Tipp
24 h von Le Mans

24h Le Mans: So groß war Fernando Alonsos Anteil am Toyota-Sieg

Die 24 Stunden von Le Manso. Fernando Alonso überschattete das wichtigste Rennen der Welt mit seiner Präsenz. So groß war sein Anteil am Sieg des #8 Toyota.
von Robert Seiwert
Le Mans 2018: So feiert Fernando Alonso beim 24h-Rennen: (01:37 Min.)

Im 20. Anlauf hat es endlich geklappt: Toyota sicherte sich den ersten Sieg der Unternehmensgeschichte bei den 24 Stunden von Le Mans. Bei der 86. Ausgabe am vergangenen Wochenende dominierten die Japaner das Rennen erwartungsgemäß als einziger Hersteller in der Topklasse LMP1. Der Doppelerfolg war von langer Hand vorbereitet und mit Fernando Alonso im Siegerauto gab es auch noch die mediale Kirsche auf der Sahnetorte.

Im Vorfeld der 24 Stunden, während des Rennens und auch nach der Zieleinfahrt des TS050 Hybrid mit der Startnummer 8 schwang die Frage mit: Wollte Toyota, dass das Auto mit Alonso an Bord das Rennen gewinnt? Um den zweifachen Formel-1-Weltmeister herrschte schließlich ein selten zuvor gesehener Hype, der das Rennen und selbst Toyotas Doppelsieg in den Schatten stellte.

Man konnte fast den Eindruck gewinnen, als hätte Alonso das 24-Stunden-Rennen im Alleingang gewonnen. Dabei hatten seine Teamkollegen Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima einen ebenso entscheidenden Anteil daran, dass der #8 Toyota die Ziellinie letztendlich mit zwei Runden Vorsprung auf das Schwester-Auto mit der #7 (Kamui Kobayashi/Jose Maria Lopez/Mike Conway) überquerte.

König der Nacht

Was allerdings herausstach und durchaus beeindruckend war: Alonso in der Nacht. Der Formel-1-Pilot fuhr zum ersten Mal nachts in Le Mans und zeigte keinerlei Anpassungsschwierigkeiten. Ganz im Gegenteil: Bei seinem Vierfach-Stint kürzte er einen 130-Sekunden-Rückstand auf das Schwesterauto bis auf 40 Sekunden. "Leider musste ich in meinem Stints immer gegen Fernando fahren", stellte später der #7-Fahrer Jose Maria Lopez fest.

Wie konnte es sein, dass Alonso in der Nacht das gleiche Auto praktisch in Grund und Boden fuhr - und zumindest den Grundstein für den späteren Sieg legte?

Alonso wie Hülkenberg

Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen waren es die äußeren Umstände. Toyota fuhr in den Nacht-Stints mit einer speziellen Reifenmischung, die auf diese Bedingungen abgestimmt war. Mit diesen Reifen fühlte sich Alonso offenbar wohler im Auto.

Er sagte: "Das waren gute Stints. Die kühlen Temperaturen scheinen meinem Fahrstil besser zu passen. Ich konnte so das Maximum aus dem Auto herausholen." Zufall? Auch Nico Hülkenberg fühlte sich beim Sieg im Jahr 2015 mit Porsche besonders während der Nacht wohl während seiner Nacht-Fahrt.

Durchweg stärker

Außerdem machte sich erstmals in der Nacht der Performance-Vorteil des #8 Toyota bemerkbar. Am gesamten Wochenende war das Alonso/Buemi/Nakajima-Auto schneller gewesen, die Balance passte besser. So gut, dass das Schwester-Auto letztendlich das gleiche Setup nutzte - obwohl es nicht zu 100 Prozent für die drei Fahrer Kobayashi, Conway und Lopez angepasst war.

