Formel 1

McLaren: Neuer Turbo-Schaden bei Formel 1-Test unsere Schuld

McLaren will einfach nicht in Fahrt kommen: Auch am letzten Tag steht Alonso Stunden wegen eines Defekts in der Box. Schuld ist ein Turbo-Schaden.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - McLaren ist der erste große Verlierer der Formel-1-Saison 2018. Nachdem man sich nach drei Jahren des Honda-Antriebs entledigt hatte und nun auf Renault setzt, läuft bei den Testfahrten in Barcelona nichts zusammen. Auch am achten und letzten Tag gab es größere Probleme am Auto von Fernando Alonso.

Nach lediglich sieben Runden sorgte Alonso für die erste Rot-Phase des Tages, als er seinen McLaren in Kurve sieben abstellen musste. Der Grund für den Ausfall war schnell gefunden: Ein defekter Turbolader legte den Antrieb lahm.

McLaren wechselte daraufhin die gesamte Power Unit, erst vier Stunden später konnte Fernando Alonso wieder auf die Strecke gehen.

Den Turbo-Schaden musste McLaren auf die eigene Kappe nehmen. Er ist eine Folge des Öllecks vom Mittwoch. McLaren hatte zwar daraufhin vorsichtshalber die gesamte Power Unit gewechselt, allerdings fanden die Renault-Ingenieure am Donnerstagabend ein Problem am eingebauten Turbolader und tauschten ihn gegen das Exemplar der fraglichen Power Unit.

McLaren machte nicht nur am Auto selbst beim Test eine schlechte Figur. Das Video eines misslungenen Boxenstopps geht inzwischen viral in den sozialen Netzwerken. "Das war aber nur ein Boxenstopp von acht, die wir unter Rennbedingungen trainiert haben", relativiert McLaren Rennleiter Eric Boullier. "Ich sehe es anders: Wir hatten sieben gute Boxenstopps."

Doch den schlechten Gesamteindruck wollte auch er gegenüber Motorsport-Magazin.com nicht schönreden: "Wir wollen konkurrenzfähig sein und haben deshalb ein ambitioniertes Design. Unser Design ist ganz anders als das der anderen Renault-Autos. Ja, wir hatten bislang kleinere Probleme, weil wir unseren Job - das Auto vorzubereiten - nicht gut gemacht haben."

Das neue Dream-Team: Toro Rosso und Honda: (04:34 Min.)

"Wir hatten aber eine verkürzte Vorbereitung und Verzögerungen", erklärt Boullier, fügt aber selbstkritisch an: "Das ist unser Problem." Erst beim Singapur GP entschied sich McLaren final dazu, von Honda zu Renault zu wechseln. Das Auto musste spät umgebaut werden. McLarens Rennleiter verspricht: "Ich glaube, wir kommen schnell wieder zur Normalform zurück."

War McLaren vielleicht zu aggressiv? "Das müssen wir uns später noch genauer ansehen, aber man muss aggressiv sein, wenn man konkurrenzfähig sein will", verteidigt der Franzose. Voreilige Schlüsse will er nicht ziehen: "Lasst uns abwarten und sehen. Es ist besser, ein paar Rennen zu warten."

Doch im Konzert der ganz Großen wird McLaren in Melbourne nicht mitspielen. "Es sieht nach einem Kampf zwischen Ferrari, Mercedes und Red Bull aus", muss auch Boullier gestehen. "Renault hat sich stark entwickelt, Haas ebenfalls. Wir sollten dazwischen sein."

Große Zuverlässigkeitsprobleme für Australien erwartet McLaren trotz der Testmisere nicht: "Denn es waren kleinere Probleme, die alle sehr unterschiedlich waren." Trotzdem muss sich McLaren fragen, ob es nach den letzten Jahren überhaupt noch zu den Topteams gehört. Toro Rosso scheint es mit dem Honda-Motor deutlich besser hinzubekommen. Boullier gibt sich selbstbewusst: "Wir haben die Fähigkeit, schnelle Autos zu bauen, nicht verloren."


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