WM-Titel. Das hatten zuvor nur Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher geschafft. "Ich bin seit ich 13 Jahre alt war bei Mercedes und es ist ein unglaubliches Gefühl, jetzt mit ihnen zu erreichen, was Fangio vor so vielen Jahren schon mit Mercedes geschafft hat. Das ist ein richtig unbeschreiblicher Moment", sagt Hamilton, völlig geflasht davon gerade Sportgeschichte geschrieben zu haben. Für Toto Wolff ist Hamilton deshalb schon jetzt - zu Lebzeiten bzw. aktiven Zeiten - eine Legende.

Wolff: Normalerweise preisen wir die Großen erst nah der Karriere

"Normalerweise preisen wir die Großen erst, wenn ihre Karrieren vorbei sind. Aber heute müssen wir uns einen Moment Zeit nehmen, um es anzuerkennen: Lewis hat mit den fünf Weltmeister-Titeln von Fangio gleichgezogen und es gibt nicht viele wie ihn!", sagt der Mercedes-Teamchef. "Ich habe ihn (Fangio, Anm. d. Red.) nie getroffen und nur über ihn gelesen. Aber ich denke (was Hamilton und Fangio eint, zu den Größten macht, Anm. d. Red.), ist die Fähigkeit, Talent mit harter Arbeit, Intellekt und emotionaler Intelligenz zu kombinieren. Alle großen Champions vereinen diese vier. Wenn nur eines davon fehlt kannst du noch immer ein toller Rennfahrer sein, aber nie diese Größe erreichen."

Hamilton spricht unterdessen von einer Ehre, jetzt von so vielen Leuten auf Fangio angesprochen zu werden, in einem Atemzug mit der Urlegende der Formel 1 genannt zu werden. Dass manch einer, Hamilton bereits jetzt als den GOAT bezeichnet, den Greatest Of All Times, den besten aller Zeiten, will der alte und neue Weltmeister jedoch nicht für sich beanspruchen.

Hamilton: Fangio der Godfather, Schumacher der Größte

"Nein, ich würde mich selbst nie als den Besten bezeichnen. Natürlich, in mir drin weiß ich um meine Fähigkeiten und wo ich stehe, aber letzten Endes ... Fangio ist der Godfather und wird es aus Fahrersicht auch immer sein. Was er getan hat so zu dieser Zeit zu tun, als alles so gefährlich war. Dafür ist mein Respekt vor ihm so groß. Ich fühle mich echt geehrt wenn mein Name neben seinem genannt wird. Ich bin echt stolz, dass der Name Hamilton jetzt auch da steht. Selbst wenn ich heute aufgehört hätte, würde der Name Hamilton immer da stehen", beschreibt Hamilton seine Gefühlslage.

Damit bestätigt er eine Einschätzung seines alten Teamkollegen Nico Rosberg. Der hatte per Youtube-Glückwunsch gemutmaßt, dass Hamilton Statistiken und Rekorde, ein Vermächtnis zu hinterlassen, sehr viel bedeuten. "Lewis jetzt mit fünf Titeln - echt unglaublich. Es war verrückt, es sich vorzustellen, aber mit Fangio gleichzuziehen ist einfach irre. Er kann jetzt ernsthaft Schumachers Rekorde angehen. Er hat noch zwei Jahre Vertrag und Schumi ist nur zwei Titel weg, 20 Siege weg, selbst das ist in zwei Jahren möglich. Es ist große Klasse. Er kann echt versuchen, statistisch der Beste aller Zeiten zu werden, was nicht real scheint, aber es ist möglich. Und ich bin sicher, dass ihn das motiviert", so Rosberg.

Nico Rosberg: Hamilton kann Schumacher-Rekorde brechen

Der Name Michael Schumacher und dessen Statistik löst bei Hamilton unterdessen nur noch mehr Respekt aus. Bis zum zumindest statistisch Größten aller Zeiten sei es noch ein weiter Weg, mahnt Hamilton. "Da ist noch immer Michael. Er ist noch immer recht weit vorne, was Siege angeht, also musst du einfach sagen, dass er noch immer der Größte aller Zeiten ist", sagt Hamilton, mit 71 Siegen tatsächlich exakt 20 hinter dem Rekordsieger der Formel 1 zurück.

Noch dazu komme das Schumacher-Vermächtnis. "Ich bin ja noch für ein paar Jahre hier, also hoffe ich, dass ich immerhin nah heran kommen kann. Aber Michael war auch solch ein Genie darin, wie er sich selbst bei Ferrari eingerichtet hat und was er mit diesem Team vollbracht hat. Und ja - ich werde immer ein Fan von ihm sein."

Hamilton: Ich bin Schumi-Fan - Weg zu Rekorden noch lang

In Sachen Attacke auf den Rekord bleibt Hamilton vorsichtig, denkt Schritt für Schritt. "Ich habe an diese Zahlen noch nicht groß gedacht, denn der Fokus lag eh erstmal darauf, diesen hier zu bekommen. Und selbst heute hätte ja noch so viel passieren können. Der Motor hätte hochgehen können, Sebastian gewinnen können, sodass wir bis zum nächsten Rennen hätten warten müssen", erinnert Hamilton. "Ich nehme also nicht als gegeben hin. Ich weiß nicht, ob ich die Chance haben werde, noch mehr zu gewinnen. Aber ich werde auf jeden Fall alles dafür geben."

Sehr ähnlich schätzt Toto Wolff die Lage ein. Er traut Hamilton den Sprung an die Spitze der Statistiken zu. "Ich denke, dass da noch mehr kommt", sagt er. "Aber warum er diesen fünften Titel jetzt gewonnen hat, ist, weil er sich immer auf den Job konzentriert hat, der in Sicht war und nicht zu weit nach vorne geschaut hat. Und vor dem siebten WM-Titel kommt immerhin noch ein sechster, den man gewinnen muss - und dafür haben wir noch keinen Punkt", so Wolff.

Hamilton & Wolff: Bei Mercedes kommt noch mehr

Dass es wenn, dann mit Mercedes passieren wird, da ist sich das kongeniale Duo Wolff/Hamilton ebenfalls einig. "Solange wir ihm ein Auto geben, das konkurrenzfähig ist und mit dem er die WM gewinnen kann, kann das eine Beziehung für die Ewigkeit sein", meint Wolff. "Und mit dieser Motivation kann er auch noch lange weitermachen. Wie bei Kimi. Da sehe ich auch noch lange keinen Feierabend."

Hamilton: "Ich spüre keinen Drang, zu einem anderen Team zu wechseln, um mit einem anderen Team einen Titel zu holen. Es ist meine Familie." In dieser Sache müsse er nichts beweisen. Immerhin habe er wie Schumacher seine WM-Titel auch in zwei verschiedenen Teams geholt. McLaren und eben Mercedes. "Wir haben es am Ende beide mit zwei Teams geschafft, nur dass er zwei verschiedene Power Units hatte. Oder sogar drei (Ford, Renault, Ferrari, Anm. d. Red.)", sagt Hamilton.

Einen umfassenden Statistk-Check Hamilton vs. Schumacher lesen Sie in Kürze auf Motorsport-Magazin.com.


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