"Das #8 Auto war in der ganzen Woche sehr stark und wir folgten ihrem Setup", bestätigte Kobayashi. "Wir haben unterdessen nie die bestmögliche Balance mit dem Auto gefunden. Wir haben versucht, gegen sie zu kämpfen. Vielleicht hätten wir eine Chance gehabt, aber in der Nacht bei den anderen Bedingungen waren sie durchweg besser."

Le Mans 2018: Video-Highlights des 24-Stunden-Rennens: (10:15 Min.)

Verkehrs-Glück

Zur Performance gesellte sich auch eine Portion Glück. So profitierte Alonso von einer Full-Course-Yellow-Phase, die Lopez zu einem unglücklichen Zeitpunkt erwischte und ihn viel Zeit kostete. Auch im Verkehr ließ er etwas Zeit liegen, während Alonso es besser erwischte.

Er bestätigte später: "Ich fand einen guten Rhythmus im Verkehr und hatte auch Glück, dass ich ein paar Autos an den besten Stellen überholen konnte. Manchmal hast du Glück und dann hast du in den folgenden Runden noch mehr Glück. Oder eben das Gegenteil. Dann läuft es komisch und alles erscheint dir falsch."

Erinnerungen an das Debakel

Vielleicht spielte auch ein wenig die legendäre Toyota-Pleite aus dem Jahr 2016 eine Rolle. Damals war der Toyota auf dem Weg zum sicheren Sieg quasi vor der Ziellinie ausgefallen. Ein solches Debakel musste in diesem Jahr unter allen Umständen vermieden werden. Ging Lopez bei seinem Nacht-Stint deshalb zu konservativ ran und achtete zu sehr auf die Haltbarkeit? "

Der Argentinier nach dem Rennen: "Ich wollte zu diesem Zeitpunkt nichts riskieren, weil wir geführt haben. Aber sie haben in der Nacht einen besseren Rhythmus gefunden und waren schneller. Sie hatten immer eine bessere Pace, und wenn du in einem 24-Stunden-Rennen durchweg ein paar Zehntel schneller bist, macht das einen sehr großen Unterschied aus."

Nur kein Crash

Was Alonso begann, vollendete Teamkollege Nakajima um 06:29 Uhr am Sonntagmorgen: Auch er holte mit Riesenschritten auf den #7-Toyota auf und konnte schließlich locker überholen. Dass dieser sich nicht mit Händen und Füßen wehrte, war verständlich. Nicht im Ansatz wollte Toyota einen Crash - es wäre der absolute GAU gewesen - seiner beiden Rennwagen riskieren. Zu diesem Zeitpunkt war ohnehin absehbar gewesen, dass der Pace-Unterschied zu beträchtlich ist.

In den folgenden Stunden baute der Führende Toyota seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Kein Wunder, weil das #7-Auto nicht mehr volle Attacke fuhr, wie Kobayashi bestätigte: "Ab einem bestimmten Zeitpunkt haben wir das Auto mit unserem Fahrstil gemanagt. Ein Auto zeigte Performance, das andere die Sicherheit."

24 Stunden kugelsicher

Auch Alonso durfte am Sonntagmittag noch einmal ran. Der Schluss-Stint gebührte allerdings Nakajima. Wohl nicht aus Zufall, ein japanischer Fahrer macht sich beim Zieleinlauf schließlich gut in der Heimat. Nur ein außergewöhnliches Problem hätte etwas am Ergebnis ändern können, doch der #8 Toyota blieb kugelsicher und fehlerfrei.

Beim Schwester-Auto das Gegenteil: In der Schlussphase wurde Kobayashi plötzlich langsam und schlich eine Weile mit 80 km/h über die Strecke. Tatsächlich soll er - laut eigener Aussage - den letzten Tankstopp schlichtweg vergessen haben und musste deshalb nur mit dem Elektro-Motor fahren. Für eine laut Reglement zu viel gefahrene Runde sowie zu viel Benzinverbrauch kassierte der Japaner auch noch zwei Strafen. Damit war das ohnehin schon entschiedene Rennen endgültig gelaufen.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter