Formel 1

Alonsos Le-Mans-Sieg nichts wert? Hülkenberg zieht Vergleich

Fernando Alonso hat mit seinem Sieg bei den 24h von Le Mans Formel-1-Kollege Nico Hülkenberg nachgeeifert. Der Sieger von 2015 sieht jedoch Unterschiede.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Fernando Alonsos Sieg mit Toyota bei den 24 Stunden von Le Mans 2018 ist im Vorfeld des Formel-1-Rennens in Frankreich immer noch ein Thema. Mit dem Triumph beim Langstreckenklassiker machte der Spanier nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung Triple Crown - er tat es auch Fahrerkollege Nico Hülkenberg gleich. Der Renault-Pilot gewann 2015 mit Porsche an der Sarthe. Ein Sieg, der sich seiner Ansicht nach durchaus von dem Alonsos unterscheidet.

"Es war von Beginn an klar, denn es gab keine wirkliche Werkskonkurrenz", so der Emmericher, der sich vor drei Jahren mit seinen Porsche-Teamkollegen Earl Bamber und Nick Tandy mit einer anderen Herausforderung als Alonso konfrontiert sah. Er trat nicht nur gegen zwei Markenkollegen, sondern auch gegen drei Audi und zwei Toyota an. Alonso hingegen konnte der Sieg 2018 nur vom Schwesterauto streitig gemacht werden. Die privaten LMP1 von Rebellion & Co. waren keine wirkliche Gefahr.

"Das war schon klar, als es ins Rennen ging", so Hülkenberg. Nicht wenige hatten schon vor dem Event den Wert eines Alonsos-Sieges unter diesen Umständen in Frage gestellt. Hülkenberg will die Leistung seines hochgeschätzten Rivalen zwar nicht schmälern, lässt gegenüber Motorsport-Magazin.com aber dennoch durchklingen, dass Alonsos Erfolg durch die fehlende Konkurrenz an Stellenwert missen lässt: "Wahrscheinlich, ja", so der 30-Jährige.

Alonso beteuert: Mein Le-Mans-Sieg mehr wert als jeder andere

Alonso selbst hatte sich schon in Montreal gegen diese Ansichten gewehrt und auch in Frankreich besteht er darauf, dass das zahlenmäßig zur Saison 2018 angewachsene LMP1-Feld es ihm nicht leichter als den Le-Mans-Siegern der vergangenen Jahre machte. "Letztes Jahr gab es nur vier Autos", verweist er auf das Duell von Toyota und Porsche, dass die Zuffenhausener 2017 für sich entschieden. "Dieses Jahr waren es zehn, also war da so wie ich glaube mehr Konkurrenz."

Tatsächlich schätzt er seinen Triumph sogar höher als die anderer Le-Mans-Sieger. "Wir hatten das einzige Hybridsystem mit, ich schätze 49 Prozent mehr Effizienz als jedes andere Auto und das war eine große Challenge. Ich werte diesen Sieg höher als jeden anderen Sieg in Le Mans," so die durchaus verblüffende Aussage des 36-Jährigen. Hülkenberg wiederum wollte mit seiner Aussage keineswegs Alonsos Leistung entwerten.

Alonso auf dem Weg zur Triple-Crown: Die 24h von Le Mans 2018: (14:33 Min.)

Hülkenberg versteht Alonso: Er will die Triple Crown

"Nein, Gratulation an ihn. Er jagt die Triple Crown und hat an diesen Teil davon jetzt seinen Haken gemacht. Das ist gut für ihn", so der Renault-Pilot, der von Alonso selbst regelmäßig Rosen gestreut bekommt und von diesem als einer der besten Fahrer im F1-Feld gepriesen wird. Tipps hat sich der Spanier beim Le-Mans-Sieger von 2015 im Vorfeld allerdings keine geholt. "Ich glaube, die braucht er genau wie ich nicht. Ein Fahrer von diesem Format weiß worum es geht und was er zu tun hat", so Hülkenberg.

Wie sich sein F1-Kollege bei der diesjährigen Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans geschlagen hat, verfolgte er außerdem nur beiläufig. "Wenn ich zusammenrechne habe ich vielleicht zwei oder drei Stunden geschaut. Immer so mal zwischendurch", erklärt er und stellt klar, dass sein eigenes Le-Mans-Erlebnis ohnehin für sich steht: "Ich bin froh damit, wie die Umstände waren als ich es erreicht habe. Alles andere zählt für mich nicht."

Hülkenberg wünscht sich mehr Marken in der WEC

An einer Wiederholung seiner Le-Mans-Teilnahme zeigte sich Hülkenberg trotz seines Sieges stets interessiert. Nach seinem Wechsel zu Renault sind weitere Ausflüge aufgrund seiner Markenbindung erst einmal ausgeschlossen. Die Entwicklung der WEC in den letzten Jahren sieht er auch ohne Chance auf eine Teilnahme kritisch: "Es ist natürlich nicht toll für die Meisterschaft und so soll es eigentlich nicht sein", bemängelt er die Markenarmut.

Dementsprechend wünscht er der von ihm so hoch geschätzten Rennserie für die Zukunft Besserung: "Ich hoffe, dass sich andere Hersteller dafür interessieren und hoffentlich einsteigen. Denn es ist eine tolle Meisterschaft und Le Mans ist großartig." Fernando Alonso wiederum wird bei McLaren wohl auch in Zukunft die Chance auf abenteuerliche Ausflüge in der Motorsportwelt haben. Als nächstes sollte dann wohl der zweite Anlauf beim Indy 500 auf dem Plan stehen, um sich endlich die Triple Crown aufzusetzen - oder?

Alonsos nächste Teilnahme am Indy 500 noch reine Spekulation

"Ich denke da noch nicht so viel drüber nach", wiegelt Alonso ab. "Als ich letztes Jahr beim Indy 500 fuhr war es ein sehr ansprechendes Ziel, die Triple Crown zu erreichen und sozusagen ein kompletterer Fahrer zu werden, einer, der nicht nur Formel-1-Autos fährt. Der Sieg in Le Mans bringt mich diesem Ziel natürlich näher, aber ich muss erst überlegen und schauen was ich nächstes Jahr mache."


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