Formel 1

Formel 1, Pleiten nagen an Hamilton: Für mich das Schlimmste

Lewis Hamilton reist mit verlorener WM-Führung nach Frankreich. Vorbereitung mit Motorrad statt Simulator. Krisen-Meetings bei Mercedes vielversprechend.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton kommt nach einem ernüchternden Rennen in Montreal zum achten Rennwochenende der Formel-1-Saison 2018 nach Frankreich. Bei Mercedes fand man nach der Niederlage klare und harte Worte. Zwei Wochen später wollen das Team und Hamilton die Scharte auswetzen. Trotz des Rückschlags ging der Weltmeister bei seinen Vorbereitungen gewohnt unorthodox vor - selbst bei einem neuen Austragungsort.

"Ich fahre nicht im Simulator", erklärt Hamilton, dass er die virtuellen Möglichkeiten in der Fabrik nicht wie viele seine Konkurrenten beim Aufbau für das Rennwochenende nutzte. Stattdessen hieß es trotz verlorener WM-Führung business as usual. "Ich bin letzte Nacht aus Marseille hier angekommen und hatte mein Motorrad dabei. Also bin ich um die Strecke gefahren in der Hoffnung, dass ich nicht erwischt werde. Und zum Glück wurde ich das auch nicht."

Darüber hinaus stützt sich Hamilton aus Erfahrungswerte von Testfahrten, an denen er 2017 nach seiner Läuterung regelmäßiger teilnahm. Ein Umstand, der ihm ein Jahr später beim Comeback des Circuit Paul Ricard in den Rennkalender ein zweites Mal zunutze wird. "Ich habe hier einen Testtag mit Pirelli letztes Jahr gemacht. Also kenne ich die Strecke", so der 33-Jährige.

Hamilton setzt Hoffnungen auf zweite Saisonhälfte

Was er und das Team sich ebenfalls zunutze machen müssen, will man Ferrari und Sebastian Vettel die WM-Führung wieder abjagen, ist der Weckruf des Rennens in Kanada. "Die WM-Führung zu verlieren ist nichts, was ich im Hinterkopf habe", stellt Hamilton klar, dass ihn der Rückstand von einem Punkt auf Vettel keine Sorgen bereitet. Was ihn mehr quält ist die Niederlage gegen Valtteri Bottas.

Nicht nur von WM-Rivale Vettel sondern auch vom Teamkollegen bezwungen zu werden wiegt schwer auf dem Gemüt des erfolgsverwöhnten Briten. "Nicht mein volles Potential ausgeschöpft zu haben ist das Schlimmste", gibt er zu. Von außen betrachtet häufen sich diese Wochenenden in der Saison 2018 des Lewis Hamilton. Er selbst sieht das bisherige jedoch nicht als schwächer als vergangene Jahre an.

"In der ersten Saisonhälfte geht es immer auf und ab und man lernt Dinge über das Auto und die Reifen", so Hamilton, der auch 2017 in der ersten Saisonhälfte einem Rückstand auf Vettel hinterher lief. Erst in der zweiten Halbzeit gelang es ihm und seinem Team, die Oberhand über den Konkurrenten zu gewinnen. "In der Pause hast du Zeit darüber nachzudenken. Dann beginnst du das Gelernte im zweiten Teil der Saison umzusetzen."

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Frankreich GP: (07:30 Min.)

Hamilton: Krisen-Meetings nach Montreal waren aufschlussreich

Dass der 2018 härtere Titelkampf gegen die Scuderia an den Nerven der Silbernen nagt, zeigte wiederum Toto Wolffs Reaktion nach Montreal. Der Mercedes-Teamchef beurteilte die Leistung seiner Mannschaft schonungslos - denn in der entscheidenden Phase vor der Sommerpause gilt es, nicht weiter an Boden zu verlieren. "Wir hatten danach ein paar wirklich gute Meetings", so Hamilton. "Alle waren offen was Selbstkritik anging."

Einen offenen Diskurs innerhalb der eigenen Truppe brauchte Mercedes in der Vergangenheit eher, wenn Hamilton mal wieder mit Teamkollege Nico Rosberg aneinandergeraten war. Das zu dieser Zeit im Team implementierte Krisenmanagement zeigt allerdings auch in dieser neuen Situation seine Wirkung. "Das ist etwas, das wir schon immer so gemacht haben. bei ihren großen Meetings in der Fabrik sind sie sehr, sehr offen miteinander."

"Ingenieure können manchmal etwas sensibel sein und sagen: Das kannst du nicht sagen", so Hamilton weiter. "Aber nein, wir sind in dieser Komfortzone und wir können sagen was wir wollen." Während der F1 W09 noch nicht die Konstanz seiner Vorgänger vorweisen kann, ist dem viermalige Weltmeister sich angesichts der teaminternen Niederlagen bewusst, dass auch er an sich arbeiten muss.

Fehlendes Motorenupdate würde Hamilton nicht verunsichern

"Ich kann nur sagen: Es gibt diese Bereiche in denen ich besser sein kann und ich werde sicherstellen, dass ich das beim nächsten Mal umsetze", so Hamilton, der in Frankreich möglicherweise wieder auf ein Update seiner Power Unit verzichten muss. "Ich weiß nicht was Andy (Cowell, Anm. d. Red.) plant" nimmt er Bezug auf den Chef der Motorenschmiede in Brixworth. "Aber ich habe vollstes Vertrauen in die Entscheidung, die sie treffen werden."

In Montreal schien der Rückstand definitiv nicht allein auf eine fehlende Ausbaustufe des Motors zurückzuführen zu sein. Hamilton ist zuversichtlich, dass er wenn die Balance stimmt auch mit acht Wochenenden auf dem Buckel seiner Power Unit noch angreifen kann: "Wir sind erst sieben Rennen gefahren und die Power und die Performance war großartig. Selbst wenn ich eine alte Spezifikation fahren muss, mache ich mir keine Sorgen."


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