Formel 1

Ferrari warnt Formel-1-Chefs: Können Teams in neue Serie locken

Sergio Marchionne hat die Formel-1-Ausstiegsdrohung erweitert: Ferrari sei stark genug, mehrere Teams in neue Serie mitzureißen. Bluff? Spiel mit dem Feuer.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Fiat- und Ferrari-Boss Sergio Marchionne hat seine Drohungen, Ferrari könne aus der Formel 1 aussteigen abermals erneuert. Hintergrund sind noch immer die Pläne Liberty Medias einer zunehmenden Motorenangleichung ab 2021 und einer Budgetgrenze in der Königsklasse des Motorsports.

Inzwischen scheint Marchionne das Thema jedoch immer mehr zu durchdringen, sich zunehmend konkrete Gedanken zu machen. Denn was der Italiener im Rahmen des alljährlichen Ferrari-Weihnachtsessens am Montagabend diesmal vor Reportern ausrichtete, war mehr als die jüngst schlichten Drohungen, eher schon ein halbes Konzept.

Marchionne: Alternative Serie ab 2020/21 möglich

"Ich denke, dass Ferrari die Stärke hat, auch andere in eine alternative Meisterschaft mitzunehmen", so Marchionne. Eine Konkurrenzserie zur Formel 1 also. Diese Idee bzw. Drohung hatte es bereits vor Jahren schon einmal gegeben - noch zu Zeiten von Marchionne-Vorgänger Luca di Montezemolo.

Umgesetzt wurden derlei Pläne bekanntlich nie. Nun stößt Marchionne, ein ganz anderer Charakter als Montezemolo, die alte Debatte allerdings neu an - und will es ernst meinen. "Wenn sie denken, dass wir bluffen, dann spielen sie mit dem Feuer", polterte der Ferrari-Boss in Richtung aller, die seine Drohungen nicht ernst nehmen, nur weil es diese schon so oft gegeben hatte.

Ferrari: Andere Situation als bei vorherigen Drohungen

"Die Situation hat sich seit 2015 aber verändert", führte Marchionne jedoch aus. "Eine der großen Vorteile ist, dass das gegenwärtige Concorde Agreement ganz anders ist als vorherige und eine größere vertragliche Freiheit gewährt. Der vorherige Vertrag hat es unmöglich gemacht, eine Alternative außerhalb des 'Zirkus' zu bewerten. Jetzt können wir die Möglichkeit analysieren, etwas Ähnliches wie die Formel 1 zu erschaffen, was die die Show angeht." Das wäre schon eine ganz andere Hausnummer als die zuletzt von Herstellern geflutete Formel E, welche so wenig wie nur möglich zu Ferrari passen würde.

"Es gibt diese Möglichkeit ab 2020/21 Wir können das nicht ignorieren, aber ich würde es vorziehen, das zu vermeiden, wenn wir können. Ich würde gerne mit der Formel 1 weitermachen, aber wir müssen Kompromisse finden, die es Ferrari nicht unmöglich machen in jedem Rennen seine DNA zu zeigen. Aber wenn die Autos wie bei NASCAR alle gleich aussehen, mit einfacheren und billigeren Motoren, wenn die Strecken langweilig wie Abu Dhabi sind, dann interessiert uns das nicht."

Ferrari-Boss mit Titelansage für Formel 1 2018

Marchionne in seiner alles andere als besinnlichen Weihnachtsansprache weiter: "Wenn man darüber nachdenkt, Grid Girls zu verbieten, bevor man über wirklich wichtige Themen wie die Freiheiten beim Autodesign diskutiert, benötigt Ferrari nur eine Minute, um zu gehen! Wir müssen eine ausbalancierte Lösung für die Zukunft finden, die jeden glücklich macht und wir müssen es rechtzeitig hinbekommen."

Besonders stört sich Marchionne ausgerechnet an einem ehemaligen Ferrari-Mitarbeiter. "Was mich am meisten nervt, ist, dass es mit Ross Brawn einen erfahrenen Mann gibt, der sich Dinge und Wege ansieht, die gegen die DNA der F1 gehen", so Marchionne.

Bei der Veranstaltung kündigte Marchionne unterdessen auch den Launch-Termin des neuen Ferrari für 2018 an (22. Februar) und äußerte sich optimistisch bezüglich der Titelchancen Ferraris in der kommenden Formel-1-Saison. Marchionne: "2018 erwarte ich viel mehr vom Team. Ich hege keinen Zweifel, dass wir wieder um den Titel kämpfen werden."


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