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Formel 1 Spa 2018: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen heute

Heute steht in Belgien eines der beliebtesten Formel-1-Rennen überhaupt auf dem Programm: Spa. Startaufstellung verheißt Action. Die Schlüsselfaktoren.
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Es ist schon wieder passiert: Trotz Ferrari-Überlegenheit (alle Bestzeiten von FP1 bis Q2) hat Lewis Hamilton in Q3 zu gestochen, auch in der Startaufstellung für den Belgien GP 2018 der Formel 1 in Spa (heute live im TV bei RTL, im Livestram F1 TV Pro und Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com) die Pole Position ergattert. Direkt neben dem Mercedes-Star startet jedoch sein großer WM-Rivale Sebastian Vettel.

Doch direkt dahinter gehen die Kuriositäten richtig los. In einem chaotischen Qualifying bei leichtem Regen spülte es sensationell das neue Racing Point Force India geschlossen in die zweite Startreihe. Esteban Ocon geht vor Sergio Perez ins Rennen. Die nächste Überraschung folgt sogleich: Romain Grosjean auf P5 vor Kimi Räikkönen, der im Qualifying durch einen strategischen Fehlgriff Ferraris alle Chancen einbüßte.

Noch schlechter lief es für Red Bull Racing. Wieder - wie in Ungarn - ging trotz Regen nichts. Max Verstappen und Daniel Ricciardo bleibt nur Reihe vier. Kevin Magnussen und Pierre Gasly komplettieren die Top-10 der Startaufstellung. Ganz von hinten ins Rennen starten wegen Motorenwechsel über dem erlaubten Maß Valtteri Bottas und Nico Hülkenberg, sodass sich Williams und McLaren trotz erneut schwacher Leistungen dieser Schmach entledigen.

2. - S wie Start

271 Meter. Auch wenn Spa die längste Strecke von allen im Rennkalender der Formel 1 ist. Der Weg bis zur ersten Kurve, der berühmten La Source, ist extrem kurz. Und gefährlich: "Die erste Kurve ist hier meist nicht sehr sauber, sodass du umso mehr Risiko am Start hast, je weiter weg du von der Spitze bist", weiß Kimi Räikkönen, hadert deshalb umso mehr mit seinem Pech im Qualifying.

Man denke nur an 2016 als der Finne in der Spitzkehre mit Max Verstappen und Sebastian Vettel aneinandergeriet. Mit Romain Grosjean steht dieses Mal ein nur noch gefährlicherer Mann direkt daneben - dessen wahnsinniger Crash mit Fernando Alonso an eben dieser Stelle 2012 zählt noch immer so den berühmtesten Startunfällen überhaupt.

Unfallgefahr ist in Belgien jedoch längst nicht der einzige Faktor, sondern auch Windschatten. Wer den Start selbst verliert kann deshalb trotzdem der große Gewinner sein. Von La Source bis Ende der Kemmel-Gerade geht es über Eau Rouge inzwischen mehr als einen Kilometer Vollgas geradeaus. Perfekte Bedingungen also, um sich an den Vordermann heran zu saugen und vorbeizuziehen. "Es wird ein hartes Rennen nach dem Start bis Kurve fünf. Die Jungs sind auf den Geraden unglaublich schnell", fürchtet Hamilton Ferrari auf dem ersten Run auf Les Combes.

3. - S wie Strategie

Bei nur 44 Rennrunden sollte das Thema Strategie ein Leichtes sein. Ist es aber nicht. Denn mehr als einen Boxenstopp könnte der Belgien GP tatsächlich dennoch erfordern. Der Grund: Blasenbildung auf dem weichsten Reifen in Spa, dem Supersoft. Das gefürchtete Blistering war am Freitag im Training quer durch das ganze Feld zu sehen gewesen.

Sollte es im Rennen wieder wärmer werden als am kühleren Samstag (vgl. 4. - S wie Spa-Wetter) droht genau das er im Rennen limitierender Faktor zu werden. Nur bei kühleren Bedingungen und ohne Blasenbildungsgefahr hält Pirelli daher Start auf Supersoft und Wechsel auf Soft nach 16 Runden für die schnellste Taktik, die in den Top-10 alle wählen können, da sie hier niemand mit Soft für Q3 qualifizierte. Das tat nur Valtteri Bottas, der somit bei seinem Start von ganz hinten Pirellis erste Alternative (Start auf Soft, nach 28 Runden Wechsel auf Supersoft) wählen kann.

Wird es jedoch zu warm, kommt die Blasenbildung ist Spiel ist für Pirelli dennoch noch lange keine Zweistoppvariante die schnellste. Zweimal 13 Runden Supersoft, dann mit Soft ins Ziel sei 15 Sekunden langsamer als eine andere Lösung: Medium fahren - egal, ob nach Start auf Soft oder Supersoft. Einzig Red Bull und Toro Rosso würde dazu ein frischer Satz fehlen.

