Formel 1

Formel 1, Hülkenberg-Frust in Hockenheim: War Unkraut pflücken

Nico Hülkenberg erwischt in Deutschland einen turbulenten Auftakt. Renault-Probleme ohne Ende, neuer Frontflügel kaum getestet und wieder Haas-Gefahr.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - So hat sich Renault-Pilot Nico Hülkenberg den Start in sein Heimrennen sicher nicht vorgestellt. Im Training zum Deutschland GP 2018 in Hockenheim geht es für den neben Sebastian Vettel einzigen Deutschen im Formel-1-Feld drunter und drüber.

Am Ende steht im Ergebnis Platz neun, damit liegt Hülkenberg hinter einigen großen Gegnern im Mittelfeld. Beide Haas und Charles Leclerc sind schneller, die Force India lauern nur Tausendstel dahinter, damit aber vor dem zweiten Renault von Carlos Sainz.

Renault-Pannen in Hockenheim: Ausritt, Bremsplatten, Leck

Doch sind es gar nicht groß die Rundenzeiten, die Hülkenberg am Ende von einem frustrierenden ersten Tag in Deutschland sprechen lassen. Vielmehr sind es die unzähligen kleinen Probleme, die Renault in Hockenheim plagten.

Vor allem auf der Liste: Ausritt ins Kiesbett im ersten Training für Hülkenberg, Leck und viel Zeit in der Garage für Sainz, dicker Bremsplatten im zweiten Training für Hülkenberg, keine Chance, einen geplanten Vergleichstest mit dem neuen Frontflügel am R.S.18 ideal zu bestreiten. Mit Blick auf letzten Fall konnten Hülkenberg und Renault jedoch froh sein, überhaupt noch mit dem Frontflügel fahren zu können.

Hülkenberg im Kies, Frontflügel überlebt

Immerhin hatte der bei dem Ausritt im FP1 leichten Schaden genommen. "Da war ein bisschen was am Frontflügel, aber nichts Massives. Das war nicht schlimm", berichtet Hülkenberg. Doch wie war es überhaupt zu der Rodeleinlage durchs Kiesbett in der schnellen Rechtskurve Eingang Motodrom gekommen?

"Da gibt es nicht viel zu erklären. Ich habe einfach innen den Kerb etwas erwischt, dadurch Übersteuern bekommen und bei 230 ist man dann eben schnell neben der Strecke", schildert Hülkenberg bei Motorsport-Magazin.com. Eine Mutkurve sei der Eingang Motodrom, jetzt erstmals mit den neuen Autos, allerdings nicht. Hülkenberg: "Eher Kurve eins, die ist noch sportlicher!"

Zuvor hatte bereits Technikchef Bob Bell in der FIA-PK nach FP1 Entwarnung für den Frontflügel gegeben. Der freute sich sogar: "Gut, dass wir ihn an Nicos Auto hatten, denn mit Carlos hätten wir durch ein kleines Leck sonst viel Zeit auch damit verloren", so Bell.

Immerhin war das Leck wiederum nicht so dramatisch, dass es das zweite Training des Spaniers komplett zerstörte. Session eins allerdings war hin. Zumindest mit Blick auf den Frontflügel für Sainz ohnehin egal. Er wird die neue Spezifikation erst am Samstag an Auto gebaut bekommen. Offenbar will Renault den Flügel sofort einsetzen.

Renault: Frontflügel könnte sofort debütieren

Nico Hülkenberg ist da zwar noch nicht sicher, wohl aber Bell: "Wir müssen noch die abschließende Entscheidung zum neuen Flügel treffen, aber der erste Eindruck ist, dass er genau das macht, was er soll." Sainz - wohl wegen seines allerdings nur knappen Rückstands auf Hülkenberg - stimmt zu: "Der Flügel scheint zu funktionieren. Ich werde ihn morgen auch testen, feintunen und dann hoffentlich zurück in den Top-10 sein."

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Deutschland GP: (07:51 Min.)

Nicht verantwortlich gewesen sei der neue Frontflügel durch die vielleicht ungewohnte Aerodynamik unterdessen für Hülkenbergs Ausritt im FP1. "Nein, der war geplant. Unkraut pflücken!", scherzt der Emmericher. Seinen Humor verloren hat Hülkenberg trotz des ganzen Ärgers also noch nicht. Doch der überwiegt dennoch.

Performance? Hülk: Haas ist richtig gefährlich!

"Wir haben heute leider nicht ganz so viele Erkenntnisse gewonnen. Ich habe am Nachmittag auch noch ein bisschen Zeit durch einen unglücklichen Vorfall mit einem Bremsplatten verloren", umschreibt Hülkenberg seinen Verbremser so positiv es eben geht. Doch er gesteht: "Dadurch haben wir den entsprechenden Run auf dem gleichen Reifen für den Vergleich der Flügel verloren, den wir eigentlich angehen wollten. Deshalb war es dann nicht ganz so aufschlussreich. Okay angefühlt hat er sich aber."

Das gelte unterdessen auch für die grundlegende Performance des Renault. In Hockenheim hatten sich die Franzosen ohnehin schon wieder mehr ausgerechnet als zuletzt. Da hatte es immer wieder teils große Probleme mit der Balance gegeben. Offenbar nicht auf dem Hockenheimring. Hülkenberg: "Die Basis und Pace des Autos ist okay. Das scheint nicht schlecht zu sein."

Euphorisch klingt allerdings auch hier anders. Der Grund: Wieder mal Haas. "Der Eindruck der letzten Rennen hat sich bestätigt. Die haben einfach ein gutes Paket, gut gearbeitet und nicht nur auf Motorenseite Updates gebracht. Deshalb sind die jetzt so schnell und komplett ernst zu nehmen. Die sind gefährlich für uns. Im Moment sehe ich sie sogar leicht vor uns. Wir müssen uns strecken, damit das nicht permanent so bleibt", sagt Hülkenberg.

Dazu passend feierte sich Haas für das erneut starke Training nahezu uneingeschränkt. Sehr stark sei man, so Romain Grosjean, Kevin Magnussen und Günther Steiner unisono. Einzig im Longrun gebe es ganz leichten Nachholbedarf. Hülkenberg sieht es etwas anders: "Auf eine Runde scheinen wir recht konkurrenzfähig. Aber auch nicht großartig. Haas, Sauber und auch Force India sehen auch okay aus, sind im Mix."

Renault besonders Anfällig für Blasenbildung

Weil es um jedes Zehntel gehe müsse Renault jetzt ganz tief "in den Daten graben", um die Beeinträchtigungen des Freitags, das "bisschen Schluckauf" zu überwinden, auch mit der Überhitzung und Blasenbildung der Reifen. Wobei die im Grunde alle Teams erlebten. "Aber ich glaube, es war gerade bei uns ein Problem", fürchtet Hülkenberg.


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