Formel 1

Formel-1-Boss: Regeln schuld am Red-Bull-Crash

Max Verstappens und Daniel Ricciardos Crash in Baku sorgt weiter für Gesprächsstoff. Ross Brawn hat eine nicht menschliche Erklärung für den Unfall.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Es war die Schlüsselszene unter den vielen Highlights beim Aserbaidschan GP 2018: Die beiden Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Daniel Ricciardo nahmen sich beim Formel-1-Rennen in Baku gegenseitig aus dem Rennen.

Viel wird seither über die Schuldfrage diskutiert. Bei Red Bull einigte man sich intern auf 50 zu 50, man sah es damit wie die Rennstewards. Die gaben keinem der beiden Piloten eindeutig die Schuld und beließen es bei Verwarnungen für Verstappen und Ricciardo. Niki Lauda hingegen sah die Schuld eher bei Verstappen, sorgte mit seinem Vorschlag, die beiden Piloten den Schaden bezahlen zu lassen, für viel Erheiterung.

Auch Formel-1-Boss Ross Brawn hat seine Meinung zu dem Unfall: "Ich will nicht kommentieren, wer dafür verantwortlich ist oder wie ein Team solche Situationen während eines Rennens managen soll, aber ich glaube, die Stewards lagen mit ihrer Entscheidung richtig."

Brawn: Ricciardo beim Crash nur noch Passagier

Eigentlich wollte Brawn die Szene nicht kommentieren, aber der ehemalige Ingenieurs-Star der Formel 1 hat noch einen interessanten Erklärungsansatz. "Ich möchte einen technischen Punkt hervorheben", so Brawn. "Als sich Daniel einmal für die Innenbahn entschieden und Max die Richtung geändert hatte, um diese Linie zu blockieren, wurde der Australier Passagier."

"Der Verlust an Abtrieb, den Ricciardo im Windschatten von Verstappens Auto hatte, hat dafür gesorgt, dass er sein Auto nicht mehr stoppen konnte", erklärt Brawn und fügt an: "Wir denken oft daran, wie der Abtrieb in der Kurvenfahrt wirkt, aber der Extra-Grip beim Bremsen ist riesig. Wenn man den Grip beim Bremsen wegnimmt, ist das, was am Sonntag passiert ist, nicht zu vermeiden."

Der Bremsvorgang in der Formel 1 wird massiv auch von der Aerodynamik beeinfluss. Zu Beginn eines Bremsvorgangs von Hoher Geschwindigkeit ist der Abtrieb noch enorm. Mit jedem Meter, der weiter verzögert wird, sinkt der Abtrieb mit der Geschwindigkeit. Deshalb müssen die Piloten auch den Bremsdruck während des Bremsvorgangs dosieren, um die Räder nicht zu blockieren.

Im Windschatten ändert sich der Bremsvorgang schon von Beginn an. Tritt der Hintermann am gleichen Punkt wie der Vordermann auf die Bremse, ist sein Bremsweg - vorausgesetzt beide haben im Normalfall den gleichen Grip - länger. Deshalb sieht man oftmals, wie Piloten beim Bremsvorgang ausscheren, obwohl sie gar nicht überholen. Dadurch wollen sie aus der verwirbelten Luft des Vordermanns ausscheren. Auch die Kühlung von Bremsen und Motoraggregaten wird dadurch beeinfluss.

Formel-1-Boss: Crash verdeutlicht Regel-Problematik

Brawn nutzt den Unfall, um einmal mehr auf ein Grundproblem der Formel 1 aufmerksam zu machen: "Auch wenn es ein sehr heftiges Beispiel war, hat es einmal mehr verdeutlicht, dass man einen Weg finden muss, die Regeln so zu entwickeln, dass die Autos in diesen Bedingungen besser zu fahren sind."

Einen Tag nach dem Aserbaidschan GP stand das Fax-Voting über die neuen Regeln zur Saison 2019 auf dem Plan. Tatsächlich konnten sich Teams, FIA und der kommerzielle Rechteinhaber dazu durchringen, in letzter Sekunde noch Regeländerungen für die kommende Saison durchzudrücken.

Inhalt der Regeländerung: Breitere und einfachere Fronflügel, einfachere Aerodynamik am Radträger und breitere und tiefere Heckflügel. Ziel: Überholen vereinfachen. Ross Brawn galt als einer der Drahtzieher.

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