4. - S wie Spa-Wetter

Dunkle Wolken prägten bis dato das Rennwochenende der Formel 1 in Spa. Bekannt ist der Belgien GP historisch ohnehin für wechselhafte Bedingungen. So auch 2018, als es schon im ersten Training wie angesagt erste leichte Tropfen regnete. Im Qualifying öffneten sich im Q3 dann sogar kurz komplett die Schleusen über den Ardennen.

Noch dazu war es kühl. Dennoch reichten lediglich 17 Grad Celsius Spitze am Freitag schon für Blasenbildung auf manchem Supersoft-Reifen. Im Rennen heute am Sonntag soll es nun so warm werden wie noch nie an diesem Wochenende. Temperaturen um die 20 Grad erwartet der aktuelle Wetterbericht. Hinzu kommt erstmals eine Regenwahrscheinlich nahe null Prozent. Erst in der Nacht nach dem Rennen soll es regnen.

5. - S wie Strecke

Viele Worte zu verlieren sind über die 7,004 Kilometer Asphaltband in den belgischen Ardennen eigentlich gar nicht mehr. Der Kurs ist eine Legende. Nicht umsonst heißt der Circuit Spa-Francorchamps auch Achterbahn. Mit Pouhon und Blanchimont gibt es unfassbar schnelle Kurven mit berühmten Namen. Im Mittelsektor reihen sich aber noch mehr schnelle Ecken aneinander.

"Es ist mit diesen Autos einfach sehr aufregend. Sie sind hier so gut und schnell wie nie zuvor", schwärmt Sebastian Vettel angesichts der noch einmal schnellere Formel 1, die sich im Qualifying auch den Spa-Rekord des Evo-Porsche zurückholte. Das macht den Belgien GP jedoch auch fahrerisch wieder anspruchsvoller - obwohl jetzt in Eau Rouge nicht mehr darauf geachtet werden muss, ob vielleicht zu Lupfen ist. Das ist kein Thema mehr.

Denn, so Vettel: "Es zieht schon gewaltig am ganzen Körper. Die Kurven werden immer schneller im Vergleich zu den Vorjahren. Du hast durch die schnellen Autos nicht viel Zeit zu entscheiden, wann du auf die Bremsen treten und einlenken musst. Es ist nicht leicht, jede Ecke ganz zu treffen." Und DRS? Ist auf der Kemmel-Geraden 100 Meter länger als 2017, in Blanchimont entgegen Fahrerwünschen aber tabu geblieben.

6. - S wie Sensation durch Underdog

Der Belgien GP zählt zu jenen Rennen, die größeres Überraschungspotential bieten. Sensationen in den Ardennen? Immer mal drin. 1992 siegte Michael Schumacher im eigentlich noch nicht wirklich reifen Benetton, 1998 sahen die Fans einen völlig verrückten Jordan-Doppelsieg mit Damon vor Ralf Schumacher, 2009 gewann um ein Haar Giancarlo Fisichella im Force India und 2014 staubte Daniel Ricciardo im ersten Jahr der Mercedes-Hybrid-Übermacht ab.

Und 2018? Stehen die Chancen auf Wiederholung gar nicht mal so schlecht. Wieder dafür verantwortlich: Der Underdog der Formel 1 schlechthin, Force India. Oder Racing Point, wie das Team jetzt heißt. Denn: Nach der Rettung und Starterlaubnis vom Donnerstag lieferte das Team sofort richtig ab. Klare vierte Kraft am Freitag, im Qualifying dann sensationell in Reihe zwei. Möglich, dass Podest-Crack Perez und Ocon mit Track Position sogar den Räikkönen-Ferrari halten können?

7. - S wie Sieger

"Sie waren heute Favorit und sie werden auch morgen Favorit sein. Das heißt aber nicht unbedingt, dass sie auch gewinnen werden. Sie waren nun schon bei einigen Rennen die Favoriten und wir haben es irgendwie geschafft, es umzudrehen und vorne zu landen." Besser als Lewis Hamilton kann man die schwierige Prognose für den Rennsonntag kaum formulieren. 2018 ist in der Formel 1 einfach nichts normal.

Dennoch ist zunächst immer von normalem Rennverlauf auszugehen. Und wer kommt deshalb als Sieganwärter besonders in Frage? Schon vor dem Wochenende hatte sich Valtteri Bottas durch die Motorenstrafe aus diesem Kreis verabschiedet, Red Bull zog schnell nach. Früh war klar, dass die Bullen aufgrund der Vollgas-Charakteristik wie schon erwartet keine Schnitte sehen. Und jetzt hat sich durch Startplatz sechs auch noch der Top-Favorit nach seiner Freitagsbestzeit, Kimi Räikkönen, verabschiedet.

Bleiben wiedermal nur Vettel und Hamilton. Spannend dabei: Der Schnellere ist am Start nur Zweiter. Noch interessanter: Stärken und Schwächen sind ungleich verteilt. Ferrari ist geradeaus das schnellere Auto, Mercedes in den Kurven im zweiten Streckenabschnitt. Heißt: Vettel könnte durchaus gut überholen. Wenn es schnell geht, er sich nicht wie 2017 abarbeitet, die Reifen ruiniert. Und der Spritverbrauch mitspielt. Entschieden ist in diesem Duell also noch gar nichts.


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