Formel 1

Formel 1: Wie verdient ist Lewis Hamiltons Weltmeistertitel?

Lewis Hamilton ist Formel-1-Weltmeister 2017. Doch wie verdient ist der vierte Titel des Mercedes-Stars? Hat er nur im besten Auto gewonnen?
von Christian Menath
Darum ist Lewis Hamilton verdienter Formel-1-Weltmeister 2017: (02:02 Min.)

Nach Nico Rosbergs Formel-1-Weltmeistertitel im vergangenen Jahr gab es nicht wenige Stimmen unter den Fans, der Deutsche hätte den Titel gar nicht verdient. Vielmehr hätte er im besten Auto nur vom Technik-Pech von Lewis Hamilton profitiert. Und selbst bei Lewis Hamiltons vorzeitigem Titelgewinn beim Mexiko GP 2017 stellten wieder einige die Frage in den Raum: Hat das beste Auto gewonnen oder der beste Fahrer?

Titel-Rivale Sebastian Vettel hatte eine eindeutige Antwort parat: "Ich mag solche Aussagen nicht. Wir hatten einen fairen Kampf, wir hatten beide sehr gute Autos. Ich will seine Leistung nicht mit irgendeinem Zitat schmälern. Er verdient den Titel jedes Bisschen. Er ist zwei Rennen vor Ende der Saison Weltmeister, es war ein fairer Kampf und er war der bessere Mann."

Hamiltons Statistik ist beeindruckend: Nach 18 Rennen stehen null Ausfälle. In allen Rennen kam Hamilton in die Punkte. Die Hälfte aller Rennen gewann Hamilton. Elfmal startete der Pole-Rekordhalter von Startplatz eins.

Tatsächlich strauchelte Hamilton in der ersten Saisonhälfte ab und zu. Vor allem auf langsamen Strecken hatte er Probleme. Dazu tat er sich auf glattem Asphalt zunehmend schwer. Teamkollege Valtteri Bottas ließ Hamilton in Monaco und Sochi nicht besonders gut aussehen.

Hamilton nach der Sommerpause unschlagbar

Doch nach der Sommerpause gewann Hamilton vier von sechs Rennen, war praktisch fehlerlos. Nach den starken Vorstellungen in der ersten Saisonhälfte sieht Bottas seit dem Italien GP kein Land mehr gegen den jetzt viermaligen Weltmeister. Nur am Auto kann es also nicht liegen.

Auch Sebastian Vettel sah ein: Lewis Hamilton war 2017 besser - Foto: LAT Images

Das meint auch Jacques Villeneuve im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com: "Er ist auf jeden Fall ein verdienter Weltmeister, denn dieses Jahr hatte er nicht das beste Auto. Die erste Saisonhälfte war so lala, aber seit dem Sommer: Wow!"

Doch woher kam Hamiltons Turnaround nach dem Sommer? Einen großen Teil macht sicherlich das Verständnis für die Reifen aus. Pirellis Formel-1-Chef Mario Isola: "Es ist kein Geheimnis, dass Ferrari in der ersten Saisonhälfte besser mit den Reifen umging, vor allem im Rennen. Mercedes und vor allem Hamilton haben hier sehr stark aufgeholt, das macht nun wohl auch den großen Unterschied zu seinem Teamkollegen aus."

Im Gegensatz zu Sebastian Vettel verzichtete Hamilton auf die Reifentestfahrten im vergangenen Jahr, bei denen es darum ging, das schwarze Gold für die Saison 2017 zu entwickeln. Vettel hingegen saß so oft wie nur möglich im Ferrari, um für Pirelli zu testen. Ein großer Vorteil, wie sich zu Beginn der Saison herausstellte, auch wenn Hamilton das nie zugeben wollte.

Doch Hamilton arbeitet an seiner Schwäche, setzte sich sogar plötzlich freiwillig bei Testfahrten ins Auto. "Ich habe diese Herausforderung geliebt", sagt Hamilton nach seinem Titelgewinn selbst. "Dieses Jahr haben wir gegen ein anderes Team gekämpft und ich war in der Lage, ein Team wirklich zu führen, zu motivieren, zu treiben." Seit der Niederlage gegen Erzrivale Nico Rosberg steckt offenbar auch ein Stück Rosberg in Hamilton.

Lewis Hamilton wird in Mexiko Formel 1 Weltmeister 2017: (00:50 Min.)

Lob von der Konkurrenz: Hamilton fehlerlos zum Titel

Das ist auch der Konkurrenz nicht entgangen. Mercedes' härtester Kritiker Dr. Helmut Marko zu Motorsport-Magazin.com: "Hamilton war das ganze Jahr souverän. Er ist mit einem Auto, das scheinbar schwierig zu fahren war, immer zurechtgekommen und hat keinen einzigen Fehler gemacht. Er ist ein würdiger und souveräner Weltmeister."

Nicht nur fahrerisch blieb Hamilton in dieser Saison nahezu fehlerfrei: Auch als Sebastian Vettel beim Aserbaidschan GP die Nerven verlor und Hamilton absichtlich ins Auto fuhr, behielt der Brite einen kühlen Kopf. Während Hamilton in seinen Anfangsjahren sein Temperament nicht immer im Griff hatte, scheint der viermalige Weltmeister auch hier gereift zu sein.

Die Experten waren sich übrigens auch in der abgelaufenen Saison einig: Rosberg war ein würdiger und verdienter Weltmeister.


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