Formel 1

Formel 1 Ungarn: Renault, Haas leiden unter Trainings-Defekten

Im Formel-1-Mittelfeld geht der Kampf zwischen Renault und Haas in Ungarn weiter. Zuerst aber Kampf mit Defekten, besonders Hülkenberg erwischt es schwer
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Der Formel-1-Freitag in Ungarn endete wieder mit Haas vor Renault. Wie so oft holte sich Romain Grosjean für Haas am Freitag die Bestzeit, schlug mit seiner schnellsten Zeit den nächsten Renault-Konkurrenten Carlos Sainz sogar deutlich um vier Zehntel. Trotzdem wollen sich beide Teams nicht festlegen, wer für das Qualifying und besonders für das Rennen in Ungarn in der Favoritenrolle steckt.

Am Freitag gab es außerdem bei beiden Teams noch einige Probleme. Bei Haas erwischte es zuerst Romain Grosjean, er verbrachte im ersten Training viel Zeit in der Garage, während seine Mechaniker ein Öl-Leck suchen mussten. Kevin Magnussen litt unter Fehlzündungen, die ihn letztendlich davon abhielten, eine schnelle Ultrasoft-Runde zu fahren.

Mit einem Kurzschluss im Energiespeicher seines Hybrid-Systems rollte Nico Hülkenberg ebenfalls schon im ersten Training am Vormittag aus, danach musste bei Renault der gesamte Energiespeicher und das Getriebe gewechselt werden. Hülkenberg verlor viel Trainings-Zeit. Der Energiespeicher ist hinüber, ein alter wurde wieder verbaut. Damit entkommt Hülkenberg einer Strafe, aber beim nächsten Wechsel wird die fällig werden: Denn nur zwei Energiespeicher sind 2018 erlaubt.

Hülkenberg nach wenig Trainings-Fahrzeit: Mag es schwierig

Auf die technischen Probleme in Ungarn angesprochen, scherzt Nico Hülkenberg nach dem Training: "Ich mag es schwierig." Schwierig wird es für ihn auf jeden Fall. Denn durch den defekten Energiespeicher hat er vor allem viel Trainings-Zeit verloren, und nur wenig Gelegenheit gehabt, sein Setup zu verbessern: "Das kann man natürlich nicht aufholen, dann ist man den ganzen Tag lang im Hintertreffen."

Renaults Chassis-Direktor Nick Chester erklärt nach dem Training die Auswirkungen so eines Schadens auf das Auto: "Wir mussten die MGU-H und MGU-K überprüfen, ob die nicht auch beschädigt wären, wie wir für einen Moment sogar dachten. Dann wären wir heute gar nicht mehr gefahren." Außerdem musste ein neues Getriebe verbaut werden: "Weil wenn du den Energiespeicher verlierst, hast du keine Kontrolle mehr über das Getriebe, das kann dadurch kaputt werden."

Hülkenberg beendete das zweite Training nur auf Platz 14, nachdem er die ersten Minuten noch seinen Mechanikern in der Box beim Arbeiten zusehen musste. In den Longruns auf gebrauchten Reifen sah es für ihn schon besser aus. Auch Carlos Sainz konnte hier mit Haas mithalten. "Es ist schwer einzuschätzen", meint Hülkenberg am Ende. "Haas sah wieder stark aus in Long- und Shortruns, sie werden wieder unsere Gegner sein." Angepeilt wird bei Renault wieder Platz 6.

Haas, Grosjean überrascht vom eigenen Vorsprung in Ungarn

Mit dem doch ziemlich großen Vorsprung auf Carlos Sainz hat Romain Grosjean in Ungarn jedenfalls nicht gerechnet. Teamchef Günther Steiner stimmt ihm zu: "Ja, ich bin positiv überrascht, dass wir diesen Vorsprung am Freitag haben." Und das auf einer Strecke, die Haas eigentlich nicht liegt: Viele langsame Kurven, das liegt eher Renault.

Aber Haas war auf eine Runde gesehen sogar klar schneller. "Ich war zufrieden damit, wir können da mehr an der Renn-Pace arbeiten", freut sich Grosjean. "Eine nette Überraschung auf einer so langsamen Strecke." Kevin Magnussen verlor zwar die Chance auf eine schnelle Ultrasoft-Runde aufgrund von Fehlzündungen, aber am Ende passte doch alles: "Trotzdem bekommst du ein Gefühl, du bekommst Daten, und darauf basierend kannst du dich dann verbessern."

Haas mit Ferrari-Upgrade zufrieden, Renault unsicher bei Frontflügel?

Für Ungarn gab es von Ferrari neue Teile: Ein neuer Verbrennungsmotor, ein neuer Turbo und eine neue MGU-H konnten verbaut werden. Für Romain Grosjean gab es nur einen neuen Verbrennungs-Motor, da er die anderen beiden Teile schon zuvor tauschen musste. Trotzdem freut er sich: "Wir haben noch nicht alles genutzt, aber es ist ein guter Schritt."

Renault testet inzwischen weiter den neuen Frontflügel, den man in Hockenheim brachte. Nico Hülkenberg meinte gestern, der sei etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Chassis-Chef Nick Chester erklärt dazu: "Wir hatten ein Problem mit der Daten-Erfassung in Hockenheim, also haben wir hier wieder Vergleichstests gemacht." Die Arbeit geht da also weiter. Chester glaubt, dass man sich hier in die richtige Richtung bewegt.

Haas gegen Renault am Sonntag: Die Reifenfrage, Haas mit Trick?

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wer denn für den Sonntag in Ungarn die besseren Karten hat. In den Longruns auf den alten Ultrasoft-Reifen sah der Renault von Sainz stark aus, aber Magnussen war teilweise knapp dran. Da liegt die Vermutung tatsächlich nahe, dass es ein enges Rennen werden wird.

Wieder wird der Reifenverschleiß eine große Rolle spielen. "Der Ultrasoft scheint ziemlich fragil zu sein, besonders an der Hinterachse", sorgt sich Nico Hülkenberg. Grosjean gibt sich optimistisch - etwas überraschend, nachdem er sich während dem Training noch über "kaugummiartige" Reifen beschwert hatte: "Ursprünglich haben wir im Longrun gelitten, aber dann haben wir Lösungen gefunden, um die Pace wieder zurückzubekommen."


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