Formel 1

Formel-1-Zukunft: Darum geht es beim Gipfeltreffen in Bahrain

Der Formel 1 stehen in Bahrain turbulente Tage bevor. Liberty Media wird den Teams die Pläne für die Zukunft präsentieren - Eskalationsgefahr inklusive.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Bahrain GP entwickelt sich immer mehr zum politischen Zentrum der Formel 1. Wenn sich die F1-Bosse nicht in Paris oder Genf treffen, ist der Bahrain GP meist ein beliebter Ort für wichtige Meetings. Am Freitagmorgen könnte das wichtigste Treffen seit Jahren stattfinden. Es geht um alles.

Liberty Media will den Teams seine Pläne für die Zukunft präsentieren. Dabei geht es um nicht weniger als Millionen von Dollar, die Motoren der Zukunft, die Formel-1-Regierung und das sportliche Vermächtnis. Um alles also.

Liberty-Boss Chase Carey und Ross Brawn stellen den zehn Rennställen ihre Visionen vor. Selbst Ferrari-Boss Sergio Marchionne hat sein Kommen angekündigt, landet mit seinem Jet am Freitagmorgen in Bahrain. Der Italo-Kanadier polterte schon mehrmals und drohte den Rückzug der Scuderia aus der Formel 1 an.

Liberty Media will Ferrari den Geldhahn zudrehen

Nun wird es aber zum ersten Mal so richtig ernst: Chase Carey wird mit einem konkreten Plan aufkreuzen. Und dieser Plan sieht eine gerechtere Geldverteilung vor. Darunter würde Ferrari am meisten leiden. Insider gehen davon aus, dass die historischen Zahlungen komplett gekappt werden sollen. Erfolgsprämien soll es in gewissem Maße noch geben, aber auch in drastisch reduzierter Form.

Rund 90 Millionen Dollar soll Ferrari vom kommerziellen Rechteinhaber erhalten, nur weil Ferrari Ferrari ist. Dazu kommen die allgemeinen Einnahmen, die jedem Team zustehen und die leistungsbezogenen Prämien.

Kein anderer Rennstall wird also unter einer gerechteren Geldverteilung so viel verlieren wie Ferrari. Doch auch Mercedes ist auf die Extra-Millionen bedacht, die noch unter Bernie Ecclestone ausgehandelt wurden. Ferrari und Mercedes zeigten sich schon in den vergangenen Monaten als Verbündete in Sachen Reglement.

Strategiegruppe soll abgeschafft werden, Ferrari Veto-Recht verlieren

Bis zur Saison 2020 haben sich alle Involvierten ohnehin der Formel 1 verschrieben. Es geht um die Zeit danach. Weil Mercedes und Ferrari alles andere als erfreut sein dürften, droht die Lage zu eskalieren. Doch Liberty will sich die Pistole angeblich nicht mehr auf die Brust setzen lassen. Ausstiegsdrohungen lassen die Amerikaner kalt.

Außerdem drohen die Top-Teams weitere Privilegien zu verlieren. Es geht auch um die Regierung der Königsklasse. Nachdem Sauber und Force India nicht mehr gegen die Strategiegruppe vorgehen, ist anzunehmen, dass dieses Entscheidungsgremium das Jahr 2020 nicht überleben wird. Wahrscheinlicher ist eher, dass alle Beteiligten bestimmte Stimmrechte erhalten. Das Veto-Recht Ferraris gilt ebenfalls als angezählt.

Mercedes, Ferrari & Renault kämpfen für Motoren

Noch an einer dritten Front könnte es für Ferrari und Mercedes brenzlig werden: bei den Motoren. Auch Renault würde gerne an der MGU-H festhalten. Doch der Vorschlag von FIA und Liberty Media nach zahlreichen Treffen in einer speziellen Motorenarbeitsgruppe sah keine MGU-H mehr vor. Dazu soll es zahlreiche Einheitsteile geben, um die Preise zu senken.

Ferrari-Präsident Sergio Marchionne über diese Pläne zu Motorsport-Magazin.com: "Wenn wir unsere Fähigkeiten verlieren, unser Können in diesem Kontext zu zeigen, dann ist es nicht wert, Rennen zu fahren. Solange ich CEO bin - die anderen Leute können machen was sie wollen - werde ich es nicht erlauben, Einheitsmotoren in der Formel 1 zu fahren. Wenn es soweit kommt, genießt den Sport!"

Aber Liberty Media will bei den Motoren nicht auf die Hersteller reinfallen. Red Bull ist seit Jahren gefangen und abhängig davon, welcher Hersteller sich erbarmt, Motoren zu liefern. Auch die Kosten sollen runter. Die Hersteller argumentieren, dass die Kosten sinken, weil die Technik länger im Einsatz ist.

Keine Überholmanöver: Liberty will besseren Sport

Und dann gibt es spätestens seit dem Saisonauftakt 2018 in Australien ein weiteres Thema: Den Sport. Nur fünf Überholmanöver und die große Kluft zwischen Arm und Reich haben vielen zu denken gegeben.

Allerdings soll dieses Thema im Meeting nur eine untergeordnete Rolle spielen. Liberty hat sich im Hintergrund ein eigenes Ingenieursteam rund um Pat Symonds aufgebaut, das an CFD-Analysen arbeitet. Es geht darum, wie man eine Reglement schaffen kann, das schnelle und gleichzeitig Autos hervorbringt, die gut für das Racing sind.

2017 führte die Formel 1 in neues Reglement ein, das die Autos zwar deutlich schneller und spektakulärer machte, Überholmanöver dafür aber zur Seltenheit. Die Meinungen darüber gehen unter den Fahrern komplett auseinander.

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel zu Motorsport-Magazin.com: "Es ist schwierig, alle zufrieden zu stellen. Wir hatten in der Vergangenheit Rennen, die spannend waren und wir hatten Rennen, die langweilig waren. Das gehört zum Sport dazu. Der Schritt im letzten Jahr, die schnelleren Autos einzuführen, hat es aus Fahrer-Sicht spannender gemacht. Es ist eine größere Herausforderung. Ich glaube, die Zuschauer honorieren das auch. Man hat lange diskutiert, dass die Autos zu langsam waren, jetzt diskutiert man, dass die langsamer werden müssen, damit es spannender wird. Danach wollen wir wieder, dass sie schneller werden. Wir drehen uns im Kreis und müssen akzeptieren, dass manche Rennen spannender sind als andere. Beim Fußball saß ich auch schon auf der Tribüne und habe mich geärgert, dass es nicht viele Tore gab. Beim nächsten Mal bin ich ohne Erwartungen hingegangen und es gab viele Tore. "

Red-Bull-Kollege Daniel Ricciardo sieht es anders: "Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich für langsamere Autos entscheiden, die besseres Racing ermöglichen." Teamkollege Max Verstappen sieht es ähnlich: "Diese Autos machen mehr Spaß zu fahren, aber du kannst damit nicht überholen. So wie es 2015 oder 2016 war, war es gut."

Ausstiegsdrohungen von Ferrari programmiert

Geldverteilung, Regierung, Motoren und Chassis-Reglement: Überall gibt es Zündstoff, entschieden wird aber noch nichts. Liberty Media will in erster Linie, dass die Formel 1 nicht mehr von Konzernen regiert wird und nimmt dafür auch ihren Abschied in Kauf. Bernie Ecclestone hatte die großen Marken immer genau mit diesen Boni geködert.

Jetzt, da die Boni da sind, wollen die Etablierten nicht mehr darauf verzichten. Viele verfluchen Ecclestone dafür. Aber: Gäbe es ohne diese Köder nicht schon längst eine Piratenserie? Ecclestone gab die Millionen nicht ohne Grund an Ferrari und Mercedes. Die Formel 1 muss sich nun selbst fragen: Was ist wichtiger? Guter Sport oder gute Marken? Oder bleiben die Marken auch ohne Extra-Geld und Extra-Rechte?

Bernie Ecclestone stattet der Formel 1 in Bahrain übrigens einen Besuch ab. Am Meeting am Freitag wird er nicht teilnehmen. Er folgt nicht der Einladung von Liberty, sondern der Einladung der Königsfamilie. Er wird aber sicher nicht ungerne sehen, wenn es nach dem Meeting zu den erwarteten Zerwürfnissen kommt.


Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter