Le Mans und Mercedes. Die Rückkehr der Silberpfeile zum prestigeträchtigsten Langstreckenrennen der Welt sorgte 2025 für Schlagzeilen. Allerdings ging Mercedes nicht in der Top-Klasse an den Start, sondern setzte mit dem Kundenteam Iron Lynx drei Mercedes-AMG GT3 in der LMGT3-Klasse ein. Ein Mercedes-Comeback mit einem Hypercar-Prototyp schließt Mercedes-Teamchef Toto Wolff aus. Der Grund ist einfach und hat drei Buchstaben: BoP.
Toto Wolff schlägt Budget Cap vor
"Bei Mercedes sind wir Racer. Wir mögen keine Balance of Performance. Wir mögen es nicht, wenn jemand unsere Leistung, unseren Energieverbrauch, unser Gewicht, unser Fahrerkönnen beurteilt. Man investiert so viel Zeit, Geld und Mühe, um das schnellste Auto zu entwickeln - und dann bekommt man zehn Kilogramm Zusatzgewicht aufgebrummt", kritisierte Wolff das aktuelle Reglement. Allerdings hat der Österreicher auch einen Lösungsvorschlag parat: Eine Budgetobergrenze wie in der Formel 1.
Das Budget Cap wurde 2021 in der Königsklasse eingeführt und lag damals bei 138 Millionen Euro. Im kommenden Jahr soll die Grenze auf etwa 215 Millionen Dollar erhöht werden, allerdings sollen 2026 auch mehr Mitarbeiter berücksichtigt werden. Aktuell fallen beispielsweise nur die drei teuersten Mitarbeiter unter das Budget Cap. "Die Formel 1 hat gezeigt, wie es richtig geht", ist Wolff überzeugt. Der Österreicher schlägt das gleiche Prinzip für das 24-Stunden-Rennen in Le Mans vor.
Statt BoP plädiert Wolff auf die Einführung einer Budgetobergrenze in der Höhe von 30 bis 40 Millionen. "Es gibt natürlich trotzdem Regeln, aber niemand muss beim Testen oder im Qualifying bluffen. Es werden die Handschuhe ausgezogen und man sieht reines Racing", sagte der 53-Jährige. "Wenn das so wäre, dann wäre Le Mans für uns auf jeden Fall eine Option." 2025 belegte der bestplatzierte Iron-Lynx-Mercedes Platz 12 [#61 pilotiert von Berry/Hodenius/Martin], der Rückstand auf den siegreichen Manthey-Porsche betrug vier Runden.
Mercedes: Schwierige Momente in Le Mans
In der Vergangenheit erlebte Mercedes beim Langstreckenklassiker auf dem teilpermanenten Circuit de la Sarthe einige schlimme Momente. 1955 starben über 80 Zuschauer und Mercedes-Fahrer Pierre Levegh als dessen Mercedes-Benz 300 SLR in das Heck des Austin-Healey 100S von Lance Macklin krachte und abflog. Brennende Autoteile flogen auf die Tribüne, 84 Menschen starben, knapp 180 weitere wurden verletzt.
Ausgelöst wurde das Unglück durch ein aggressives Manöver von Jaguar-Pilot Mike Hawthorn, das zu einer Kettenreaktion führte. "Danach sind wir ausgestiegen. Später kamen wir zurück, doch in den Neunzigern sind einige unserer Prototypen wortwörtlich abgehoben", erinnert sich Toto Wolff im Bloomberg-Podcast Hot Pursuit. Vielen Motorsportfans sind die dramatischen Bilder der fliegenden Mercedes CLR im Jahr 1999 noch gut in Erinnerung. Auch Mark Webber erinnert sich in diesem Video an seinen Abflug.
Den schrecklichen Unfall 1955 sowie die legendären Mercedes-Abflüge anno 1999 haben wir in dieser Hintergrundgeschichte aufgeschlüsselt:



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