Formel 1

Sebastian Vettel von Sieg nicht geblendet: Mercedes vor Ferrari

Formel-1-WM-Leader Sebastian Vettel meldet sich in Bahrain nach dem Ferrari-Auftaktsieg mit viel Realitätssinn zurück. Mercedes sei gerade klare Nummer eins
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel reist wie im Vorjahr als WM-Leader zum zweiten Formel-1-Rennen des Jahres. 2018 steigt der zweite Grand Prix allerdings in Bahrain statt China. Für den Ferrari-Auftaktsieger von Australien wird es am Sonntag der 200. Start in der F1, insgesamt ist es aber sein 201. GP-Wochenende.

Eine feine Unterscheidung, für die Vettels Motordefekt noch in der Einführungsrunde ausgerechnet jenes Bahrain GP, dem der Saison 2016, verantwortlich zeichnet und, die noch in Melbourne für eine gewisse Konfusion gesorgt hatte. Auch bei Vettel selbst.

Vettel verwirrt: 200 F1-Starts in Bahrain oder Australien?

"Ich dachte, ich hätte die 200 schon in Australien geholt. Das hat da jemand gesagt", sagt Vettel in Bahrain, verwundert von den Glückwünschen. "Vielleicht habe ich sie ja zweimal. Wenn wir hier jetzt auch noch dasselbe Ergebnis [wie in Melbourne] bekommen, dann freue ich mich darauf", ergänzt Vettel mit einem verschmitzten Lachen. Sonst würde ihm die 200 ziemlich wenig bedeuten.

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Bahrain GP: (05:49 Min.)

Gut aufgelegt, ruhig, besonnen präsentiert sich der Ferrari-Star bei seinem ersten großen Medientermin in Bahrain. Der Sieg Down Under scheint noch nachzuwirken. "Es tut nicht weh, sagen wir mal so. Wir haben viele Punkte und ein tolles Ergebnis erholt. Der Sieg verleiht allen im Team viel Energie", verbalisiert Vettel diesen Eindruck selbst. "Wie viel das hilft, sehen wir in den nächsten Rennen", ergänzt er.

Vettel: Ferrari hatte Glück, Mercedes schneller

Denn Vettel weiß ganz genau: Eigentlich war Ferrari in Australien noch nicht bereit, nicht stark genug für den Sieg. "Man muss nicht groß erwähnen, dass wir da Glück hatten", kommentiert Vettel das rennentscheidende VSC. "Aber es war wichtig, dass wir da waren. Dass es eine Chance gab und wir sie genutzt haben."

Noch könne Ferrari sportlich nämlich nicht aus eigener Kraft mit Mercedes mithalten, gibt Vettel aufrichtig wie realistisch zu. "Wenn du dir die Pace der Tests und vom ersten Rennen anschaust, dann ist ziemlich klar, dass Mercedes am schnellsten ist", stellt Vettel klar. Konkret beziffert der Ferrari-Fahrer den Vorsprung des Teams um Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton auf drei bis vier Zehntel.

Vettel: Ferrari muss jetzt schnell an Pace gewinnen

"Das haben wir auch im Rennen gesehen", meint Vettel. "Lewis hat seine Pace am Anfang offensichtlich kontrolliert und dann gepusht, als er es musste. Sie hatten noch etwas in der Hand. Das ist die ehrliche Antwort", sagt Vettel. Ob Qualifying oder Rennen mache da keinen Unterschied. Der Rückstand im Q3 von Melbourne habe nur größer ausgesehen als er es wirklich sei. "Ich hatte einen Fehler, Lewis nicht und im Q2 hatte Lewis seinen Runde noch nicht zusammenbekommen", schildert Vettel.

Bei den drei bis vier Zehnteln Ferrari-Rückstand auf Mercedes bleibe es aber auch damit. Daher müsse Ferrari schleunigst nachlegen. "Letztlich müssen wir aber die Pace haben, um zu gewinnen. Wir müssen auf uns selbst schauen und uns verbessern. Und ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen können. Das Auto hat das Potential, aber wir müssen Fortschritte machen und jetzt schnell aufholen, um um Siege kämpfen zu können", sagt Vettel.

Vettel: Schlau genug, um zu wissen, dass wir hinten sind

Über diese Situation täusche in Maranello auch der Sieg in Australien niemand hinweg. "Wir haben genug schlaue Leute, um zu wissen, dass wir noch nicht schnell sind", sagt Vettel. "Es ist selbstverständlich, dass wir gerade nicht schnell genug sind und Mercedes zu diesem Zeitpunkt schneller ist."

Gerade. Zu diesem Zeitpunkt. Abgefahren ist der Zug für Vettel also noch längst nicht. "Wir haben dieses Jahr ein besseres Auto als letztes Jahr, müssen es aber erst noch richtig zum Arbeiten bekommen. Das ist aber kein Drama. Ich denke. es ist normal, dass du zu Beginn des Jahres das Auto noch immer kennenlernst", meint Vettel. Ferrari habe schlicht noch nicht die Zeit gehabt, wirklich alles zu verstehen und zu maximieren.

Vettels Hoffnung: Wir fahren Rennen!

Nahezu wortgleich formulierte es Ferrari-Kollege Kimi Räikkönen wenige Minuten zuvor in der FIA-PK in Bahrain. Dort werde Ferrari jetzt auch direkt nachlegen, Neues versuchen. "Wir machen Fortschritte. Für hier haben wir wieder ein paar Ideen, die wir ausprobieren möchten und Dinge, die wir verbessern können", schildert Vettel.

Weniger Hoffnungen macht sich Vettel also auch kurzfristig noch längst nicht. Auch aus einem ganz anderen Grund als Zahlen, Rückstände, Deltas und Co. "Wir fahren Rennen! Wir leben nicht im Lang der Simulationen, wo es nur um Zahlen geht", stellt Vettel klar. "Wir fahren Rennen - wie wir erst in Australien wieder gesehen haben. Das ist ja auch Teil der Spannung. Du weißt nicht wirklich, was passiert."

Allein damit lässt sich jedoch keine WM gewinnen. Dafür braucht es am Ende doch mindestens ebenbürtige Pace. "Insgesamt ist uns das bewusst", sagt Vettel. "Und wir sind sehr motiviert, es herumzureißen und den nächsten Schritt zu machen. Das ist der härteste Schritt. Aber wir wollen ihn unbedingt gehen."


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