Formel 1

Formel 1, Robert Kubica vor Comeback: Was erwarten die Leute?

Steht Robert Kubica vor einem Formel-1-Comeback? Schon in Monza könnte er im Cockpit sitzen. Motorsport-Magazin.com traf den Williams-Piloten zum Gespräch.
von Christian Menath

Der Transfermarkt der Formel 1 spielt derzeit verrückt. Daniel Ricciardo machte in der Sommerpause mit seinem überraschenden Wechsel zu Renault in der kommenden Saison den Anfang. Fernando Alonsos Rücktritt, Carlos Sainz' Wechsel zu McLaren und Pierre Gaslys Beförderung zu Toro Rosso folgten.

In der kurzen Pause zwischen Spa und Monza könnte sich das Fahrerkarussell noch schneller drehen. Denn in der Sommerpause wurden nicht nur Fahrerverträge unterschrieben, sondern auch Business-Verträge. Ein Konsortium rund um den Milliardär Lawrence Stroll erhielt den Zuschlag für das insolvente Force-India-Team.

Neben den ganzen finanziellen und politischen Folgen könnte die Übernahme auch noch gravierende Auswirkungen auf den Fahrermarkt haben. Denn Lawrence Stroll will seinen Sohn so schnell wie möglich von Williams zu Force India lotsen. Am liebsten eben schon in einer Woche in Monza.

Profitiert Kubica von Strolls Interessen?

Dafür müsste Esteban Ocon sein Force-India-Cockpit räumen. Das vakante Williams-Cockpit würde dann kein geringerer erhalten als Robert Kubica. Der Pole ist derzeit Williams' Ersatzfahrer, reist zu allen Rennen mit. Nach seinem schweren Rallye-Unfall kämpfte er sich sechs Jahre lang zurück, um im vergangenen Jahr ein Formel-1-Comeback zu versuchen. Erst mit Renault, dann mit Williams.

Erst waren es nur private Testfahrten, dann ein offizieller Test mit den aktuellen Autos. Bei Williams nimmt Kubica nun schon an Trainingssitzungen teil. Motorsport-Magazin.com traf sich mit dem Polen in Spa und sprach mit ihm über seine Comeback-Chancen.

"Ich versuche meine Gelegenheit zu maximieren und was meine Arbeit angeht, bin ich happy. Aber es ist kompliziert", so Kubica. "Was kann ich noch mehr machen? Viel hängt davon ab, was die Leute erwarten."

Robert Kubica im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com-Redakteur Christian Menath - Foto: Sutton

"Wenn die Leute erwarten, dass ich alle vier Monate fahre und die Pace der Stammfahrer, die talentiert sind und jede Woche im Auto sitzen, gehen kann oder sogar eine halbe Sekunde schneller bin... Nimm' einfach einen Tennisspieler und lasse ihn sechs Jahre seinen Sport nicht machen. Dann gibst du ihm eine Stunde Training bevor er ein Finale gegen Nadal spielen muss. Er kann noch immer gewinnen, aber es ist eine schwierige Herausforderung."

"In der Formel 1 ist keine Zeit für Gefühlsduseleien. Es ist ein hartes Geschäft", stellt Kubica klar. Er selbst zweifelt aber nicht (mehr) an seinen eigenen Fähigkeiten: "Ich denke, wir müssen die Situation realistisch betrachten. Für mich weiß ich, wozu ich in der Lage bin. Wenn ich von jetzt an fahre, kann es nur besser werden und schon jetzt ist es für mich ein akzeptabler Level."

Ocon zu McLaren, Vandoorne raus oder zu Sauber?

Kommt es tatsächlich schon in Monza zum Kubica-Comeback, sitzt damit vorerst Esteban Ocon auf der Straße. Jener Esteban Ocon, der in Spa sensationell auf Startplatz drei fuhr. Im Formel-1-Fahrerlager gibt es Unverständnis darüber, dass der als extrem talentierte Franzose um sein Cockpit zittern muss.

Aber auch Perez hat das Paydriver-Etikett längst abgelegt. Bei Force India muss aber ein Fahrer gehen, weil Stroll früher oder später kommen wird. Dabei hatte Ocon im Gegensatz zu Perez schon einen gültigen Vertrag für 2019. Die Verträge der 405 Angestellten wurden zwar von der alten in die neue Firma eins zu eins transferiert, nicht aber die Verträge der Fahrer. Sergio Perez hat sein Cockpit sicher, er rettete das Team, indem er die kontrollierte Insolvenz ins Rollen brachte.

Esteban Ocon hat ein gutes Standing bei seinen Fahrer-Kollegen - Foto: Sutton

Aber es gibt noch Hoffnung für Ocon. Es ist ein offenes Geheimnis im Fahrerlager, dass der Franzose bereits zur Sitzanpassung bei McLaren in Woking war. McLaren würde, sollte der Cockpit-Stein ins Rollen kommen, nehmen. Dafür müsste man aber Stoffel Vandoorne los werden. Der Belgier hat aber einen gültigen Vertrag.

McLaren Teammanager Gil de Ferran schließt öffentlich aus, dass Vandoorne noch in dieser Saison McLaren verlassen wird. Kurios: Seine Tochter ist mit dem Belgier liiert. De Ferran bestreitet allerdings auch nicht, dass Ocon schon zur Sitzanpassung war.

Im Fahrerlager meldet man ebenfalls, dass Vandoorne bei Sauber am Drücker sei. Sein Manager ist kein geringerer als Nicolas Todt. Mit dem gründete einst Sauber Teamchef Frederic Vasseur das Team ART, für das Vandoorne die GP2-Meisterschaft einst überlegen gewann.

Das gesamte Exklusiv-Interview mit Robert Kubica gibt es übrigens in der nächsten Woche auf Motorsport-Magazin.com zu lesen.


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