Formel 1

Ferrari an Kimi Räikkönen: 2018 bitte mehr als Teilzeit-Gott

Für die Formel 1 2018 stachelt Ferrari-Boss Sergio Marchionne Kimi Räikkönen an. Der Iceman fahre wie Gott - manchmal. Das müsse Ferrari zur Regel machen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Wird 2018 die letzte Formel-1-Saison des Kimi Räikkönen? Eine Frage, die in der Königsklasse schon in den Vorjahren gestellt wurde. Doch immer wieder entschied Ferrari, seinem noch bis heute letztem Weltmeister einen neuen Einjahresvertrag vorzulegen. So oft, dass Räikkönen inzwischen der älteste Fahrer im F1-Grid geworden ist.

Formel 1 Ü40: Macht Räikkönen den Schumacher?

Bevor die Formel-1-Saison 2018 endet wird der bei den Fans so beliebte Finne bereits seinen 39. Geburtstag gefeiert haben. Die große Frage: Geht es sogar noch einmal weiter? Sehen wir 2019 tatsächlich einen 40-jährigen Iceman in der Formel 1? Sprich: Erhält der Ferrari-Routinier die nächste Verlängerung? Damit wäre er der erste Fahrer seit Michael Schumacher, der es in diesem Alter noch immer wissen will.

Geht es nach der Ferrari-Führung ein durchaus mögliches Szenario. Doch es gibt Bedingungen, die Fiat- und Ferrari-CEO Sergio Marchionne jetzt recht deutlich formuliert hat.

"Meiner Meinung nach fährt Räikkönen wie ein Gott, sofern wir den richtigen Schlüssel finden. Aber wir müssen ihn finden. Wenn die Dinge richtig laufen, ist es ein Vergnügen, ihn fahren zu sehen. Er ist wirklich großartig, wahrhaft talentiert und ich habe nie an seinen Fähigkeiten gezweifelt", schwärmte der Ferrari-Boss im Rahmen des traditionellen Weihnachtsessens der Scuderia vom Potential des Finnen.

Ferrari-Boss: Räikkönen muss Top-Potential konstanter zeigen

Doch müsse Räikkönen dieses Potential öfter - konstanter - abrufen. "In manchen Momenten scheint es, als ob er sich eine Auszeit nehmen würde. Er braucht mehr Konsistenz, was seine Performance angeht", so Marchionne.

Allerdings liege es auch in der Verantwortung Ferraris, Räikkönen dies zu ermöglichen. "Es ist wichtig, dass wir auch den richtigen Schlüssel finden, damit er auch auf anderen Kursen fährt wie zum Beispiel in Monaco", sagte Marchionne.

Ferrari-Nachwuchs scharrt mit den Hufen

Dem Italiener zufolge scheint 2018 jedoch die letzte Chance für Räikkönen zu sein. "Vielleicht wird es die letzte Saison, um den richtigen Schlüssel zu finden und wir müssen das einfach schaffen. Denn es wäre schade, sollte er die F1 verlassen ohne sein wahres Potential zu zeigen", sagt Marchionne.

Sergio Marchionne und Kimi Räikkönen scheinen gut miteinander auszukommen - Foto: Sutton

Warum drängt auf einmal die Zeit? Ganz einfach: Nachwuchs-Pferde hat die Scuderia gerade mehr als genug im Stall. Und vielleicht gestaltet sich bei einem Charles Leclerc oder Antonio Giovinazzi die Schlüssel-Suche ja einfacher …

Marchionne: Ferrari muss entsprechende Voraussetzungen schaffen

"Ich denke, dass die Wahl auf einen jungen Fahrer fallen wird, sollten wir nicht den richtigen Schlüssel für Räikkönen finden. Sie sind Fahrer mit großartigen Fähigkeiten, die eine große Veränderung auf dem Fahrermarkt auslösen können. Ich bin happy, Leclerc auserwählt zu haben", so Marchionne über die Beförderung des monegassischen Ferrari-Juniors ins Motorenkundenteam Sauber.

Auch über seinen anderen Stammpiloten äußerte sich Marchionne bei dem alljährlichen Ferrari-Event. Sebastian Vettel habe 2017 ebenso nicht immer alles richtig gemacht. Jetzt liege es in dessen Verantwortung, sich 2018 in diesen Punkten zu verbessern, die letzten kleinen Fehler auszumerzen. Das werde Vettel jedoch gelingt, gibt sich Marchionne überzeugt.

Sebastian Vettel? Marchionne: Emotionen keine Schwäche

Vettels große Emotionalität sieht der Italo-Kanadier dabei nicht als Hindernis. "Ich weiß nicht, ob es ein Problem der Schwäche oder Persönlichkeit ist", so Marchionne. "In seinen Wutausbrüchen sehe ich aber keine Schwäche", verteidigte der Ferrari-Boss seinen Top-Fahrer. "Vettel hat etwas von einem Kerl aus Süditalien. Das hat er dieses Jahr ein paar Mal gezeigt, aber er hat aus diesen Situationen gelernt", so Marchionne. Es wie bei einem Fußballer unter Druck.

Insgesamt gelte für Vettel jedoch wie für Räikkönen dasselbe: Er ist angewiesen auf Top-Material aus Maranello. "Wir haben die Pflicht, unseren Fahrern ein Auto zu geben, das ihnen erlaubt um den Sieg zu kämpfen. 2016 hatten wir keinen Erfolg, aber 2017 haben wir ihnen ein großartiges Auto gegeben. Wir sind gigantische Schritte nach vorne gegangen", meint Marchionne.

Ferrari-Boss sicher: 2018 wieder voll im Formel-1-WM-Kampf

Das Saisonende hält Marchionne allerdings für beschämend oder 'Charakter bildend'. "Da hatten wir wirklich geglaubt, mehr ausrichten zu können", sagt Marchionne. Besonders ein ausgebliebenes Final-Update der Power Unit habe geschmerzt.

2018 könne Ferrari auch das bessern machen und das entsprechende Auto samt Power Unit liefern. Da ist sich der Big Boss sicher. "2018 erwarte ich viel mehr vom Team. Ich hege keinen Zweifel, dass wir wieder um den Titel kämpfen werden", sagte Marchionne.

"Und mit einem konkurrenzfähigen Auto liegt es dann wieder in seiner Verantwortung", ergänzt Marchionne über Vettel. Überzeugt ist er von dem Deutschen aber weiter voll und ganz. "Du gewinnst nicht vier Weltmeisterschaften wenn du kein Champion bist", adelt Marchionne Vettel.


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