Formel 1

Formel 1, Brasilien: Verstappen erlebt Red-Bull-Reifen-Debakel

Für Red Bull war Brasilien 2017 eine einzige Enttäuschung. Max Verstappen und Daniel Ricciardo waren in der Hitze gegen Ferrari und Mercedes chancenlos.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Red Bull drehte dank zwei Siegen von Max Verstappen in der zweiten Saisonhälfte der Formel-1-Saison 2017 richtig auf. In Brasilien erlebten die Österreicher jedoch einen herben Rückschlag. Unter der prallen Sonne São Paulos fuhren die beiden Bullen der Konkurrenz von Ferrari und Mercedes auf den Positionen fünf und sechs gnadenlos hinterher.

Verstappen gelang es zu Beginn nicht, durch einen seiner Raketenstarts Plätze gutzumachen. Auf Platz vier konnte er das Tempo von Kimi Räikkönen im Ferrari in der Anfangsphase jedoch mitgehen und zeitweise sogar Druck ausüben. Als Pirellis Supersoft-Reifen auf dem bis zu 60 Grad Celsius heißen Asphalt langsam eingingen, war der Niederländer jedoch einer der ersten Piloten, die im Boxenfunk um Erlösung flehten.

"Du versuchst in den Kurven aufzuholen, aber dabei verlangst du den Reifen zu viel ab und sie brechen noch stärker ein", so Verstappen. Dennoch wagten er und seine Strategen nicht den ersten Schritt. Der 20-Jährige harrte bis Runde 28 und ging erst einen Umlauf nach Valtteri Bottas an die Box, der das Boxenstopp-Fenster mit seinem Undercut gegen Sebastian Vettel geöffnet hatte.

Der Wechsel auf Soft-Reifen trug bei Verstappen nicht zur Verbesserung der Situation bei. Ganz im Gegenteil, denn nach dem Service verlor er den Anschluss an Räikkönen komplett. In Runde 58 hatte er dem auf Supersoft-Reifen heranstürmenden Lewis Hamilton nur wenig entgegenzusetzen: "Der Kurs liegt unserem Auto nicht und mit dem Power-Defizit auf den Geraden ist es für uns hier wirklich schwer."

Angesichts genügend Luft nach hinten, legte Verstappen vier Runden später noch einen weiteren Reifenwechsel ein. "Ich wollte die letzten zehn Runden nicht auf so problematischen Reifen fahren und da ich keine Position dabei verlieren würde, entscheiden wir uns für einen zweiten Boxenstopp", erklärt der dreimalige GP-Sieger.

Top-10 Formel-1-Weltmeister: Schumacher, Hamilton, Vettel & Co.: (03:26 Min.)

Verstappen mit neuem Rundenrekord in Interlagos

Als Trostpflaster konnte er sich auf dem Supersoft-Reifen zumindest noch die schnellste Rennrunde unter den Nagel reißen. "Das Rennen war danach zwar gelaufen, aber ich pushte für die schnellste Runde, die ich in Mexiko nicht kriegen konnte. Es freut mich, dass ich sie mir hier schnappen konnte."

In 1:11,044 Minuten sorgte er obendrein für einen neuen Rundenrekord auf dem Autodromo Jose Carlos Pace, mit welchem er Juan Pablo Montoyas seit 2004 bestehenden Bestwert um fast eine halbe Sekunde nach unten korrigierte: "Ich hatte mir für das Rennen natürlich mehr ausgerechnet, aber wir haben das Maximum herausgeholt und das war Platz fünf."

Teamkollege Daniel Ricciardo hatte ein deutlich ereignisreicheres Rennen, welches mit einem turbulenten Start begann. Der Australier lag im Ziel als Sechster 16 Sekunden hinter Verstappen und holte nach der Startplatzstrafe für sich damit ebenfalls das bestmögliche Resultat heraus.

Ricciardo wurde in Brasilien beim Start in eine Kollision verwickelt - Foto: Sutton

Ricciardo mit Glück im Unglück

Von Startplatz 14 aus setzte Ricciardo am Start auf maximale Attacke. Das Vorhaben ging jedoch nach hinten los, als ihm in Kurve 2 außen neben Vandoorne und Magnussen die Straße ausging und der Däne im Haas eine Kettenreaktion auslöste, bei der Ricciardo von Vandoorne abgeräumt wurde. "Der Start war nicht ideal. Es war ziemlich eng und ich sah außen eine Lücke, also versuchte ich so viel Raum wie möglich gutzumachen", erklärt der Australier.

"Ich wusste, dass innen neben mir zwei Autos waren und es es ein Risiko gab, dass sie kollidieren und mich treffen. - und genau das ist passiert. Aber ich bereue es nicht. Der Start ist eine gute Möglichkeit, einen Batzen an Positionen gutzumachen und ich war fast ganz hinten. Ich musste also etwas versuchen", fügt Ricciardo an, der im Gegensatz zu seinem beiden Kontrahenten das Rennen fortsetzen konnte.

"Zum Glück hatte ich keinen Schaden davongetragen. Wir haben einfach nur die Reifen gewechselt und dann konnte ich mein Rennen weiterfahren", so der 28-Jährige, der sich daraufhin sukzessive durchs Feld arbeitete. "Es gab ein paar schöne Überholmanöver und es war ein gutes Rennen. Jedes Mal, wenn ich ein Auto einholte, überholte ich so schnell wie möglich und es gab einige schöne Kämpfe."


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