Formel 1

Formel-1-Zeugnis: Kimi Räikkönens Saison-Fazit 2017

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen kam zum Formel-1-Saisonstart 2017 nur langsam auf Touren. Es folgten einige Highlights, aber noch mehr Ärger. Ein Rückblick.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2017 liegt hinter uns. Es war ein Jahrgang, der Geschichte geschrieben hat: Nicht nur die spektakulären neuen Autos haben für neue Rekorde gesorgt, auch die Piloten. Motorsport-Magazin.com nimmt alle Fahrer der abgelaufenen Saison unter die Lupe. Jeden Tag arbeiten wir uns in unserem Adventskalender in der WM-Tabelle einen Platz vor. Heute in der Zeugniskonferenz: Ferrari-Routinier Kimi Räikkönen.

Steckbrief Kimi Räikkönen

Karriere 2017
GP-Starts 271 19
Siege 20 0
Bestes Rennergebnis 1 2
Podien 91 7
Ø Rennplatzierung 7,8 6,1
Ausfälle 63 3
Schnellste Runden 2 45
Poles 17 1
Beste Startposition 1 1
Ø Position im Qualifying 6,7 3,8
Punkte 1565 205

Die Qualifying-Performance 2017: Nach seinem Sieg im teaminternen Duell gegen Sebastian Vettel im Vorjahr musste sich Kimi Räikkönen 2017 recht deutlich mit 5:15 geschlagen geben. Der durchschnittliche Rückstand Räikkönens auf Vettel hielt sich mit 0,276 Sekunden allerdings noch in Grenzen, seinem jüngeren Landsmann Valtteri Bottas etwa fehlten im Schnitt neun Tausendstelsekunden mehr auf Lewis Hamilton. Daniel Ricciardo lag sogar mehr als drei Zehntel hinter Max Verstappen. Im Durchschnitt reichte das für Räikkönen zum Qualifying-Ergebis 3,8 (Vettel 3,3).

Die Schmach eines Ausscheidens im Q1 musste sich Räikkönen nicht geben. Von allen Piloten mit mehr als einem Grand Prix gelang das sonst nur Bottas und Nico Hülkenberg. Unter den anderen Top-Fahrern verpassten Vettel und Ricciardo diesen Score allerdings nur wegen Defekten in Q1, Hamilton jedoch wegen eines Abflugs. Zurück zum Iceman: Auch in Q2 war für Räikkönen nie Feierabend, der Finne erreichte immer das finale Q3, was sonst nur Bottas glückte.

Die Renn-Performance 2017: Zu Saisonbeginn erwischte Kimi Räikkönen einen Stotter-Start. In Melbourne verpatzte er es mit seiner Crew, ein ideales Setup zu erarbeiten, in China (Trainingsausfall wegen Regen) und Bahrain (Defekt im Training) ging die Aufarbeitung daneben. Somit vermochte der Iceman in den ersten drei Rennen, kein gutes Bild abzugeben, wurde bereits von der Ferrari-Führung kritisiert. Mit dem Russland GP, Podium, ging es jedoch aufwärts - auch Räikkönen und den Oberen zufolge.

Doch schon in Spanien folgte einer von den in dieser Saison vielen bitteren Momenten: In der ersten Kurve wurde Räikkönen von Bottas berührt, fiel aus. Absolute Lowlights: In Malaysia konnte Räikkönen nach einem Defekt erst gar nicht starten, in Singapur wurde er nach dem Start sofort in eine Kollision verwickelt (alles weitere zu Pech & Pannen s.u. 'negativ aufgefallen'). Insgesamt war Räikkönen 2017 aber nicht der Mann der ersten Runde. Als einziger Fahrer gewann er nie eine Position, verlor im Schnitt sogar eine. Aufgrund der besseren Grid-Ausgangslage schneiden in dieser Statistik die Top-Fahrer allerdings generell schlechter ab. Am Rennende lag Räikkönen im Schnitt knapp zwei Plätze hinter Vettel.

Das sagt Räikkönen selbst: "Ich habe dieses Jahr aus persönlicher Sicht nicht so toll begonnen. Es hat zu lang gedauert das richtige Setup zu finden. Dann hatten wir aus vielen verschiedenen Gründen zu viele Ausfälle. Ich denke es ist ganz einfach: Wo man in der WM steht, zeigt, wie gut oder schlecht es war. Wir müssen es nächstes Jahr besser machen und daraus lernen. Wir werden nicht zufrieden sein bis wir die ganze Zeit über Doppelsiege einfahren. Ich will jedes Wochenende an der Spitze kämpfen und nächstes Jahr um die Weltmeisterschaft!"

Positiv aufgefallen: Pole Position in Monaco, starke zweite Saisonhälfte (drei Podien in Serie), große Vettel-Stütze (insb. Spa-Quali, Monaco, Ungarn, USA).

Negativ aufgefallen: Ideales Setup erst in Russland gefunden, WM-Zug wegen teaminternem Punkte-Nachteil da schon abgefahren; einmal mehr fast zu loyal, zu viel Teamplayer statt Egoist; Quali-Duell 5:15; jede Menge Pech (Spanien/Baku: Ausfälle nach/infolge Bottas-Abschuss; Kanada: Bremsen-Defekt; Silverstone: Reifenschaden; Singapur: nach starkem Start abgeschossen; Malaysia: kein Start wegen Defekt); Schnitzer im Japan-Training kostet Getriebe, Strafe das Podium

Soll erfüllt? Nein. Kimi Räikkönen hat sich für 2017 ganz sicher selbst mehr ausgerechnet, ist der Iceman bekanntlich doch keiner, der selbst über einen zweiten Platz mit dem Mundwinkel auch nur zuckt. Doch was kann man Räikkönen vorwerfen? Vor allem einen Aspekt muss der Finne dringend verbessern: den Saisonstart - allein schon für die Stellung im Team. Mit 37 Punkten Rückstand auf den Teamkollegen nach vier GP wie 2017 ist gerade bei einem Team wie Ferrari sonst ganz schnell klar, auf welchen Fahrer im WM-Kampf gesetzt wird.

Dass es für Räikkönen im weiteren Saisonverlauf weit mehr als einmal knüppeldick kam (s.o. 'negativ aufgefallen'), sorgte schließlich jedoch dafür, dass der Finne auf dem Punktekonto sehr viel schlechter dasteht als mit weniger Pech leicht möglich gewesen wäre - nicht völlig mangelnde Performance, wenngleich die eine oder andere Hundertstel beim ältesten F1-Piloten im Feld über die Jahre vielleicht verloren gegangen sein mag.

MSM-Note: 3


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