Formel 1

Formel 1 Mexiko: Räikkönen-Podium wirklich nur dank VSC-Glück?

Kimi Räikkönen fährt beim Formel-1-Rennen in Mexiko nach schwachem Start auf P3. Rutschte er nur dank VSC-Hilfe vor Force India? Wieso der Schein trügt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kimi Räikkönen hat beim Mexiko GP der Formel 1 2017 sein zweites Podium in Folge erzielt. Wie zuletzt beim USA GP in Austin fuhr der Ferrari-Pilot auf Platz drei. Doch diesmal war es ein ganz hartes Stück Arbeit, ein Knochenjob.

Grund Nummer eins: "Wir hatten gestern kein ideales Setup, auch heute nicht", so Räikkönen. Somit nahm der Finne das Rennen nur vom fünften Startplatz auf. Von dort nahm das Unheil allerdings erst richtig seinen Lauf.

Mexiko: Kimi Räikkönen verliert vier Plätze in Runde eins

"Der Start selbst war nicht allzu schlecht. Aber dann waren die Jungs vor mir in einer Linie und ich war neben Bottas, hatte aber null Windschatten. Die Jungs hinter mir hatten ihn, sodass ich viele Plätze in den ersten Kurve verloren habe", berichtet Räikkönen.

Genauer gesagt ganze vier Plätze. Lediglich als Neunter kam der Finne zurück aus der ersten Runde. "Das war ein Desaster, aber ich hatte Geduld und den Speed, mich zu verbessern", sagt Räikkönen.

Schon nach zwei weiteren Runden waren drei Positionen gewonnen, weil Sebastian Vettel, Felipe Massa und Carlos Sainz zu Reparaturen an die Box gezwungen wurden oder schlicht eine aggressive Strategie wählten.

Räikkönen braucht Geduld: Überholen in Mexiko zu hart

Dann begann besagte Geduldsprüfung für Kimi Räikkönen. An Esteban Ocon, Nico Hülkenberg und Sergio Perez direkt vor ihm fand der Ferrari-Pilot einfach keinen Weg vorbei. "Ich musste warten, bis die Autos vor mir gestoppt haben. Denn wir hatten nicht genug Speed, um sie zu überholen. Das war nicht das schönste Gefühl, da festzuhängen", berichtet der Finne.

Überholen ist in Mexiko generell schwierig, das lehrten bereits die vergangenen Jahre. Lewis Hamilton bezifferte das nötige Delta für einen Angriff schon am Samstag auf stramme 1,3 Sekunden.

Und so viel schneller war der Ferrari dann doch nicht - schon gar nicht gegen einen Mercedes-betriebenen Gegner wie den Force India. 17 Runden lang musste sich Räikkönen daraufhin gedulden, ehe das Trio vor ihm binnen drei Runden zum Reifenwechsel abbog.

Räikkönen-Aufholjagd durch Ferrari-Overcut

Dann schlug des Finnen große Stunde. Sofort hagelte es persönliche Bestzeiten. "Sobald sie drin waren konnte ich pushen, sodass wir gut zurückgekommen sind. Da hatte ich einen ordentlichen Speed", sagt Räikkönen. So ordentlich, dass Räikkönen trotz der älteren Reifen im Fernduell Boden auf seine drei Rivalen, von denen sich Nico Hülkenberg auch noch eine per Motorschaden verabschiedete, gutmachte.

Als in Runde 32 Brendon Hartley ebenfalls abstellte und ein Virtuelles Safety Car auslöste nutzte Ferrari die Gunst der Stunde und zitierte Räikkönen, genau wie vorne Red Bull Max Verstappen und Mercedes Valtteri Bottas, zum zeitsparenden Boxenstopp. Das Ergebnis: Räikkönen kam vor beiden Force India zurück auf die Strecke lag damit auf Podiumskurs.

An Sergio Perez war Räikkönen durch einen Overcut leicht vorbei - Foto: Sutton

Force India: VSC hat Räikkönen geholfen, uns Podium gekostet

Entsprechend groß der Ärger bei Force India. "Für einen Moment hielt ich das Podium für möglich, da ich so lang auf dem dritten Platz lag. Leider hat das Virtuelle Safety Car Kimi während der Pitstops einen Vorteil verschafft, sodass er in der Lage war, uns zu überholen", sagt Esteban Ocon.

