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McLaren MCL33 im Technik-Check: Neue Hinterachse wegen Renault?

McLaren zeigt den ersten Formel-1-Rennen mit Renault-Motor. Der MCL33 für die Saison 2018 hat sich aber auch abseits des Motors verändert.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Nach Red Bull, Mercedes und Ferrari hat nun mit McLaren das letzte vermeintliche Top-Team seinen Boliden für die Formel-1-Saison 2018 vorgestellt. Der MCL33 ist der erste Rennwagen aus Woking, der von einem Renault-Motor angetrieben wird. Nach drei erfolglosen Jahren als Werksteam von Honda beendete McLaren das Experiment. Nicht nur finanziell ist der Wechsel eine große Herausforderung für McLaren, auch technisch.

Die endgültige Entscheidung gegen Honda fiel erst beim Singapur GP 2017. Zu diesem Zeitpunkt sind wesentliche Elemente des nächstjährigen Boliden eigentlich schon weit im Designprozess fortgeschritten. Trotzdem traute sich McLaren.

McLarens Technik-Chef Tim Goss verriet, dass der Motorwechsel einen ganzen Rattenschwanz an weiteren Änderungen mit sich zog. Weil Renault Turbolader und Kompressor hinter dem Motor anbringt und nicht wie Honda die beiden Komponenten räumlich voneinander trennt, ändert sich einerseits die Anbindung an das Chassis, andererseits auch an der Rückseite des Motors die Anordnung verschiedener Komponenten.

McLaren entschied sich auch dazu, das selbstentwickelte Getriebe radikal zu ändern. Weil das Getriebe nicht nur aus den Innereien, sondern auch aus dem Gehäuse besteht, tun sich hier neue Möglichkeiten auf. Bei modernen Formel-1-Autos befinden sich nicht nur die Fahrwerkspunkte am Getriebe, sondern auch die komplette Feder-Dämpfer-Einheit im Getriebegehäuse.

McLaren baut radikale Querlenker an Hinterachse

Entsprechend ist das Heck auch besonders interessant. Schon in der Draufsicht ist zu erkennen, dass McLaren bei der Hinterradaufhängung radikal neue Wege geht. Die beiden oberen Querlenker sind offenbar in ein breites Element zusammengefasst.

Der Pullrod führt nicht vom Radträger nach unten Richtung Umlenkhebel, sondern greift mitten am Querlenker an. Auch in der Vorsaison hatte McLaren hier schon ein radikales Konzept. Kein anderes Team bringt die Zugstrebe so weit vom Radträger entfernt an.

Der Pullrod geht am Karbonleid vorbei nach unten vorne - Foto: McLaren

Der Pullrod führt - wie in der Seitenansicht gut zu erkennen - extrem weit nach vorne. Offenbar wanderten die Feder-Dämpfer-Elemente im neu konstruierten Getriebe weiter nach vorne. Die Spreizung der unteren Querlenker ist nun deutlich kleiner, so dass der Pullrod vor dem unteren Querlenker nach unten führt, nicht mehr dahinter.

Von Honda zu Renault: Kühleinlässe nur moderat angepasst

Weniger gravierende Änderungen gibt es hingegen an den Kühleinlässen. Dafür, dass sich der Antrieb und damit auch der Kühlbedarf änderte, hat sich an den Einlässen verhältnismäßig wenig getan.

Die Airbox bleibt klein und elegant und wächst nicht wie bei vielen Konkurrenten in die Breite und beherbergt mehrere Kanäle. Stattdessen setzt McLaren weiterhin auf relativ große Öffnungen in den Seitenkästen. Die sind 2018 U-förmig, 2017 führten sie in Dreiecksform weiter nach unten.

Die Kühleinlässe sind verhältnismäßig simpel - Foto: McLaren

Die Leitbleche um die Seitenkästen herum haben sich im Vergleich zur letzten Spezifikation 2017 kaum verändert. Nur auf den Seitenkästen selbst ist das horizontale Leitblech Geschichte, stattdessen befinden sich mehrere kleine vertikale Finnen darauf.

McLaren ist nach Mercedes und Renault erst das dritte Team, das Ferraris Vorbild aus der Saison 2017 beim Seitenkasten nicht folgt. McLaren stellt allerdings die Seitenkästen nicht pfeilförmig an. Im Vergleich zur Konkurrenz wirkt der MCL33 an dieser Stelle fast simpel.

Während McLaren beim Test in Abu Dhabi schon ein Aero-Element am Halo zeigte, steht der neue Bolide auf den Präsentationsfotos noch mit blankem Halo da. Gut möglich allerdings, dass die Briten hier die Katze noch nicht aus dem Sack lassen.

Technische Daten McLaren MCL33

Chassis McLaren Eigenentwicklung, Karbon-Monocoque mit Aluminium-Wabenkern
Vorderradaufhängung Karbon-Querlenker, Pushrod-Aufhängung
Hinterradaufhängung Karbon-Querlenker, Pullrod-Aufhängung
Bremsen ‎Akebono Karbon-Bremsen
Breite 2,00 Meter
Höhe 0,95 Meter
Gewicht 733 kg (inkl. Fahrer und Schmierstoffe, exkl. Benzin)
Getriebe McLaren Eigenentwicklung, sequentielles Getriebe mit 8 Vorwärtsgängen + Rückwärtsgang, Karbon-Gehäuse

Technische Daten Renault Motor

Bauart
Zylinder 6
Zylinderwinkel 90 Grad
Hubraum 1600 ccm
Bohrung 80 mm
Max. Drehzahl 15.000 U/min
Benzinfluss Max 100 kg/h ab 12.000 U/min
Benzin/Schmiermittel BP
Aufladung Single-Turbo mit Elektro-Motor (MGU-H)
Energierückgewinnung
Kinetisch (MGU-K) Motor-Generator-Einheit an Kurbelwelle, max. 50.000 U/min
Thermisch (MGU-H) Motor-Generator-Einheit an Turbolader, max. 125.000 U/min
Leistung
Verbrennungsmotor über 700 PS
MGU-K 163 PS
Systemleisung über 950 PS
Gewicht
Gewicht 145 kg (inkl. Batterie)
Gewicht Batterie 20 - 25 kg

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