"Für eine Weile schien das Podium für Esteban in Reichweite zu liegen - bis das Virtuelle Safety Car Räikkönen einen Vorteil verschafft hat und auch Stroll noch ins Spiel gebracht hat. Aber da hat Esteban einen guten Job gemacht bei der Verteidigung", ergänzt der stellvertretende Teamchef Robert Fernley.

Darum wäre Räikkönen auch ohne VSC auf das Podium gekommen

Doch ist dieser Ärger wirklich gerechtfertigt? Auf den ersten Blick deutete alles darauf hin. Wer sich die Zeiten jedoch genauer ansieht stellt sehr schnell fest: Kimi Räikkönen hätte es auch ohne Virtuelles Safety Car geschafft - gegen Perez sogar ganz locker. Nur 0,8 Sekunden lag der Finne vor dem Stopp des Mexikaners in Runde 18 hinter Checo. Nach seinem eigenen Wechsel unter VSC betrug der Vorsprung satte 16 Sekunden, die alles andere als einzig durch das VSC zustande gekommen waren.

Vielmehr hatte Räikkönen durch seinen Overcut ab Runde 18 längst mehr als genug Boden gutgemacht, um Perez auch aus eigener Kraft zu überholen: Räikkönen hielt in dieser Phase seinen Rückstand auf Spitzenreiter Verstappen konstant, Perez dagegen verlor konstant - die Gap zwischen Räikkönen und Perez wurde also größer.

Und Esteban Ocon? Hier ist es tatsächlich enger. Vor dem Stopp des Franzosen in Runde 20 fehlten Räikkönen immerhin sieben Sekunden auf Ocon. Durch den Overcut machte der Finne bis zu seinem eigenen Stopp unter VSC rund sechs davon wett. Eine Sekunde hätte Räikkönen ohne VSC also gefehlt, um vor Ocon zu bleiben.

Aber: Ohne VSC bestand für Räikkönen auch überhaupt kein Grund, an die Box zu fahren. Räikkönens Zeiten waren auch nach 32 Runden auf dem Ultrasoft noch konstant, wurden in den letzten Runden vor seinem Stopp sogar drei Mal in Folge schneller (siehe Diagramm) - und deutlich schneller als jene Ocons auf frischen Softs. Räikkönen hätte also nur noch ein paar Runden weiterfahren müssen, schon wäre der Overcut auch ganz aus eigener Kraft aufgegangen.

Entsprechend spricht bei Force India zumindest Sergio Perez erst gar nicht mehr von Räikkönen. Doch hatte der Mexikaner da ohnehin schon andere Sorgen. "Das Virtuelle Safety Car kam genau im falschen Moment für mich, denn so konnte Stroll vor mich gelangen. Wenn das nicht passiert wäre, hätte ich Sechster werden können", sagt Perez.

Vettel-WM-Kampf aus: Räikkönen darf P3 behalten

Für Kimi Räikkönen indessen ging nach dem Gewinn von P3 nichts mehr, der Finne fuhr ein einsames Rennen. "Nach vorne konnte ich dann nichts mehr ausrichten, da waren wir schon zu weit dahinter", sagt Räikkönen. Hinter ihm waren indessen lange Zeit nur langsamere Autos.

Als sich das durch Sebastian Vettel änderte, änderte das an der Einsamkeit Räikkönens jedoch nichts: Beruhigende 20 Sekunde betrug sein Polster. Noch beruhigender war allerdings die WM-Situation: P3 hätte Vettel auch nicht geholfen, sodass Räikkönen dieses Mal seine erkämpfte Position auch behalten durfte.

Formel 1 Mexiko 2017: Die Highlights in 60 Sekunden: (01:05 Min.)

Force India macht P4 in Teamwertung gegen Williams klar

Beruhigung in puncto WM auch bei Force India: Auch ohne Podium reichte die Punkteausbeute für Ocons fünften und Perez' siebten Platz locker, um Platz vier in der Konstrukteurs-WM nun auch rechnerisch klar zu machen. Williams kann Force India in Brasilien und Abu Dhabi nicht mehr einholen. Das wiederum sind gute Nachrichten für Racing-Freunde: Die Teamorder-Regeln des Rennstalls sollen nun fallen.


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